Tiefe Gewässer, sanfte Hügel, die unendlichen Weiten des Nachthimmels und geheimnisvolle unterirdische Tunnel sind die Spielwiese für Kreaturen und Artefakte, die über Kampf oder Magie den wichtigsten Aspekt der Realität nach eigenem Willen formen: die Zeit selbst.
Mit Autorennamen wie Simone Luciani verbindet die Brettspielwelt meist tief verzahnte, strategische Schwergewichte wie Tzolk'in oder Wasserkraft. Für Echos der Zeit hat er sich mit Roberto Pellei zusammengetan, um ein kartengetriebenes Kennerspiel zu erschaffen, das sich in puncto Spieldauer zwar schlanker präsentiert, spielerisch aber ein echtes taktisches Brett ist.
Wenn die Sanduhr rückwärts läuft
Eingebettet in eine atmosphärische Fantasy-Welt, in der vier Tierfraktionen um die Vorherrschaft über mystische Machtquellen kämpfen, sticht das Spiel vor allem durch sein mechanisches Herzstück hervor: ein dynamisch-innovatives Förderband-System mit verschiebbaren Zeitkacheln.
Der Einstieg gelingt dank der klar strukturierten Anleitung überraschend flüssig. Das Spiel wird primär über Karten gesteuert, die Kreaturen oder Artefakte darstellen. Jede Fraktion, ob die Vögel des Himmels oder die Bewohner des Untergrunds, bringt dabei eigene strategische Nuancen mit.
Der Ablauf einer Runde gliedert sich im Kern in verschiedene Phasen. Zunächst werden die Zeitkacheln verschoben, wobei herausfallende Karten beschworen und damit Teil des eigenen Gefolges werden. Es folgt die Aktionsphase, in der jeder zwei Hauptaktionen ausführt. Zwei Karten ziehen, eine Karte ausspielen, zwei Karten ohne die dazugehörige Kachel verschieben oder eine Quelle erobern oder befestigen stehen zur Auswahl.
Wer eine Karte aus der Hand ausspielt, muss zunächst die Kosten begleichen, in dem andere Handkarten abgeworfen werden. Dann wird jede ausgespielte Karte direkt auf die verschiebbaren Kacheln des eigenen Tableaus gelegt, die den Zeitkosten der Karte entspricht. Durch das Ausspielen von Karten oder das Nutzen von Aktionen bewegt sich dieses mechanische Förderband. Karten wandern dadurch physisch weiter. Mächtige Boni werden freigeschaltet, sobald die Karte vom Ende der Leiste herausfällt.
Parallel zum Ausbau des eigenen Tableaus buhlen die Spielenden um zentral ausliegende Machtquellen. Hier entscheidet die summiert ausgespielte Stärke der eigenen beschworenen Kreaturen. Wer eine Quelle erobert, kann diese im späteren Verlauf befestigen und sie so vor den Zugriffen der anderen schützen und um sich dauerhafte Vorteile oder dicke Siegpunkte für das Spielende zu sichern.
Das Spiel endet, sobald die verfügbaren Machtquellen befestigt, die Siegpunktmarker aufgebraucht oder sich 12 Personen im Gefolge eines Spielers befinden. Es folgt eine klassische Punkteauswertung mit der Bestimmung des punktbesten Spielers.
Belohnende Vorausplanung mit hohem Grübelfaktor
Echos der Zeit fühlt sich frisch an, fordert den Spielenden aber einiges an Abstraktionsvermögen ab. Das Verschieben der Kacheln erfordert ein exzellentes Timing. Man ertappt sich ständig dabei, drei Züge im Voraus zu planen: „Wenn ich jetzt diese Kreatur spiele, rutscht mein Artefakt heraus, was mir genau die Ressourcen liefert, um nächste Runde die Quelle zu erobern.“ Wenn eine solche Kettenreaktion perfekt aufgeht, sorgt das für ein extrem belohnendes und befriedigendes Gefühl.
Gleichzeitig ist das Spiel kein reines Solospiel im eigenen Elfenbeinturm. Der Kampf um die Machtquellen bringt eine gesunde Portion Interaktivität und Druck in die Partien. Besonders hervorzuheben ist das modulare System der Interaktion: Wer es konfrontativ mag, mischt die aggressiven Karten hinein, die dem Gegenüber Ressourcen oder Punkte klauen. Wer lieber friedlich optimiert, lässt diese einfach in der Schachtel. Dadurch passt sich das Spielgefühl stark den Vorlieben der Runde an.
Ein kleiner Wermutstropfen ist die Anfälligkeit für die sogenannte „Analysis Paralysis“ (Grübelstarre). Da sich durch das Verschieben der Kacheln oft auch unvorhergesehene Kettenzüge ergeben, neigen manche Grübler dazu, den Spielfluss merklich zu verlangsamen.
Spieletester
Fazit
Mit Echos der Zeit liefert das Autoren-Duo Luciani/ Pellei ein echtes Highlight für das Kennerspiel-Segment ab. Das Spiel besticht durch sein cleveres, physisches Zeit-Förderband, das taktische Tiefe perfekt mit einer überschaubaren Spieldauer kombiniert. Das Gesamtpaket fühlt sich rund, durchdacht und optisch ansprechend an. Der Interaktionsgrad kann durch das Aussortieren der Konfrontations-Karten entsprechend angepasst werden. So ist das Spiel sowohl für harmoniebedürftige Optimierer als auch für kompetitive Runden geeignet.
Wer Freude an Optimierungsaufgaben hat, gerne vorausschaut und ein Spiel sucht, das trotz anspruchsvoller Mechanik nicht den ganzen Abend füllt, wird mit Echos der Zeit goldrichtig liegen. Es ist ein technisches Prachtstück, das in keiner gut sortierten Kennerspiel-Sammlung fehlen sollte.
Plus
- innovativer Kernmechanismus mit dem Sliding-Tile-System
- hohe Varianz mit über 100 einzigartige Karten
- Grad der Interaktion anpassbar
- angenehme Spieldauer trotz hoher taktischer Tiefe
- hochwertiges Material
- die stimmungsvollen Illustrationen überzeugen auf ganzer Linie
Minus
- anfällig für Grübelpausen
- hohe Einstiegshürde durch die Ikonographie
- Glücksfaktor beim Kartennachzug
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Details
4 Zeittableaus
24 Zeitkacheln
105 Gefolgekarten
6 Quellenkarten
1 Startmarker
8 Aktionsmarker
16 Aktivierungsplättchen
40 Siegpunktmarker
1 Spielregel
Statistik
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