Botanists

Projekte, deren Finanzierung über Kickstarter scheitern, müssen deswegen nicht zwangsläufig schlecht sein.
Können sie aber.
Botanists ist so ein Projekt.

In der großen, schweren Kiste findet sich aufwendig gemachtes Spielmaterial.
Viele dicke Blumenplättchen, ebenso dicker, großer und glänzender Spielplan, fünf persönliche Spielpläne und zwei dicke Stapel schön gemachter Karten. Die Spielfiguren, Karton in Standfüßen, wären mit deutlich unterschiedlicher Hintergrundfarbe besser verwenbar.
Der riesige Spielplan zeigt in der Mitte den Markt, auf diesem werden 25 zufällige, aus dem Beutel gezogene Blumenplättchen offen in einem Quadrat ausgelegt. Fünf verschiedene Blumensorten in gelb, blau, rosa, violett und grün stehen zur Verfügung.
Das Beet am Markt ist bunt.
Diese Blumen sammelt und verkauft unser Gärtner in 15 Runden.
Der persönliche Spielplan zeigt drei Parzellen zu je fünf Anbauplätzen. Jeder Anbauplatz zeigt eine der Blumenfarben und gibt damit an, welche Blume als nächste vom Markt geholt werden sollte. Zusätzlich dürfen bis zu drei weitere vom Markt genommen werden. Welche, ergibt sich aus dem Standort des Gärtners und der verwendeten Marktkarte. Überzählige Blumen legen wir auf das unfruchtbare Land am eigenen Spielplan.

Eine Minute pro Zug

Die Information in der Spielregel erzählt von 15 Minuten Spieldauer pro Spieler. Damit darf jeder Zug nur eine Minute dauern. Auf der Box findet sich sogar nur die Info von 30 - 40 Minuten Spieldauer. Das ist in beiden Fällen krasse Untertreibung, denn die Planung des eigenen Spielzugs kann erst beginnen,  wenn der rechte Nachbar seinen beendet hat. Der Markt ändert sich nach jedem Spieler um eine bis vier Blumen und zusätzlich steht die Spielfigur des rechten Nachbarn dann anders als vor dessen Zug und möglicherweise im Weg herum.
In meinem Zug sind folgende Dinge zu tun und zu beachten:

  • schauen, wo am Markt eine Blume passender Farbe für das nächste Feld der Parzelle zu finden ist
  • überlegen, wie ich meinen Gärtner bewegen soll und welche der Marktkarten ich verwenden könnte, um diese Blume zu erwischen
  • überlegen, welche zusätzlichen Blumen ich damit bekomme und welche der Optionen die günstigste ist
  • die allgemeinen Auftragskarten und die bereits eingelagerten Blumen sind zu beachten
  • der oder die persönlichen Aufträge sind zu bedenken
  • ist die Entscheidung gefallen, ziehe ich meine Spielfigur, nehme alle Plättchen laut Marktkarte und nehme auch das Plättchen unter meiner Spielfigur
  • lege Plättchen aus dem Beutel nach
  • dann entscheide ich erst, wie die vom Markt geholten Blumen verwendet werden
  • erfülle ich einen allgemeinen Auftrag, kommt ein neuer ins Angebot und auch das hat Einfluss auf den Zug des nächsten Spielers

Fünf Minuten später

Mit fünf Minuten pro Zug übertreibe ich vielleicht ein wenig.
Hier aber wurde ordentlich untertrieben.
Unter zwei Stunden ist eine Partie bei vier Spielern wirklich kaum machbar. Für diese Spieldauer wird aber viel zu wenig Abwechslung geboten. Lediglich gegen Ende jedes Spieldrittels muss man die Strategie ein wenig anpassen und versuchen, am Ende der fünften, zehnten und letzten Runde möglichst wenige Blumen am unfruchtbaren Feld liegen zu haben.
Idealerweise gar keine.
Dann gibt es sieben zusätzliche Siegpunkte, sonst pro Blume zwei Minuspunkte.
Ein leeres unfruchtbares Feld bedeutet aber auch, dass man tolle Aufträge erledigen und sich der Blumem am Feld entledigen konnte. Eine Win-Win-Situation, denn erledigte Aufträge bringen Punkte und leeren das unfruchtbare Feld.
Das Glück kann hier ordentlich Regie führen!

Was geht, wenn nichts geht

Benötige ich in meiner Parzelle als nächste eine blaue Blume und am Markt ist keine für meinen Gärtner erreichbar, lege ich eine frisch gekaufte Blume mit der verwelkten Seite nach oben dort in der Parzelle ab und darf dafür die Sonderaktion des überdeckten Felds ausführen.
Diese Sonderaktionen bringen fast immer weniger als sie letztendlich - mit Spätfolgen - kosten.
Also besser farblich passend einkaufen!
Eine weitere Option ist die Pflege des unfruchtbaren Lands.
Statt auf dem Markt aktiv zu werden, legt man ein Blume vom unfruchtbaren Land verwelkt in die Parzelle, nutzt die entsprechende Sonderfunktion und darf zusätzlich zwei Marktkarten nachziehen und von den vieren dann zwei behalten.
Diese Option macht speziell in Runde 5, 10 und 15 Sinn, wenn man damit die letzte Blume vom unfruchtbaren Feld in die Parzelle legen kann.
Das bringt bekanntlich sieben Punkte bei der Drittelabrechnung!
Sonst sollte man sie tunlichst vermeiden. 

Zwei Stunden später

Wenn jeder Spieler seine 15 Züge absolviert hat, werden Punkte summiert.
Die Summe inkludiert:

  • plus 5 Punkte pro erledigtem Auftrag
  • minus 5 Punkte pro nicht erledigtem, eigenen Auftrag
  • Pluspunkte für Parzellen ohne verwelkte Blumen (wurden teilweise bereits während des Spiels vergeben)
  • Minuspunkte für eingelagerte Blumen (wurden teilweise bereits während des Spiels vergeben)
  • Strafpunkte für verwelkte Blumen

Spieletester

30.04.2020

Fazit

Irgendwie folgen Schwarmfinanzierungskampagnen oft einem speziellen Muster.
Viel und schönes Material täuscht über fehlende Innovation und Spielwitz hinweg.
Leider ist Botanists genau dort angesiedelt.
Wäre es in der angegebenen Spielzeit von rund 45 Minuten gespielt, gäbe es außer etwas umständlichem Handling nicht viel auszusetzen.
Es wäre nicht toll, aber zumindest OK.
Mehr als zwei Stunden Gartenarbeit ohne nennenswerte Variation ist jedoch deutlich zu lange. Es trägt der Mechanismus, der auch schon häufig anzutreffen war, bestenfalls bis zur Halbzeit. Dann macht sich Unruhe unter den Hobbygärtnern breit.
Man weiß genau: Da kommt nichts Neues mehr. 
Das ist schade, war aber schon beim Lesen der Regel absehbar.
Absehbar war es wohl auch für die Freaks auf Kickstarter.
Nur 60 backer wollten das Spiel mitfinanzieren.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • Nettes Thema
  • Tolle Ausstattung

Minus

  • Großer Spielplan ohne viel Funktion
  • Kartenstapel verdecken die Sicht auf den Blumenmarkt
  • Spielfiguren schwer unterscheidbar
  • Völlig falsche Angaben zur Spieldauer

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 30 bis 40 Minuten
Preis: 40,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2019
Verlag: Agie Games
Genre: Strategie
Zubehör:

1 Hauptbrett, 5 Spielbretter, 5 Spielfiguren (mit jeweils einem Plastikstand), 5 Punktemarker, 145 Blumenplättchen, 76 Marktkarten, 82 Auftragskarten, 1 Beutel, Spielanleitung

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