Dreams

Die göttliche Geschichte

Die Geschichte ist schnell erklärt: Die Götter möchten der Menschheit ein Geschenk machen und werfen daher wundervolle (Stern)Bilder auf das Firmament. Doch halt! Offenbar hat sich ein Mensch unter sie gemischt und intendiert dazu, selbst Göttliches zu vollbringen. Die Götter sind sich einig: Er muss enttarnt werden!

Und so beschließen Sie, vier Bilder als Vorlage für ihr nächstes Werk heranzuziehen, wobei nur eines davon tatsächlich am Himmel erscheinen soll. Durch ihre wahre göttliche Vision wissen sie wohl, welches das ist. Der Mensch jedoch kann nur raten und ver-rät er sich, verrät er sich.

Spielablauf

Jeder Spieler erhält einen Zählstein, eine Wahlscheibe in seiner Farbe und 3 Sterne in jeweils unterschiedlichen Größen und Farben. Vier Bilder werden aus den 72 Traumkarten aufgedeckt und nummeriert. Ebenso vier Stapel mit Chips gibt es, die jeweils in sich alle mit der Nummer des gleichen Bildes beschriftet sind. Also ein Stapel pro Bild. In jeden der Stapel wird ein „Mensch” gemischt. Während alle die Augen schließen, tauscht nun einer der Spieler die Positionen der Stapel. Danach schließt er die Augen und die übrigen Spieler wählen einen der Stapel und räumen die anderen beiseite. So ist sichergestellt, dass niemand weiß, welches das gesuchte Stern- und welche die Trugbilder sind. Die Chips werden auf die Spieler aufgeteilt. Wer eine Nummer erhält, weiß nun, mit welchen Bild gespielt wird; Wer aber den Menschen-Chip erhält, tappt völlig im Dunkeln der Nacht.

Nun legen die Spieler reihum Ihre Sterne – in Form von Kunststoffglitzersteinchen – auf das Firmament. Und zwar so, dass die Steine einen markanten Punkt des zu legenden Bildes kennzeichnen. Auch der Mensch muss seine Sterne platzieren. Doch weiß er natürlich nicht, wo das sein sollte. Er darf sie nicht zu auffällig unauffällig legen, aber auch nicht zu mutig markant, denn so kämen ihm die Götter schnell auf die Schliche.

Haben alle Spieler ihre Steine platziert, geht es an die Wertung. Jeder Spieler gibt seinen Tipp ab, wer von ihnen sich als Sterblicher unter die Götter gemischt hat. Außer ebendieser. Er tippt darauf, welches Bild die wahre Vision darstellt.

Punkte erhält
* der Mensch, wenn er unerkannt bleibt, also niemand auf ihn tippt
* der Mensch, wenn er die wahre Vision enträtselt
* der Gott, der den Menschen entlarvt
* der Gott, der von niemandem des Mensch-Seins bezichtigt wurde.

Und mit diesem  letzten Punkt ist das Spiel leider auch bereits zum Tode verurteilt. Denn durch die Belohnung des auffälligen Legens, ist es dem Menschen schnell möglich zu erraten, wo die Sterne am Firmament funkeln sollten, was das Spiel ad absurdum führt. Mehr dazu unten. An dieser Stelle sei nun der Vollständigkeit halber nur noch das heroische – aber voraussehbare – Ende verraten: Wer nach jener Runde, in der einer der Spieler (mehr als) 16 Punkte erreicht hat, die meisten Punkte hat, gewinnt. Sind die 16 Punkte noch von niemandem erreicht, beginnt eine neue Runde und somit das Prozedere der Bildauslage, Götterbestimmung und Befunkelung des dunkeln Nachthimmels mit seinen schimmernden Sternen.

Materialauswahl

Das Material ist durchaus nett gewählt. Das Firmament aus moosgummiartigem Material erinnert an frühe Mauspads und kann zusammengerollt werden. Die elliptische Form macht es auch optisch besonders. Die Sterne sind aus Kunststoff und recht kantig verarbeitet, was einen sehr hochwertigen Eindruck hinterlässt. Einzig fraglich ist, warum die Sterne, die ja eigentlich hell funkeln sollen, ausgerechnet grau und schwarz sind, so dass sie tatsächlich auch schwer am Himmelszelt zu sehen sind.

Die Wählscheiben sind zugleich die Spielerfarbenmarker. Sie sind sehr hübsch aufgebaut und passen sich durch ihre Sternform optisch hervorragend dem Thema an. Leider hat sich einer der Sterne bereits bei unserer zweiten Testrunde aufgelöst. Und zwar nicht an der (vor dem ersten Spiel selbst zu klebenden) Verbindungsstelle der Einzelteile, sondern eines der Kartonelemente hat sich schlichtweg in seine saturngleichen Schichten zerlegt.


Gottes Werk und Teufels Beitrag

Das Spiel ist definitiv ein optischer Sensationslüstling und zieht die interessierten Blicke auf sich. Selbiges gilt für die verlockend anmutende Geschichte. Doch bereits beim Spiel zu dritt stellt sich heraus, dass es nahezu nicht möglich ist, die Steine so zu platzieren, dass sie nicht irgendwie zu jedem der Bilder passen. Mangels „unauffälliger Stellen“ schlägt das Spiel nach einer tendenziell kürzer dauernden Zeitspanne von „passt auf alle Bilder“ mit einem Schlag (und einem Stein) um und es passt die Auslage nun nur mehr auf das eine gesuchte Bild. Der Mensch hat es daher recht leicht unerkannt zu bleiben. Denn zuerst ist es relativ egal wo er legt, und ist erst der „Königmacher-Stein“ gelegt, ist es ziemlich klar, welches das gesuchte Bild ist. Somit kann der Irdische weiterhin gut unerkannt unter den Göttlichen weilen.

Wer nun denkt, dann soll halt einfach kein „Königsmacher“ gelegt werden, der denkt zwar theoretisch fein, doch ist dies nicht allzu lange durchzuhalten. Gibt es ja schließlich Punkte für Götter, die sich nicht verdächtig machen. Das können sie aber nur, wenn sie präzise legen.

Die Hoffnung, dass das Spiel mit mehr Spielern an Reiz gewinnt, wurde sehr schnell genommen. Vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Denn bei 6 Spielern kommen insgesamt achtzehn Sterne auf das Firmament. Meist ist aber nach 6 oder 7 schon alles klar. Da jeder Spieler aber alle Steine noch legen muss „zaht si des G’spü“ , auf gut Wienerisch gesagt, „wia a Strudelteig“ (hochdeutsch könnte man sagen, die Spielzeit pro Runde erinnere an das Eiklar, das beim Eier aufschlagen einfach nicht aus der Schale tropfen will und schier ewig als immer länger werdender Faden an der Hülle hängt um einfach nicht und nicht reißen zu wollen). Die Runden werden auf diese Weise nicht nur lang, sondern auch lang-weilig. Das so göttlich anmutende Spiel entpuppt sich so rasch doch nur als irdisches Machwerk.

Spieletester

12.05.2018

Fazit

Ich bin mit sehr hohen Erwartungen an das Spiel heran gegangen, denn das Prinzip „einer – geheim – gegen alle” ist wunderbar: Tarnen und Täuschen am laufenden Band. Sowohl als Gott, als auch als Mensch sollte der Ehrgeiz hoch liegen. Doch leider stellt sich schnell heraus, dass der Handlungsspielraum ein sehr geringer ist und es dem Menschen sehr leicht fällt, nicht unter den Göttern aufzufallen. Umso mehr Spieler, um so unspannender wird es. Die göttliche Idee entpuppt sich in unseren Augen leider rasch als menschliches Versagen. Doch zumindest an dem schönen Spielmaterial und den abwechslungsreichen Bildern kann man sich erfreuen.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • Auffälliges und haptisch ansprechendes Spielmaterial
  • Vielzahl an Bilder für abwechslungsreiche Spielrunden

Minus

  • Unausgewogener Spielablauf
  • Lang(weilig)e Spielrunden - vor allem bei mehreren Spielern
  • Klebepunkte lösen sich nach einiger Zeit

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 3 bis 6
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 20 bis 40 Minuten
Preis: 30,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2016
Verlag: Zoch
Zubehör:

1 Firmament (Spielmatte)
72 Bildkarten
4 Bildernummern
18 Stern-Steine (je 6 in klar, grau und schwarz)
2 Götterleisten (Zählleisten von 0-10 und 11-20)
6 Mondsicheln
6 sternförmige Wahlscheiben
24 Göttermarken
4 Marken des Sterblichen
1 Spielregel

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