4 Gods

Ich mag Sanduhren.
4 Minuten und 30 Sekunden für ein weiches Ei.
3 bis 5 Minuten für meinen Darjeeling First Flush, je nach Lust und Laune.
10 Minuten für den Kräutertee Marke Eigenbau meiner treuen Mitspielerin Edith.
Eine Sanduhr mit 30 Sekunden in einem Spielekarton macht mir etwas Sorgen ob der damit möglicherweise einhergehenden Hektik.

Der eine Gott erschuf die Welt in sieben Tagen.
Die bis zu vier beteiligten Götter arbeiten in 30 Sekunden-Kurzeinsätzen und bauen die Welt aus Wald, Berg, Wiese und Wasser in mühevoller Hektik in rund 40 Minuten. Plättchen werden aus dem Beutel gezogen und so schnell als möglich sinnvoll und regelkonform in der Landschaft verbaut. Wenn man als Spieler dann einem Gott huldigt, setzt man zusätzlich manchmal Propheten auf das zuletzt gelegte Plättchen.

Carcassonne trifft Speed

Hier stand sicher Carcassonne Pate, 4 Gods erreicht aber die Leichtigkeit des großen Vorbilds nicht einmal ansatzweise. Alles ist hektisch, unübersichtlich und zusätzlich durch die Vorschrift, dass neue Plättchen zumindest an zwei Seiten richtigen Anschluss haben müssen, auch schwierig. Wer hier die Übersicht verliert, verliert auch das Spiel.
So auch ich.
Das so beliebte und geschmähte "Einschleimen" in große Landschaften, Wälder oder Städte wie bei Carcassonne ist in der göttlichen Landschaft nicht nötig. Egal, wie viele Propheten von wie vielen Spielern bereits im Wald sitzen, weitere dürfen gerne dazustoßen.
Am Ende zählen Mehrheiten.
Eine weiterer Problemfaktor ist die doppelseitige Ausführung der Landschaftsplättchen und das damit einhergehende Drehen und Wenden, nicht nur in der eigenen Ablage. Für zehn aktuell nicht brauchbare Plättchen ist Platz an jeder Außenkante des Spielplans, Plättchenreserve für jeden Spieler. Diese steht aber nicht exklusiv einem Spieler zur Verfügung, jeder darf sich überall bedienen, darf Plättchen wenden, auch auf der gegenüber liegenden Spielplanseite. Dass in der Hektik, ich erinnere nochmals an die Sanduhr und erwähne gleich auch den Modus "gleichzeitig", bei dem alle immer höchst aktiv sind, Propheten durch weite Ärmel oder grobmotorisch-problematische Moves ihren angestammten Platz verlassen, ist nicht nur schnell passiert sondern vorprogrammiert. Korrekturen sind dann kaum mehr möglich.

Neben Landschaften sind auch runde Stadtplättchen nach identischen Regeln spielbar. Runde Plättchen generieren keine Kanten und schränken die Bautätigkeit wieder ein. Erneut ein Abstrich bei der Leichtigkeit. Städte können wieder zerstört werden, das Landschaftsplätten muss genau in die Lücke der zerstörten Stadt passen. 
Halleluja allen, die es sehen.

Welt voll oder Beutel leer

Das Spiel endet, wenn der schwarze stylische Beutel leer ist oder die Welt im Rahmen voll. 
Dann sind einige Mehrheiten auszuwerten.
Auch hier ist Leichtigkeit ein Fremdwort.
Außer für die Gewinnerin.
Sie kann sich über den größten GE (Göttlichen Einfluss) freuen.

Spieletester

10.04.2017

Fazit

Es gibt Spiele, die würde ich gerne mögen.
Leider gelingt mir das bei 4 Gods nicht.
Überhaupt nicht.
Landschaftsarchitektonische Flächenfüllung muss sich den Vergleich mit Carcassonne gefallen lassen.
Nur wenige Spiele steigen dabei gut aus dem Ring.
4 Gods schafft das nicht.
Kann gerade noch so ein KO vermeiden.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • Optisch Top
  • Cover ohne Titel

Minus

  • Spielerisch ein Flop
  • Zu hektisch und unübersichtlich
  • Zu beliebige Wertung

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 8 Jahren
Spieldauer: 15 bis 30 Minuten
Preis: 34,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2016
Verlag: Asmodee, Ludically
Grafiker: Ismaël
Zubehör:

Spielfeld-Rahmen mit Punkteleiste
92 quadratische beidseitig bedruckte Geländeplättchen
56 Propheten in 4 Farben
4 Aufbewahrungsschächtelchen für die Propheten
8 runde Plättchen "Legendäre Stadt"
4 Göttertafeln
4 doppelseitige Spielmodi-Plättchen
1 Beutel für die Geländeplättchen
1 Sanduhr (ca. 30 Sekunden)
Spielanleitung

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