Petiquette

Erkenne einen Zusammenhang, obwohl es überhaupt keinen gibt! Und vielleicht erkennen die anderen den gleichen Nicht-Zusammenhang?

Zu Beginn jeder Runde werden fünf Karten aus dem Deck aufgedeckt und nebeneinander ausgelegt. Jeder Spieler betrachtet diese Reihe und wählt aus seiner Hand die Karte, die seiner Meinung nach am besten als sechste in die Anordnung passt. Gleichzeitig werden alle gewählten Karten aufgedeckt. Zeigen zwei oder mehr Spieler dieselbe Karte, erhalten diese Punkte. Wer alleine liegt, geht leer aus.

Das eigentliche Spielprinzip ist somit genau so simpel, wie es klingt. Der eigentliche Kniff besteht darin, dass die Karten aufgrund des Zufalls beim Auslegen faktisch keinen "wirklichen" Algorithmus haben, sondern wir diesen für uns konstruieren. Jede Karte besteht dabei aus drei Merkmalen: Tierart (Hund, Katze, Gans), Hutfarbe (blau, rot, gelb) und einer Zahl von eins bis fünf. In einer Reihe von fünf Karten lassen sich also gleichzeitig mehrere mögliche Muster erkennen. Steigen die Zahlen gleichmäßig an? Wiederholt sich die Hutfarbe? Wechseln sich die Tiere in einem bestimmten Rhythmus ab? Jeder sieht etwas anderes, und genau das ist der Kern des Spiels. Punkte gibt es nicht für die objektiv beste Antwort, sondern für die meistgewählte. Es geht also weniger darum, was logisch korrekt ist, als darum, was die anderen wohl denken.

Kompetitiv oder kooperativ

Petiquette lässt sich auf zwei Arten spielen. Im kompetitiven Modus versucht jeder, möglichst oft mit der Mehrheit übereinzustimmen, um Punkte zu sammeln. Im kooperativen Modus wählt eine Person heimlich eine Karte, und die anderen versuchen zu erraten, welche sie gewählt hat. Hierbei darf von der Gruppe fleißig diskutiert werden. Bei beiden Modi dreht sich immer alles darum, die Denkweise des anderen nachzuvollziehen. Sie funktionieren jeweils mit denselben Karten und denselben Regeln, fühlen sich aber dennoch unterschiedlich an. Im kooperativen Modus werden die Entscheidungen teilweise "zerredet" oder zu lange "überdacht", anstatt einfach dem Bauchgefühl zu vertrauen. Im kompetitiven Modus gibt es dafür noch öfter Null-Runden, wenn jeder ohne großes Nachdenken etwas komplett anderes in die Reihe hineininterpretiert.

Das Spiel skaliert gut mit der Spielerzahl. Mit wenigen Spielern ist jedoch der kooperative Modus klar die interessantere Wahl, da es im kompetitiven Modus mit mehr Spielern zwangsläufig zu einer höheren Punktvergabe kommt.

Spieletester

Fazit

Die Prämisse von Petiquette ist erst einmal sehr interessant. Wir versuchen Muster in einer Kartenreihe zu erkennen, bei der wir sogar zugeschaut haben, wie sie ausgelegt wurde. Eine gewisse Reihenfolge KANN also wenn überhaupt nur zufällig sein, und dennoch versuchen wir, diese zu finden.

Das sorgt immer wieder mal für einen, auch lustigen, "Aha"-Effekt. Außerhalb davon nutzt sich das Spielprinzip aber auch schnell ab. Um "mal was anderes" zu sehen und als Opener oder Lückenfüller erfüllt Petiquette seinen Zweck. Direkt eine zweite Runde wollte bislang aber keiner meiner Mitspieler, und für mich war das auch verschmerzbar.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • interessante Prämisse
  • Regeln schnell erklärt

Minus

  • Grafiken sind Geschmackssache
  • kann nicht lang fesseln

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 6
Alter: ab 7 Jahren
Preis: 18,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2025
Verlag: Oink Games
Grafiker: Hisanori Hiraoka
Zubehör:

106 Karten
47 Chips
1 Spielanleitung

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