Vor 20 Jahren erschien Reiner Knizias Abenteuerspiel "Die Insel". Jetzt gibt es eine Neuauflage mit etlichen Neuerungen und Solomodus. Ob das Spielprinzip mit zwei Dekaden auf dem Buckel heute noch überzeugt? Lies weiter.
Ravensburger und die elektronischen Brettspiele
Die Kombination aus Brettspiel und Elektronik gibt es beim deutschen Verlag Ravensburger schon seit den 80ern. Zählt man das elektronische Lernspiel Elexikon mit, dann sogar seit den 70ern. Selbst bleibt mir vor allem King Arthur, ebenfalls von Reiner Knizia, aus den Nuller-Jahren noch sehr gut in Erinnerung.
Für kurze Zeit gab es auch Brettspiel mit App-Unterstützung. Leider scheiterte dieses Vorhaben bei Ravensburger und man stellte die Produktion solcher Hybrid-Spiele nach nur 2 Jahren wieder ein. Dafür entwickelt sich das elektronische Brettspiel weiter und ist durchdachter. Bei Ventopia kann man bei der Audioausgabe die Lautstärke regeln und ein kleines Licht zeigt an wer gerade dran ist. Das scheinen nur kleine Features zu sein aber verbessern das Spielerlebnis gegenüber früheren Modellen deutlich.
Eine schwebende Insel in Gefahr
Im Gegensatz zum Vorgänger ist Ventopia in einer Fantasiewelt angesiedelt. Wir leben auf einer schwebenden Insel und müssen diese vor der böse Herrscherin Nyxara beschützen. Nach und nach schickt sie Kreaturen, die unsere Kristalle klauen wollen und uns im Weg stehen. Gemeinsam bekämpfen wir diese Monster indem wir Ressourcen oder sogar wertvolle Kristalle abgeben. Wir laufen mit unserer Figur von Ort zu Ort und sammeln Ressourcen oder lösen das Gesammelte bei Kristallwandlerinnen in funkelnde Kristalle ein. Diese Kristalle müssen auf drei Türme gelegt werden, um das Spiel zu gewinnen.
Ein paar Leuchtkäfer und eine Brise Verwechslungsgefahr
Wie wir an die Ressourcen und Kristalle kommen, können wir sogar ohne Regelheft über die Audioausgabe erfahren. Perfekt für Ungeduldige, die keine Lust auf Lesen haben und gleich losstarten wollen. Das ist eines der größten Vorteile eines elektronischen Spiels, sofern die Personen am Tisch auch nicht ständig reinplappern. Man muss aber auch bei Stille trotzdem gut zuhören. Akustisch sind "der Greif" und "der Geist" sehr ähnlich gesprochen und haben eine Auswirkung auf das Spiel. Denn die Kreaturen wollen im Spiel unterschiedliche Ressourcen und das kann dann bitter sein, wenn man zum Beispiel gerade keine Feuerkräuter hat. Zum Glück gibt es eine Wiederholfunktion und wir können uns immer wieder das Letztgesprochene anhören.
Auch die Namensgebung der Ressourcen ist etwas holprig. Der Leuchtkäfer sieht aus wie eine Motte und der Sonnenstein sieht aus wie ein Kristall aber hat nichts mit den "echten" Kristallen zu tun. Das durchaus erfrischende Fantasiethema kann zu Verwechslungsgefahr führen. Auch die Farben der Kristalle führen manchmal zu Diskussionen. Bei sieben verschiedenen Farben ist die Unterscheidung nicht einfach - vor allem bei Hell- und Dunkellila. Daher ist das Spiel für Farbenblinde eher ungeeignet.
Das Merken stärken
In der kooperativen Variante wird uns nach einigen Partien erst das große Ganze klar. Es gibt etliche Dinge zu beachten, um an mehr Ressourcen zu gelangen und die Freude bei den Kindern, wenn wir etwas Neues entdeckt haben, ist riesengroß. Im Grundprinzip müssen wir uns merken, wo wir waren und wie wir unsere Routen planen. Orte, die lange nicht besucht wurden, geben uns mehr Ressourcen und wir müssen die Kreaturen nicht immer mit wertvollen Kristallen bekämpfen.
Ventopia ist sehr abwechslungsreich und nach unzähligen kooperativen und kompetitiven Partien ist noch immer kein Ende in Sicht. In unserem Test haben wir selbst nach sieben Partien das Spiel gegen Nyxara nicht gewinnen können. Immer wieder war es ganz knapp und spannend. Eine Partie kann bis zu 45 Minuten dauern aber die Motivation es nochmal und nochmal zu spielen war groß. Eine Partie haben wir sogar über Nacht stehen und angeschaltet gelassen, um am nächsten Tag weiter zu spielen. Eine Speichermöglichkeit gibt es nämlich nicht.
Unglücklicherweise war unser Spielplan nach einigen Partien fehlerhaft. Ein Ort wurde nicht mehr richtig erkannt und war damit nicht mehr richtig spielbar. Ravensburger hat uns unkompliziert einen Ersatz zukommen lassen, der ebenfalls defekt war. Erst beim dritten Mal durch einen Kauf im Handel war ein einwandfreies Spiel dabei. Das hat unseren Spielspaß etwas getrübt. Bevor ihr einen epischen Spieleabend mit Ventopia plant, sollte ihr das Spiel vorab testen. Am besten im Solomodus eine Proberunde spielen und mit etwas Glück der bösen Herrscherin den Garaus machen.
Spieletester
Fazit
Was für ein Abenteuer! Alleine, gemeinsam oder gegeneinander können wir auf Ventopia spielen. In Sachen Abwechslung spielt dieses Abenteuerspiel in der obersten Liga mit. Ventopia fühlt sich mit ein paar Schönheitsfehlern trotzdem "rund" an und hat einen hohen Wiederspielwert.
Trotz unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade ist die kooperative Variante mit jeder Spieleranzahl sehr herausfordernd. Es brauchst erst ein paar Partien, um das volle Ganze zu verstehen und auch danach ist das Standardspiel schwer zu knacken. Dieser Umstand kann für Kinder frustrierend sein.
Die Merkleistung wird stark gefordert aber wer sich davon nicht abschrecken lässt und sich etwas Zeit nimmt, kann mit Ventopia unvergessliche Partien erleben über die die Familie noch lange danach spricht.
Plus
- alleine, kooperativ und kompetitiv spielbar
- abwechslungsreich
- hoher Wiederspielwert
- schneller Start dank Audiounterstützung
Minus
- hoher Schwierigkeitsgrad bei Kooperativmodus
- nicht für Farbenblinde geeignet
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Details
1 elektronischer Spielplan
4 Kunststoffspielfiguren
7 dunkle Kreaturen mit Aufstellfüßen
60 Spielkarten
Kristalle: 35 Kristalle und 10 Regenbogenkristalle
Marker: 9 Energie-Element-Marker, 1 Wächterin-des-Lichts-Marker, 1 Rostflügel-Marker, 3 Kristallwandlerinnen-Marker, 1 Kobold, 2 Feuer-Marker
4 Sichtschirme
1 Spielanleitung
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