Under Falling Skies

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich so manche Deutsche Mark in Videospielautomaten mit Programmen wie z. B. Space Invaders oder Millipede versenkt habe. Insofern wurden sofort alte Erinnerungen wach, als ich auf dem ersten digitalen TriCon von HeidelBÄR Games das hier vorliegende Spiel als Prototypen anspielen konnte.

Das Thema hinter dem Spiel erinnert sofort an Filme wie Independence Day oder Mars Attacks!. Außerirdische greifen Städte auf der Erde an und es ist die Aufgabe des Spielers, deren Verteidigung zu organisieren und die Invasoren zurückzuschlagen. Dabei gibt es aber kein Gegeneinander oder ein Miteinander, denn Under Falling Skies ist ein lupenreines Solo-Spiel.

Aufbau

Aus sieben Platten wird vor dem Spiel der in drei Zonen unterteilte Spielplan zusammengefügt. Vier für den Bereich Himmel, eine für die Stadt und noch mal zwei für die Verteidigungsanlagen im Untergrund. Leider werden die Platten einfach nur lose aneinandergelegt und sind nicht miteinander verzahnt. Dadurch können sie manchmal verrutschen. Alle Spielplanplatten sind doppelseitig bedruckt. Die Himmelsplatten haben eine einfache und eine schwierigere Seite, die Stadt eine normale und eine etwas hilfreichere und die Seitenwahl der Untergrund-Basis hängt von den Vorgaben der ausgewählten Stadt ab. Über dem Spielplan thront das Alien-Mutterschiff, in jedem seiner fünf Schächte ein startbereiter Jäger. Nun müssen nur noch die Marker für verfügbare Energie, Alien-Forschung und den Zustand der Basis, sowie des Tunnelbohrers auf die entsprechend gekennzeichnet Start-Felder gesetzt werden und dann kann es schon losgehen.

Ablauf

Eine Partie läuft rundenweise ab und zwar solange, bis entweder der Spieler das Endfeld der Alien-Forschungs-Leiste erreicht und somit gewonnen oder aber die Verteidigungsbasis der Stadt den maximalen Schaden erlitten hat bzw. das Mutterschiff der Aliens der Erde so nahe gekommen ist, dass auch damit die Partie verloren wurde.

Jede der einzelnen Runden ist immer in drei Phasen unterteilt, die nacheinander ausgeführt werden: Würfel-Phase, Raum-Phase und Mutterschiff-Phase.

In der ersten Phase werden die fünf zur Verfügung stehenden Würfel geworfen und anschließend auf bereits ausgebohrten Räumen der Verteidigungsbasis eingesetzt. Dabei gibt es allerdings einiges an Regeln zu beachten. Wird einer der beiden weißen Würfel eingesetzt, müssen alle anderen, noch nicht Eingesetzten neu gewürfelt werden. Zudem darf immer nur ein Würfel in jeder der fünf Spalten eingesetzt werden. Beim Einsetzen müssen zudem alle Alien-Jäger um die entsprechende Augenzahl in Richtung Stadt versetzt werden. Kommt dadurch ein Jäger auf der Stadt-Platte an, verursacht er Schaden und kehrt zum Mutterschiff zurück, um eventuell in der nächsten Runde erneut zu starten. Zusätzlich gibt es einige Symbole im Himmelsbereich des Spielplans, durch die bestimmte Effekte ausgelöst werden, falls ein Alien-Jäger auf ihnen zum stehen kommt.

In der Raum-Phase werden die Effekte derjenigen Räume ausgeführt, auf die in der vorherigen Phase die Würfel eingesetzt wurden. Die Nutzung der meisten Räume kostet Energie, die wiederum erst einmal erzeugt werden muss. Im Basis-Spiel gibt es vier verschiedene Raumarten: Luftabwehr-Räume, Energie-Räume, Forschungs-Räume und Räume für Kampfflugzeuge. Im Spiel für Fortgeschrittene kommen noch Roboter-Räume dazu. Jede dieser Raum-Arten hat einen bestimmten Effekt.

Luftabwehrräume verringern die Bewegung der Alien-Jäger, Energie-Räume erzeugen logischerweise Energie, Forschungsräume die zum Sieg notwendigen Forschungspunkte und Luftabwehr-Räume zerstören Alien-Jäger auf Explosionsfeldern. Roboter-Räume produzieren blaue Roboter-Würfel. Weitere Unterschiede wie unterschiedliche Energie-Kosten bzw. Boni oder Mali auf das Würfelergebnis hängen von der jeweiligen Basis-Platte ab. Durch den Tunnelbohrer können während der einzelnen Spielrunden weitere Räume zugänglich gemacht werden. Viele davon sind deutlich effektiver als die schon zu Beginn der Partie vorhandenen. Die Effekte der eingesetzten Würfel können in beliebiger Reihenfolge abgehandelt werden.

Sind alle Effekte abgehandelt und die Würfel wieder entfernt, startet die dritte und letzte Phase der Runde, die Mutterschiffphase. Hierbei bewegt sich zuerst das Alien-Mutterschiff auf dem Spielplan um eine Zeile in Richtung Stadt und sammelt dabei alle Jäger ein, die auf dieser Zeile stehen. Danach wird das dieser Zeile zugehörige negative Ereignis ausgeführt, wie z. B. zusätzlicher Schaden an der Basis oder Verlust eines Forschungsschrittes. Zu guter Letzt werden Alienjäger, die sich wieder auf dem Mutterschiff befinden, wieder für ihren Start vorbereitet, falls es dort freie Startschächte gibt.
Die Runden werden solange wiederholt, bis der Spieler das Ende der Forschungsleiste erreicht und somit gewonnen hat. Erleidet die Basis allerdings vorher einen irreparablen Schaden oder kommt das Alien-Mutterschiff der Erde zu nahe, verliert der Spieler die Partie.

Spieletester

16.03.2022

Fazit

Under Falling Skies entstand aus einem gerade mal 9 Karten umfassenden Print & Play Spiel. Was Czech Games Edition und HeidelBÄR Games daraus gezaubert haben ist wirklich unglaublich. Da wäre zum einen das sehr umfangreiche und auch qualitative sehr gute Material zu nennen, die passende Gestaltung des Spiels und Kampagnenmaterials und nicht zuletzt die ungeheuere Vielfalt und Varianz, die einen sehr hohen Wiederspielwert mit sich bringt. Durch die zwei Seiten der Himmelsplatten kann der Schwierigkeitsgrad für jede zu verteidigende Stadt in fünf Stufen eingestellt werden. Zusätzlich gibt es noch eine Kampagne mit vier Kapiteln, die sich insgesamt über ungefähr zehn Partien erstreckt.

Aber auch mechanisch ist das Spiel wirklich gelungen. Natürlich kommt durch die Würfel eine nicht zu unterschätzende Glückskomponente ins Spiel, aber sowohl kleine als auch hohe Würfelergebnisse haben ihr Für und Wider. So können zwar hohe Würfelergebnisse in den Räumen für gute Ausbeute sorgen, gleichzeitig nähern sich die Alien-Jäger dadurch aber beängstigend schnell der Stadt. So ist in jeder Würfel-Phase taktisch flexibles Handeln gefragt, um auf die Würfelergebnisse zu reagieren. Will man die Alien-Jäger auf die Explosions-Felder bringen, um sie dort vom Himmel pusten zu können, möglichst rasch auf der Forschungsleiste empor steigen oder aber erst einmal so schnell wie möglich die restlichen Räume der Basis ausbohren? Egal wofür man sich entscheidet, ohne Energie funktioniert das jedoch nicht. Dumm nur, dass man nur eine gwisse Menge Energie speichern kann. Ständig ist man in einer Zwickmühle und versucht den perfekten Zug zu finden. Gut in diesem Zusammenhang, dass Under Falling Skies ein Solo-Spiel ist und keine nervigen Mitspieler auf ihren Zug warten. Sollten die Würfel dann aber mal so gar nicht passen, kann man ja durch den Einsatz eines weißen Würfels alle anderen nochmals werfen. Das bringt dann ein kleines, aber durchaus spannendes Zocker-Element ins Spiel.

Einzig eine kleine Rundenübersicht fehlte mir, denn oft erwischt man sich bei der Frage, ob man dieses Ereignis oder jene Energie-Kosten schon ausgeführt hat, insbesondere, wenn der so sorgsam zusammengebastelte Plan für den aktuellen Zug in sich zusammenfällt wie ein Kartenhaus, weil man ein bestimmtes Detail nicht bedacht hat.

Eigentlich bin ich kein großer Freund von Solo-Spielen, aber Under Falling Skies hat mich mit seiner Kampagne und dem einstellbaren Schwierigkeitsgrad überzeugt. Die hohe Varianz, die immer wieder neuen Situationen, die es zu meistern gilt, fordern ständig aufs Neue heraus und sind dabei kein bisschen repetitiv. Absolute Kaufempfehlung.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • unglaublich hohe Varianz und damit extrem hoher Wiederspielfaktor
  • sehr viel und gutes Material
  • Einsteigerspiel, Fortgeschrittenenspiel und umfangreiche Kampagne
  • viele taktische Entscheidungen notwendig

Minus

  • man muss Solospiele mögen
  • hoher Glücksanteil durch die Würfelergebnisse
  • wird mit höherem Schwierigkeitsgraden sehr grübellastig
  • Spielplanteile können verrutschen, Verzahnung wäre hilfreich gewesen
  • kleine Spielhilfe wäre wünschenswert gewesen
  • hoher Platzbedarf

Teilen mit facebook twitter

Kommentar verfassen

Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 1
Alter: ab 12 Jahren
Spieldauer: 20 bis 40 Minuten
Preis: 30,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2020
Zubehör:

Standardspiel:
9 Raumschiffe (5x pink, 4x weiß, Kunststoff)
3 Marker (Kunststoff, gelb, grün, rot)
Sieben Würfel (Holz ,W6, 3x grau, 2x blau, 2x weiß)
Tunnelbohrer (Holz)
Mutterschiff-Platte
Vier Himmels-Platten (doppelseitig)
Drei Basis-Platten (doppelseitig)
Drei Stadtplatten (doppelseitig)
Spielregel

Kampagnenspiel:
Kampagnen-Notizbuch (5x)
Raumschiff (orange, Kunststoff)
Vier Comic-Kapitelbögen (doppelseitig)
14 Stadtplatten (doppelseitig)
12 Charaktertafeln mit Upgrades (doppelseitig)
13 einzigartige Szenarien
Neun Basis- und Himmels-Platten (doppelseitig)
Szenariomarker (Karton)

Anzeige

Statistik

Derzeit findest Du auf spieletest.at 7107 Gesellschaftsspiele-,
1656 Videospielrezensionen
2304 Berichte.