Shakespeare

Um den englischen Dramatiker und Schauspieler William Shakespeare ranken sich viele Geheimnisse. War er wirklich der geniale Verfasser seiner Theaterstücke, die auch heute nichts von ihrer Strahlkraft verloren haben? Oder war er nur ein mäßig begabter Schauspieler, der als vorgeschobener Strohmann für einen Adligen, der als Autor nie selbst hätte in Erscheinung treten können, im Fokus der Öffentlichkeit stand?

Das Spiel entführt uns nach England, in die turbulente Zeit des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Die Spieler sind, wie in der damaligen Zeit üblich, als Impressarios einer eigenen Theatertruppe sowohl Autoren als auch Produzenten von Bühnenstücken in Personalunion und sehen in dem kurzfristig angekündigten Besuch der kunstsinnigen Königin die einmalige Chance auf Anerkennung ihrer Arbeit, Ruhm und Reichtum. In sechs Tagen sollen ihr zu Ehren die Theaterstücke der am Spiel teilnehmenden Truppen aufgeführt werden. Doch bis dahin gibt es jede Menge zu tun. So müssen erst einmal die einzelnen Akte für die jeweiligen Stücke geschrieben, Schauspieler und Handwerker angeheuert, Bühnenbilder gezimmert, Kostüme geschneidert und natürlich Geld für die Entlohnung der Mitarbeiter aufgetrieben werden.

Spielablauf

Alle Spieler starten mit derselben Ausgangslage und haben zu Beginn nur einen Stückeschreiber, einen für gute Stimmung im Publikum sorgenden Schauspieler und einen Allround-Handwerker an ihrer Seite. Zusätzlich kann auch die Königin um Hilfe gebeten werden. Da die Spieler als Autoren im Ort schon bekannt sind, startet jeder von ihnen auf der siebenten Prestigestufe. (Dieses wurde leider in der Spielregelübersetzung unerklärlicherweise vergessen.)

Das Spiel läuft über insgesamt sechs Runden und vor jeder Runde werden anzuwerbende Schauspieler bzw. Handwerker, Kostümteile und Bühnenbilddekorationen zufällig gezogen und offen ausgelegt. Ihre jeweilige Menge richtet sich nach der Anzahl der Spieler. Die Spieler versuchen nun als erstes zu überblicken, wie viele Aktionen, bis zu einem Maximum von fünf, sie in dieser Runde ausführen wollen und bieten verdeckt darauf. Danach richtet sich dann die aktuelle Spielreihenfolge. Mittels ihrer Aktionsmarker können sie nun eigene Charaktere aktivieren und deren Fähigkeiten nutzen oder zusätzlich einmalig je Runde einen der ausliegenden Charaktere anwerben.

Diese gliedern sich in zwei Gruppen: Schauspieler und Handwerker. Die Schauspieler verkörpern Shakespeares typische Rollen und können bestimmte Aktivitäten ausführen sowie mit dreiteiligen Kostümen eingekleidet werden. Ist er vollständig eingekleidet, kann er an der Generalprobe am Ende des vierten Tages und an der Aufführung des Stücks am Ende des sechsten Tages teilnehmen und erhält als Bonus zusätzliche Belohnungen. Alternativ kann man auch einen Schauspieler auf die Rückseite drehen und als Komparsen einstellen. Sei es ihn und seine Fähigkeiten für die Mitspieler unerreichbar zu machen oder um jemanden zu haben, dem man ein weiteres Kostüm schneidern kann.

Handwerker hingegen können entweder als Bühnenbildner an den Kulissen arbeiten, als Gewandmeister Kostüme für die Schauspieler nähen, als Alleskönner in beiden Bereichen tätig werden oder als Gehilfe die Handwerker unterstützen. Zusätzlich gibt es noch den Juwelier, der den Kulissen und Kostümen einige besonders prächtige Details hinzufügen kann. Aber Vorsicht. Alle diese Schauspieler und Handwerker sind Spezialisten, die nach der Aufführung des Stücks auch entsprechend ihren Fähigkeiten entlohnt werden wollen. Kann man das nicht, spricht sich dieses schnell herum und es gibt satte Abschläge im Prestige, den eigentlichen Siegpunkten.

Auf jedem der Spielertableaus ist ein großer Bereich für die Bühnenkulisse vorgezeichnet. Hier wird mittels der erworbenen Kulissenteile am großen Gesamtwerk gebastelt, höherwertige Kulissenteile bringen dabei Boni. Außerdem findet sich hier auch eine kleine Tabelle, die Auskunft über die Stimmung innerhalb der eigenen Theatertruppe am jeweiligen Tag gibt. Ausgehend von einer anfangs neutralen und ausgeglichenen Stimmung wird dabei auf alle Veränderungen innerhalb einer Runde reagiert. Diese werden natürlich vor allem von den konkurrierenden Theatertruppen inszeniert, denn bei der Auswertung am Ende des Tages kann man bei einer entsprechenden Stimmung sowohl Boni erhalten als auch schon erreichte Errungenschaften verlieren. So können besonders tolle Schauspieler, Kostüme oder Kulissenteile bei den konkurrierenden Truppen durchaus Neid und schlechte Stimmung hervorrufen. Die Stimmung hat am Ende der Runde immer direkte Auswirkung auf das Prestige der Truppe oder den Schreibfleiß des Autors für die Akte des Theaterstücks.

Spieletester

18.06.2016

Fazit

Schon die Gestaltung des Schachtelcovers ist wunderschön und die Grafiken der Spielkarten stehen diesem in nichts nach und fallen sofort ins Auge. Das Spiel selbst ist zwar im Genre der Worker-Placement Spiele angesiedelt, aber im Gegensatz zu vielen anderen ist es unglaublich dicht am Thema und deshalb auch sehr atmosphärisch. Hier wirkt nichts aufgesetzt und jede kleine Regel kann logisch begründet werden. Die Regel selbst ist schnell erklärt und verinnerlicht. Das sehr gut strukturierte und illustrierte Regelheft macht einen Einstieg recht leicht. Leider wurden in der deutschen Übersetzung ein paar Details vergessen die anfangs zu fragenden Gesichtern führen können.

So starten alle Spieler schon mit sieben Prestigepunkten. Schauspieler oder Handwerker, wie z.B. der Juwelier, die bei Aktivierung bestimmte Kostüme oder Kulissenteile aus der Auslage nehmen, können dieses natürlich nur dann tun wenn die entsprechenden Teile vorrätig sind.

Shakespeare kann sehr gut an unterschiedliche Spielerzahlen angepasst werden, so dass es sich in fast jeder Besetzung gleich gut spielt und deshalb den interessierten Spielern auch einen Solo-Modus zur Verfügung stellen kann. Allerdings macht das Spiel natürlich in der maximalen Besetzung am meisten Spaß, da es über einen sehr hohen Interaktionsgrad verfügt. So macht es gehörig Laune, sich gegenseitig zu belauern und einem Konkurrenten vielleicht ein wichtiges Kostüm- oder Kulissenteil aus der Auslage vor der Nase wegzuschnappen und so dessen gesamte Strategie durcheinanderzubringen. Das Spiel Shakespeare kann ich allen interessierten Spielern guten Gewissens nur ans Herz legen. Egal ob Vielspieler oder ambitionierter Familienspieler, diese kleine Perle sollte in keinem Spielregal fehlen! Ideal zur Einstimmung der Zeitreise und als Inspirationsquelle kann ich neben dem bekannten Film: Shakespeare in Love auch den weniger bekannten Film: Anonymus vom Krawall-Regisseur Roland Emmerich nur wärmstens empfehlen. 

PS: Neben einer bereits erhältlichen Promo-Karte für den Darsteller Prospero, soll im Laufe des Jahres eine Erweiterung für das Spiel erscheinen. Sie beinhaltet zusätzliche Karten und soll zu einem schlanken Preis erhältlich sein. Neben neuen Schauspielern werden als zusätzliches Spielelement Backstage-Charaktere eingeführt.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • sehr dicht am Thema und dabei immer logisch und nachvollziehbar
  • wunderschöne Grafiken

Minus

  • ein paar kleinere Regelungenauigkeiten

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 1 bis 4
Alter: ab 13 Jahren
Spieldauer: 30 bis 90 Minuten
Preis: 40,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2015
Autor: Hervé Rigal
Zubehör:

Spielbrett
Spielregel (deutsch und englisch)
Kartenübersicht (deutsch und englisch)
4 Spielertableaus
20 Aktionsmarker (Holz jeweils in vier Farben)
28 Holzmarker (jeweils sieben in vier Farben)
16 Pausenplättchen
8 "+3"-Bonusplättchen
2 Stoffbeutel
4 Anwerberkarten (jeweils eine in vier Farben)
Materialübersichtskarten
30 Personenkarten
10 Zielkarten
56 Münzplättchen (1er, 3er, 5er)
72 Kostümplättchen (1er bis 5er)
72 Dekorationsplättchen (1er bis 5er)
1 Shakespeare/Hamlet-Karte als Goodie ohne besondere Funktion

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