Dungeon Lords

Wir, die wir seit Jahr und Tag im Geiste von HeroQuest oder Descent Dungeons böser Overlords in Klump und Asche legen, haben wir uns eigentlich jemals gefragt, wie es den armen Duengeon Lords dabei geht? Da wird die eine oder andere Fallgrube liebevoll ins Gesamtbild eingearbeitet, nur, damit irgend so ein Zwerg ein paar Latten d'rüberlegt. Da bestellt man eine Handvoll Orc-Offiziere, nur damit ein dahergelaufener Barbar einmal "UAAAAAAAAAAAH!!!" macht und der eigene Haufen führerlos dasteht. Und wozu baut man eigentlich die ganzen, bis ins kleinste Detail liebevoll ausgearbeiteten Geheimtüren, die man nur aufkriegt, wenn man mit der Nasenspitze auf Stein A drückt, während man gleichzeitig den 3 Meter entfernten Kerzenhalter dreht und dabei La Paloma auf altolemkisch singt, wenn das verdammte Ding einfach aufgeht, wenn man nur einmal "Ich suche nach Fallen und Geheimtüren" sagen muss?

Jetzt, dank Vladimir "Wer meine Spiele ernst nimmt ist selber schuld" Chvatil, dürfen wir gefühlte 20 Jahre nach dem seligen Computerspiel Dungeon Keeper (das mich Computerspielignoranten aber nicht mehr fesseln konnte, als die Plotidee verbraucht war) einmal am eigenen Leib erleben, wie es ist, ein solcher Dungeon Lord zu sein: 

(Dass Schreiber dieser Zeilen seinerzeit ebenso enthusiastisch wie erfolglos versucht hat, diese Idee in ein Brettspiel zu verarbeiten, verschweigen wir an dieser Stelle lieber...)


Das Spiel:

Die Aufgabe der Spieler besteht darin, Gold und Monster anzusammeln sowie seinen Dungeon möglichst groß auszubauen und mit vielen wertvollen und praktischen Räumen zu versehen. Wie man das macht? Ganz einfach: Seien sie BÖSE!!!
Und um das auch messen zu können, hat man den Bösometer entwickelt (schon alleine für dieses Wort muss man Dungeon Lords eigentlich lieben, oder?).

Das Spiel simuliert 2 Jahre. Jedes Jahr läuft in 2 Runden ab:

-) 4 Baurunden , in denen die Spieler ihren Dungeon bestücken und Befehle ausgeben.
-) 4 Kampfrunden, in denen Helden die Dungeons entern, um ungefragt ein paar Schätze zu entwenden oder ihrer sturköpfigen Überzeugung Nachdruck verleihen, das Böse müsse besiegt werden, wo immer es sich zeigt. In Jahr 2 sind diese Helden stärker, und zwar durch ein Ritual das Vladimir Chvatil "Hochläwwln und Stufnaufsteiggn" nennt. (Ja, mein persönlicher Lieblingstscheche zeigt auch diesmal wieder, wie grandios man Spieleanleitungen schreiben kann, wenn man nur will und bei Leuten wie Douglas Adams und Terry Pratchett im Fernstudium war.)


Die Baurunden:

In diesen Baurunden werden zunächst Monster und Räume zum Kauf offen ausgelegt, und danach wählen die Spieler verdeckt 3 Befehlskarten aus und legen sie in der Reihenfolge auf, in der sie abgearbeitet werden sollen.

Wenn alle Spieler gewählt haben, wird der erste Befehl aufgedeckt. Der Spieler nimmt eine seiner drei Befehlsempfängerfiguren und stellt diese auf einem speziellen Spielplan auf das Feld des entsprechenden Befehlsbereiches mit der niedrigsten Nummer. Kein Befehl kann insgesamt öfter als dreimal gegeben werden. Will man der vierte sein... tja, das ist dann eben Künstlerpech.

Sind alle Karten aufgedeckt und alle Figuren verteilt, werden die Befehle ausgeführt, wobei jeder davon etwas anders wirkt, je nachdem, ob man der Erste, Zweite oder Dritte war, der seine Figur aufstellen durfte. Zwei der gegebenen Befehle sind außerdem für die nächste Runde blockiert.

Und damit das Spiel auch mit nur zwei oder drei Spielern ausbalanciert bleibt, gibt es immer so viele "neutrale" Spieler, dass vier Dungeon Lords Ihre Figuren auf die Befehle verteilen.


Die Befehle:

-) Nahrung sammeln: Der erste Spieler bezahlt für seine Nahrung, die nachfolgenden Spieler müssen schon zu exquisiteren Mitteln greifen (was den Bösometer nach oben treibt).
-) Reputation verbessern: Tun Sie so, als hätten Sie alle lieb... Und senken Sie damit den Bösometer. Konnte man seine Figur auf das richtige Feld stellen, kann man auch ein bisschen spionieren...
-) Kobolde einstellen: Kobolde sind ihre "Arbeitstiere". Sie graben Tunnel, schürfen nach Gold oder betreiben Räume. Je später dieser Befehl gegeben wird, desto mehr Kobolde können angeheuert werden.
-) Tunnel graben / Gold schürfen: Je nachdem, wann die Figur gespielt wurde, kann der Spieler zwei, drei oder vier Tunnel graben oder in zwei, drei oder vier Tunnels nach Gold schürfen.
-) Fallen bzw. Monster und Geister kaufen: Je nachdem, wann man den Befehl gegeben hat, kann man aus der Monsterkneipe Monster anheuern oder Fallenkarten kaufen. Monster sind nicht umsonst, bei Fallen hängt der Preis von der Reihenfolge ab.
-) Kammer bauen: Der Dungeon von Welt besteht natürlich nicht nur aus Tunnels, sondern auch aus Kammern mit bestimmten Fähigkeiten. Hier ist es von Vorteil, seine Figur möglichst spät zu platzieren.


Die Kampfrunden:

Die Helden greifen immer zu dritt an, und die stärksten Helden gehen immer zu dem Dungeon mit dem höchsten Wert am Bösometer.

Es werden vier zufällige Kampfkarten, die den Kampf beeinflussen, aufgelegt. Danach wird bestimmt, wo im Dungeon die Helden angreifen, und der Dungeon Lord wählt wahlwiese je nach Territorium Fallen und/oder Monster aus.

Es gibt folgende Helden:

-) Krieger: Sie gehen prinzipiell voran und schützen die anderen Helden der Gruppe.
-) Priester: Sie heilen Lebenspunkte der Helden (extrem nervig...)
-) Diebe: Sie vermindern den Wert von Fallen (ebenso nervig).
-) Zauberer: Manche der Kampfkarten brauchen Magiepunkte, die eben vom Zauberer kommen.
-) Paladin: Der Spieler, der einen besonders hohen Wert auf dem Bösometer erreicht hat, bekommt als zusätzlichen Helden zur Gruppe auch noch diesen extrem starken Kämpfer gegen das Böse auf den Hals. Extrem stark, aber auch wertvoll, wenn er besiegt wird...

Zuerst werden die Helden durch eventuell gesetzte Fallen geschwächt, ehe die Monster angreifen. Monster machen Schadenspunkte, um danach dem Rollenspielgesetz folgend automatisch außer Gefecht gesetzt zu werden. Sind alle Angriffe gewertet, verlieren die Helden je nach Kampfkarte noch Lebenspunkte durch Erschöpfung, und wenn dann noch mindestens 1 Held da ist, wird das umkämpfte Plättchen erobert und der bzw. die Helden wandern weiter.

Wenn nicht die Heldengruppe komplett aufgerieben oder der Dungeon komplett erobert wird, endet die "Expedition" nach spätestens vier Runden.


Spielende:

Nach 2 Jahresdurchgängen ist das Spiel beendet. Die Spieler erhalten Punkte für Monster, Dungeongröße, Räume und ähnliches, und außerdem gibt es noch Punkte für diverse Mehrheiten (meiste Gänge, meiste Kammern, stärkste besiegte Helden, höchster Wert am Bösometer usw.). Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Spieletester

29.11.2009

Fazit

Ich habe es an anderer Stelle schon einmal erwähnt: Vladimir Chvatil hat sich unermüdlich in die Ruhmeshallen meiner Lieblingsautoren geschrieben. Seine Spiele kann man eigentlich blind kaufen, und Dungeon Lords bildet da keine Ausnahme. Wieder einmal nach Space Alert ist Dungeon Lords ein Feuerwerk des Schwarzen Humors made in Czech Republic, verpackt in ein gutes System und mit einer Liebe zum Genre verfeinert, die die Tränen in die Augen treibt. (Mir persönlich haben es die dampfbetriebenen Golems angetan.)

Dass Chvatil dabei einige Elemente aus seinen anderen Spiel benützt, stört nicht, denn ebenso wie die "Befehlskarten", die wir aus Space Alert (und - seien wir ehrlich - prinzipiell schon einmal aus Robo Rally) kennen, erinnern die Kampfkarten doch sehr schnell und seeeeeeeehr deutlich an die Reisekarten aus Galaxy Trucker.

Gesonderte Erwähnung wieder einmal für die Anleitung: Wie bei Chvatil gewohnt witzig geschrieben (diesmal schieben zwei Monster ständig ihre dummen Kommentare in den Fließtext ein), gut strukturiert und vor der eigentlichen Anleitung mit Übungskämpfen versehen, um eine bessere Vorstellung von dem zu haben, was auf die Spieler zukommt. So soll das sein.

Fazit: Ein wunderschönes Spiel, das allerdings - man muss es sagen - schon ein gewisses Herz für das Genre benötigen dürfte. Nicht Chvatils beste Arbeit (das bleibt wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit Space Alert), aber eine mächtige Empfehlung.


Dem Spiel liegen Plättchen bei, die bei der Veröffentlichung noch keine Bedeutung hatten. Inzwischen aber ist die entsprechende Regelvariante fertig und kann auf der Verlags-HP downgeloaded werden, leider aber zumindest bisher nur in englischer Sprache. (Link unten) Bei dieser Erweiterung handelt es sich im Gegenstände, die man den Helden verpassen kann, damit sie in gegnerischen Dungeons noch viel besser aufräumen können.
Redaktionelle Wertung:

Plus

Minus

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Besucherkommentare

Matthias | 25.02.2010

Einfach nur noch ein Suuuuppeeerr Spiel. Ich habe mittlerweile ca 150 Spiele. Aber das Spiel ist eins der Favorieten...

Best Regards

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 12 Jahren
Spieldauer: 90 Minuten
Erscheinungsjahr: 2009
Grafiker: Filip Murmak
Genre: Taktik
Zubehör:

7 Spielpläne
94 Karten
139 Plättchen
104 Marker
17 Spielfiguren
1 Spielanleitung

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