Faiyum

Das Fayyum-Becken gilt als „Gemüsegarten Kairos“ und war in prädynastischer Zeit ein Sumpfgelände. Im Mittleren Reich Ägyptens wurden diese Sümpfe unter den Königen Amenemhet III und Sesostris II trockengelegt, um das Gebiet für die Landwirtschaft nutzbar zu machen.
Als Berater des Pharaos bauen wir ein Kanal- und Deichsystem, um das Land, das voll mit Krokodilen und umgeben von Wüste ist, zu urbanisieren und in eine Kornkammer für ganz Ägypten zu verwandeln. Wir werden die Krokodile vertreiben, Rohstoffe ernten, Wege und Brücken bauen, Siedlungen gründen und damit so viel Ansehen wie möglich anhäufen. Am Ende aber wird sich nur einer als der cleverste Berater aus der Masse hervorzutun und sich den Respekt des Pharaos verdienen.

Wir machen das Land fruchtbar

Auf dem Spielplan sind zwei Halbinseln zu sehen, die überwiegend Felder mit Weizen, Trauben und Geröll aufweisen. Während die fruchtbaren Felder zunächst noch mit Krokodilen besetzt sind, gibt es schon eine erste Siedlung sowie eine Verbindung zwischen den Halbinseln. Der Kartenmarkt wird vorbereitet und acht davon in aufsteigender Reihenfolge links auf den Spielplan gelegt. Die vier günstigsten Karten liegen im sogenannten aktuellen Markt und erhalten zudem einen Rabattmarker. Nur diese vier sind für die Protagonisten käuflich. Etwas Startkapital sowie jeweils fünf identische Startkarten bekommt nun jeder noch, dann kann es losgehen.

Gespielt wird reihum und wer am Zug ist, wählt eine der drei zur Auswahl stehenden Aktionen: Handkarte ausspielen, Karte kaufen oder Verwaltung durchführen. Und weil zu Beginn jeder nur die schwächeren Startkarten hat, ist die Verbesserung der eigenen Kartenhand eine der Kernmechaniken des Spiels.

Handkarte ausspielen

Mit dem Ausspielen einer Handkarte können diverse Aktionen wie Ernte, Bau, Handel und andere durchgeführt werden. Sie werden nach ihrer Nutzung immer offen auf den eigenen Ablagestapel gelegt. Deren Reihenfolge darf niemals verändert werden, da nur die zuletzt ausgespielten durch die  Verwaltungsaktion wieder zurück auf die Hand kommen. Auf einer Karte sind die Ausspielkosten immer in einer roten Blase angegeben, Einnahmen wie Geld oder Ansehen wiederum in einer grünen.

Durch Erntekarten wird ein Arbeiter auf ein unbebautes Feld gesetzt. Muss dieses vorher noch trocken gelegt werden, wird das dort lebende Krokodil entfernt und die Ernte in Form von Weizen oder Trauben, aber auch Steine, kann eingefahren werden.

Durch Bau-Aktionskarten werden krokodilfreie Felder mit Wegen, Siedlungen und Betrieben bebaut. Außerdem dürfen Siedlungen zu Städten ausgebaut oder Monumente errichtet werden.

Karten mit Handelsaktionen entsenden Arbeiter auf bebaute Felder und lösen diverse Boni aus. Allerdings darf auf jedem Feld immer nur ein Arbeiter stehen.

Karte im Markt kaufen

Der Markt in Faiyum nimmt Anleihen an Funkenschlag, einem der größten Erfolge von Friedemann Friese. Von den dort acht ausliegenden Karten, die aufsteigend nach Nummern sortiert sind, können aber immer nur die vier ersten Karten im aktuellen Markt gekauft werden. Ein darauf liegender Rabattmarker verringert zudem die Kosten. Eine gekaufte Karte kommt direkt auf die Kartenhand und darf im Folgezug auch ausgespielt werden. Danach wird der Markt wieder aufgefüllt, wobei die neue Karte entsprechend einsortiert wird.

Verwaltungsaktion

Um wieder an frisches Geld und Karten zu kommen, führt ein Spieler eine Verwaltungsaktion aus. Dann bekommt er drei Geld abzüglich seiner noch auf der Hand befindlichen Karten. Zusätzlich darf er bis zu zwei Arbeiter vom Spielplan entfernen und bekommt ebenfalls Geld dafür. Als nächstes darf er die drei obersten Karten von seinem eigenen Ablagestapel wieder auf die Hand nehmen. Für jede weitere Karte, die er zurückhaben möchte, muss er dann ein Geld zahlen.

Zu guter Letzt werden je nach Spielerzahl noch ein bis zwei niedrigste Karten mit und/ oder ohne Rabattmarker aus dem Markt entfernt. Danach werden die restlichen noch verfügbaren Rabattmarker auf Karten im aktuellen Markt gelegt. Der Markt wird dann wieder auf acht Karten aufgefüllt, in dem neue Karten entsprechend einsortiert werden.

Es geht dem Ende zu

Wurde die letzte Karte vom Nachziehstapel genommen und im Markt einsortiert, kommt der zu Spielbeginn vorbereitete "Letzte Züge"-Stapel zum Einsatz. Darin sind vier Naturkatastrophen versteckt, die beim Ziehen immer die höchsten Karten aus dem Markt schieben. Ist die vierte Naturkatastrophe aufgetaucht, darf keine Verwaltungsaktion mehr durchgeführt werden. Ab jetzt gibt es kein Geld und keine neuen Karten mehr. Jeder muss nun mit dem auskommen, was er noch an Karten und Ressourcen hat, um weitere Züge zu spielen. Wer jetzt aussteigen möchte oder muss, der nimmt sich die Naturkatastrophe mit dem höchsten Ansehen.

Am Ende gewinnt, wer mit seinem Marker das höchste Ansehen auf der Leiste erzielen konnte und somit der cleverste Berater des Pharao ist.

Spieletester

02.05.2021

Fazit

Die Handhabung des Fajyum-Marktes erinnert ein wenig an Funkenschlag, den Weltbestseller des grünhaarigen Autors aus der deutschen Hansestadt Bremen. Die große Auswahl an verschiedenartigen Karten erscheint anfangs verwirrend, deren Funktion kann aber im Glossar nachgelesen werden und wird sich im Laufe mehrerer Partien in den Köpfen der Spieler festsetzen.

Eine sehr schöne taktische Variante ist die Verwaltungsphase, die ein Spieler überwiegend zur Geldbeschaffung nutzt und so ganz nebenbei auch seine Kartenhand auffrischt. Zudem kann durch das Entsorgen von bis zu zwei Marktkarten den anderen Spielern noch ordentlich in die Suppe gespuckt werden. Die Gegner sollte man deshalb immer im Blick haben und weil alle Materialien offen ausliegen, kann der Ernst der Lage auch schnell eingeschätzt werden.

Beim Kauf von neuen Karten sollte man wiederum die Kosten beim Ausspielen im Hinterkopf behalten. Wer im Finale viele Karten auf der Hand hat, die überwiegend grüne Blasen mit Gewinnen aufweisen und die selber wenige Kosten verursachen, hat zumindest in dieser Beziehung alles richtig gemacht. Denn spätestens wenn das Ende eingeläutet wird und keine Verwaltungsphase mehr möglich ist, sollte man gut gewappnet sein mit passenden Karten und/ oder ausreichenden Ressourcen.

Der Spielplan ist nichts fürs Herz, dafür aber zweckmäßig und vor allem zum Ende hin, wenn es in den Niederungen des Nils richtig voll werden kann, sehr übersichtlich fürs Auge. Durch die gewählte Gestaltung ist es dann nicht schwer, relativ schnell ein passendes Feld für seine Aktion zu finden.

Faiyum kommt mit eingängigem Regelwerk, einem schnell verinnerlichten Ablauf und einer spielerischen Tiefe daher, die man im reichhaltigen Brettspielangebot nur schwerlich wiederfindet. Das üppige Holzmaterial und die zahlreichen und unterschiedlichen Karten machen das Spiel zu etwas Besonderem, ohne sich dabei zu verzetteln. Klar strukturiert ist auch die Regel mit dem zusätzlichen Glossar, in dem die vielen verschiedenen Karten explizit erklärt werden. Wieder einmal ein großartiges Spiel von Friedemann Friese, an dem nur ganz wenig auszusetzen ist. Zum Ende hin vielleicht etwas zu langatmig und durch das Ausspielen der immer wieder gleichen Karten auch etwas eintönig. Wer aber eine Strategie entwickelt und zum Schluss auch die entsprechenden Ressourcen hat, wird dies sicherlich anders sehen.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • eingängiger Zugmechanismus
  • wertiges Spielmaterial
  • Glossar erklärt jede Karte
  • hohe Varianz
  • viele verschiedene Strategien möglich
  • Solospiel wird gleich mitgeliefert

Minus

  • schlichte Grafik
  • etwas zu lange Spieldauer
  • eng beschriebene Anleitung

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 1 bis 5
Alter: ab 12 Jahren
Spieldauer: 90 bis 120 Minuten
Preis: 49,99 Euro
Erscheinungsjahr: 2020
Verlag: 2F-Spiele
Grafiker: Harald Lieske
Zubehör:

1 Spielplan
257 Holzteile
50 Geld-Plättchen
106 Karten
2 Spielanleitungen (Deutsch & Englisch)
2 Glossare (Deutsch & Englisch)

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