Soviet Kitchen

Was nehmen wir denn heute?
Kochtopf?
Mikrowelle?
Thermomix?
Nein, den Fleischwolf!

Die russische Küche ist für einzelne Gerichte und Zutaten weltbekannt, zum Beispiel Kaviar, Salzgurken, Wodka, Krimsekt, Borschtsch, Pelmeni, Schaschlik, Piroschki, Bœuf Stroganoff, Kiewer Kotelett, Sauerkraut und Kohlrouladen.
Vieles davon treffen wir in der Soviet Kitchen, dem Kartenspiel mit APP-Unterstützung, wieder.

Farbe vor Geschmack

Den Russen scheint der Geschmack egal zu sein, was zählt ist die richtige Farbe.
Graues Sauerkraut.
Lila Wurst.
Blassblaue Soße.
Alles wird aus geschmacklich gewöhnungsbedürftigen Zutaten wie rostigen Nägel, Zehennägel, Atommüll, Wasser, Vodka, Lederstiefel, verrottendem Holz und vielem mehr gezaubert. 
Kooperativ wählt jeder Spieler eine farblich passende oder in Kombination mit Karten anderer Spieler als Mischergebnis einigermaßen passende Karte aus. Das Farbangebot in der Kartenhand ist beschränkt, zudem bringen die Zutaten Giftwerte mit in die Speise. Hat man sich für die Karten entschieden, startet man den Fleischwolf der APP und rührt die Ingredienzien ein. Dazu scannt man mit der Frontkamera des Handys (die ist eine Voraussetzung) die QR-Codes auf der Rückseite der Karten und wenn alle Zutaten im Fleischwolf rotieren, spuckt er nach wenigen Augenblicken die Farbe der gequirlten Pampe aus. Die APP bewertet das Ergebnis mit einem Prozentwert, je höher desto besser.

100% ist möglich

Die Karten "Hammer" und "Sichel" gemeinsam ergeben eine 100%-ige Farbübereinstimmung mit der Vorgabe. Da kann hinzugemischt werden was will. Die Übereinstimmung in Prozent wird auch in Rubel ausgezahlt. Jede Mission hat unterschiedliche Anforderungen an die Anzahl der zu kochenden Gerichte, an den zu erreichenden Ähnlichkeitswert, an die insgesamt zu erwirtschaftenden Rubel. Auf dem Weg von der Front ins Dorf, weiter nach Moskau, in den Kreml und zuletzt in die heiligen Hallen des KGB sind viele Gerichte zu servieren. Immer ist neben der notwendigen Farbübereinstimmung auch auf den Giftgehalt und die Radioaktivität der zubereiteten Speisen zu achten. Zuviel des Guten – oder besser Schlechten – und eine Matroschka haucht ihr Leben aus und verringert unsere Chancen, den nächsten Level zu erreichen. Ein paar spezielle Zutaten sind sehr hilfreich. Die Handgranate zerstört die unmittelbar danach eingerührte Zutat. So kann man sehr giftige Karten gefahrlos entsorgen. Der Vodka hilft im Anschluss an das Mahl den Körper zu entgiften.
Realismus pur!

Neue Karten braucht Russland

Neben dem Kartenstapel für den Spielbeginn gibt es für jeden neuen Missionsort weitere Karten. Die APP übernimmt die Logistik für uns und informiert nicht nur über die Wertung für die Wurst oder das Kraut, sondern auch darüber, wie viele Karten wann nachgezogen werden und wann ein weiteres Kartenpaketchen geöffnet und eingemischt werden darf. Auch das Scannen der Karten funktioniert einwandfrei. Mit der APP sind wir zufrieden. Zufrieden sind wir hingegen manchmal mit unseren Farbkombinationen nicht und es stellt sich die Frage, ob die Reihenfolge der eingerührten Karten von Bedeutung ist oder nicht. Bei den Sonderkarten ist das klar, aber bei den normalen Farben?
Ergeben 

  • Grober Sand
  • Holzkohle
  • Gammelfleisch
  • Walspeck

in jeder möglichen Reihenfolge dieselbe Farbe?

Was APPs sonst so tun…

Weil die russische Küche auch digital mit dem WWW verbunden ist und man sich als SOLO-Koch dort registrieren kann, besteht die Vergleichsmöglichkeit mit anderen russischen Sterneköchen. Geschmacksproben sind aber ebenso wenig zu nehmen wie Farbvergleiche anzustellen sind, verglichen wird über schnöden Mammon in der Währung Rubel.
Wie ernst und seriös die Highscoreliste gestaltet ist und betreut wird kann ich natürlich nicht beurteilen, ich bin mir aber sicher, dass der Verlag wohl Zugriff auf die Datenbank hat und korrektiv eingreifen könnte.
Vielleicht können aber auch russische Hacker an den Highscores mitarbeiten.
Mir ist’s egal, ich brauche meine Fähigkeiten als Koch nicht mit anderen vergleichen lassen, wichtig ist, meiner Frau Edith schmeckt das Ergebnis.

Spieletester

30.03.2020

Fazit

Soviet Kitchen ist kein Spiel für Farbenblinde, denn es wird fast ausschließlich über Schattierungen, Nuancen und darüber geredet, wie sich gelbgrün und grüngelb unterscheiden. Glücklicherweise übernimmt die gut gemachte APP die Mischung und Bewertung der entstandenen Farbe.
Eigentlich haben wir eine recht gelungene Integration digitaler Technik in die Welt eines Kartenspiels, das ohne technische Unterstützung gar nicht möglich wäre, vor uns. Symbiose ist somit wohl die richtigere Bezeichnung.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • Ungewöhnliches Thema
  • Coole Illustrationen
  • Immer wieder überraschende Farbnuancen
  • Gute Integration der APP
  • Viel witziger als gedacht

Minus

  • Leider ohne APP nicht spielbar
  • Die Blankokarte wird im Regelheft nicht erwähnt

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 1 bis 6
Alter: ab 12 Jahren
Spieldauer: 20 bis 40 Minuten
Preis: 20,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2019
Verlag: HYBR
Autor: Andreas Wilde
Zubehör:

112 Karten, APP, Spielanleitung

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