Revolution of 1828

Der US-Wahlkampf von 1828 war der erste Wahlkampf mit medialer Schlammschlacht. Die beiden Kontrahenten John Quincy Adams und Andrew Jackson ließen kein feines Haar aneinander. Zum ersten Mal standen nicht die Themen im Vordergrund, sondern die Personen die das Amt bekleiden wollen.

Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika – dieses Amt zu bekleiden, um nichts Geringeres geht es in dem Zwei-Personenspiel von Erfolgsautor Stefan Feld. Die beiden Kandidaten legten damals eine mediale Schlammschlacht hin, die einem Rosenkrieg glich und mit ihrer Rücksichtslosigkeit und Böswilligkeit ihren Weg in die Geschichtsbücher fand - und mit Revolution of 1828 auch auf den Spieltisch zweier Probanden.

Auf einem schmalen Spielplan, der zwischen die beiden Spieler gelegt wird, sind fünf Regionen der Staaten dargestellt, in denen um Stimmen und Wahlmänner gebuhlt wird. Am Rand findet sich auch Platz für die Presse, die damals bei diesem Wahlkampf ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt hatte. Die jeweils farblich passenden Wahlmänner werden auf die Staatenbereiche South Central, North Central, South Atlantic, Mid Atlantic und New England und der Redakteur auf das Pressefeld gestellt. 

Spielziel

Wer neuer Präsident der Vereinigten Staaten werden möchte, versucht durch geschicktes Platzieren der Wahlplättchen an die Stimmen der Delegierten zu kommen und die Wahlmänner für sich zu gewinnen. Am Ende gewinnt, wer die meisten Stimmen ergattert und dabei auch die Presse nicht aus den Augen verloren hat.

Revolution of 1828 verläuft über vier Runden, die jeweils in drei Phasen abgehandelt werden. Zunächst werden für jede der sechs Regionen jeweils drei zufällige Wahlplättchen - dies können Delegierte, Schmutzkampagnen und Kampagnenaktionen sein - aus dem Beutel gezogen und abgelegt. Danach beginnt der eigentliche Wahlkampf, bei dem die Spieler abwechselnd am Zug sind. 

Wer dran ist, muss eines der Plättchen aus einer Region nehmen und je nach Art etwas Bestimmtes damit tun. Delegierte sind farblich markiert und werden sofort unterhalb des dazugehörigen Staatenbereiches abgelegt. Schmutzkampagnen sind Joker und dürfen beliebig abgelegt werden. Sie zählen quasi wie ein Delegierter der entsprechenden Farbe. Mit den Kampagnenaktionsplättchen können besondere Aktionen ausgeführt werden, wobei die überwiegende Zahl mit sofortigen Aktionen Vorteile bringen. Sie wandern danach in den Kampagnenbereich des Spielers und bringen bei Rundenende drei Stimmen, wenn dort mehr Plättchen liegen als beim Gegner.

Wer das letzte Wahlplättchen einer Region nimmt, darf zusätzlich den Wahlmann oder Redakteur auf seine Seite ziehen und sofort einen zusätzlichen Zug ausführen. 

Auszählung

Eine Wahlkampfphase endet, sobald alle Regionen leer sind, die Wahlmänner und der Redakteur quasi überzeugt wurden und sich einer Seite angeschlossen haben. Bei der Stimmenauszählung werden zunächst die bereits erwähnten drei Punkte für den Kampagnenbereich vergeben. Danach werden die Staatenbereiche nacheinander gewertet. Wer mehr Delegierte hat, bekommt eine Stimme. Hat der Gegner gar keine Delegierte in der betroffenen Region, gibt es sogar zwei Stimmen. Wer den Wahlmann auf seiner Seite stehen hat, bekommt zusätzlich eine Stimme je dortigen Delegierten, egal ob er die Mehrheit dort inne hat. 
Als Letztes wird die Presse abgehandelt. Wer den Redakteur auf seiner Seite hat, der wird ganz besonders unter die Lupe genommen und verliert für jede Schmutzkampagne eine Stimme an den Gegner.

Nach der vierten Runde schließen die Wahllokale und es wird neuer Präsident, wer Stimmen auf sich vereinen konnte. Bei einem Gleichstand gewinnt wie im richtigen Leben der Spieler, der mehr Schmutzkampagnenplättchen auf seiner Seite hat.

Spieletester

23.01.2020

Fazit

Revolution of 1828 kommt mit einer grundsoliden Mechanik daher, die sehr gut funktioniert und im gehobenen Familienspielbereich bestens aufgehoben ist. Hier zählt kluges Vorrausdenken, das ist der Schlüssel zum Sieg. Das variable Setup mit der zufälligen Verteilung der Wahlplättchen bringt viel Varianz, jede Partie verläuft hier anders.

Doch was hat das Ganze mit Revolution oder Wahlkampf von 1828 zu tun? Diese Frage muss erlaubt sein, schließlich ist das gesamte Setting samt Hintergrundgeschichte darauf ausgerichtet. Die über die Presse ausgetragenen Schmutzkampagnen sind hier lediglich Joker, haben außer dem Verlust von Stimmen keine weiteren Auswirkungen. Auch die Aktionsplättchen können nur sehr abstrakt mit dem Thema mithalten.

Wer hier einen typischen Feld erwartet, wird enttäuscht sein - wer diese Erwartungshaltung allerdings nicht hat, den erwartet ein handwerklich sauberer, mechanisch etwas zu trockener Mehrheitenwettlauf, der mit den richtigen Spielern auch Spaß machen kann. Allerdings besteht die Gefahr einer hohen Downtime, wenn Grübler am Tisch sitzen, die alle möglichen Kombinationen durchgehen wollen. Dies wird einer Partie nicht gut tun, weil der Spielspaß dann wie eine Bleiente untergeht.
Redaktionelle Wertung:

Plus

  • Anleitung mit interessantem geschichtlichen Hintergrund
  • taktisch strategisches Mehrheitenspiel
  • Mechanik funktioniert gut

Minus

  • hat nix mit Revolution und noch weniger mit Wahlkampf zu tun
  • Thema aufgesetzt

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2
Alter: ab 12 Jahren
Spieldauer: 30 bis 60 Minuten
Preis: 24,95 Euro
Erscheinungsjahr: 2019
Autor: Stefan Feld
Grafiker: Alexander Jung
Zubehör:

1 Spielplan
78 Wahlplättchen
9 Schmutzkampagnen
24 Kampagnenaktionen
49 Stimmplättchen
6 Spielfiguren
1 Leinensack
1 Anleitung

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