Cuba Libre

Willkommen im Kuba der 1950er Jahre. Rebellierende Truppen treiben ihr Unwesen, Militär und Polizei versuchen, die Ordnung wiederherzustellen. Naja, das was sie und das korrupte Regime als Ordnung verstehen. Versetz dich in eine der Fraktionen und versuche, den Lauf der Dinge in deinem Sinne zu lenken.

Dieses Spiel ist nur in englischer Sprache erhältlich. Sowohl für die Anleitung als auch für die verschiedenen Karten benötigt man sehr gute Englischkenntnisse.

Hintergrund

Die Regierung versucht die Bevölkerung zu unterdrücken, es haben sich Widerstandsbewegungen gebildet. Außerdem versucht die Mafia, ihren Einfluss zu vergrößern. Jeder Spieler übernimmt eine dieser Fraktionen, übrige Fraktionen können als virtuelle Spieler am Spiel teilnehmen. Letzteres ist vor allem wichtig, damit das Spiel im Solomodus spielbar ist. Eine der Fraktionen wird am Ende den Sieg davontragen. In der wahren Geschichte war es jene von Fidel Castro, wer jedoch wird es im Spiel sein?

Aktionen

Anders als bei vielen anderen Simulationen von Auseinandersetzungen haben die Spieler bei Spielen der COIN-Serie, zu der auch Cuba Libre gehört, keine Handkarten. Vielmehr werden Aktionen durch das Aufdecken von Karten des Zugstapels gestartet. Der Trick an der Sache: Jede Karte hat eine vorgegebene Abfolge von Fraktionen, in denen sie die Wahl haben, eine Aktion oder eines der aufgedruckten Ereignisse auszuführen oder nicht. Maximal dürfen aber höchstens zwei Parteien eine Aktion nutzen, wobei die Wahlmöglichkeiten der zweiten Partei von der Wahl der ersten Partei stark eingegrenzt werden.

Manchmal ist es besser zu passen, da dies Ressourcen bringt. Vielleicht ist die kommende Aktion (die alle Spieler in der Vorschau schon sehen können) in der aktuellen Situation viel wirkungsvoller? Ich werde sie definitiv nicht ausführen können, wenn ich mich jetzt entscheide, aktiv zu werden: Niemand kann zwei aufeinander folgende Karten nutzen.

Die Konfliktparteien

Insgesamt gibt es in Cuba Libre vier Fraktionen. Es nehmen immer alle Fraktionen teil, egal wie viele Spieler am Tisch sitzen. Auf welche Weise eine Nicht-Spieler-Fraktion aktiv wird, ist durch Ablaufdiagramme genau geregelt. Im Prinzip kann man sagen: Die Regierung gegen alle, wobei sie die Mafia ein wenig schützt, alle Oppositionsparteien gegeneinander, jeder für sich! Die Regierung will die volle Unterstützung des Volkes, die Mafia eine Kette von Casinos eröffnen und die anderen möglichst viel Stimmung für sich bzw. Einwohner in von ihnen kontrollierten Gebieten. Kontrolle in einem Gebiet hat jene Fraktion, die dort mehr Spielsteine besitzt als alle anderen zusammen. Gibt es keine solche, gilt ein Gebiet als unkontrolliert. Die vorherrschende Stimmung hat nichts mit der Kontrolle zu tun, auch die stärkste Regierungskontrolle kann eine Oppositionssympathie nur mit viel Arbeit in die eigene Richtung kanalisieren.

Bewegung am Spielplan

Durch die Aktionen können Fraktionen den Spielplan betreten oder sich dort bewegen. Die Regierung kann Guerillas aufspüren und eliminieren. Die Gegner der Regierung können die Regierungstruppen angreifen, aber auch untereinander in den Kampf treten. In Wirtschaftszentren versuchen die Rebellen, Sabotageakte durchzuführen. Außerdem kann sich die Stimmung in Gebieten ändern, in vier Stufen von regierungsnah bis rebellenunterstützend. Ach ja, es gibt ja unterschiedliche Gebiete am Spielplan! Kuba ist in mehrere Regionen unterteilt, an den Grenzen gibt es einige Wirtschaftszentren und vereinzelt Dörfer und Städte.

Nachschub oder Spielende?

Zwischen den Ereigniskarten sind auch Propagandakarten. Wird eine solche aktiv, wird zuerst überprüft: Hat ein Spieler (das kann auch ein virtueller Spieler sein) die Siegbedingungen erfüllt? Diese setzt sich üblicherweise aus der Stimmung in den Gebieten und der Anzahl der errichteten Basen zusammen. Hat niemand gewonnen, gibt es Einkünfte und das Spiel geht weiter. Die Regierung zum Beispiel zieht Einkünfte aus allen Industrien, die nicht sabotiert sind. Außerdem wird zu diesem Zeitpunkt das Verhältnis mit den USA überprüft, da diese unterstützen. Das Verhältnis wird dadurch bestimmt, wie viel Rückhalt die Regierung in der Bevölkerung hat. Gibt es (zu) wenig Rückhalt, werden die Aktionen für die Regierung teurer.

Nach der letzten Propagandarunde wird in jedem Fall ein Gewinner ermittelt, es ist jener Spieler, der den Siegbedingungen am nächsten gekommen ist.

Spieletester

19.06.2019

Fazit

Der Einstieg ist mir nicht leicht gefallen, man findet in der Anleitung einige Wörter, die man im schulischen Englisch-Sprachschatz nicht lernt. Aber auch sonst war es nicht einfach, da die Anleitung sofort in Details springt, ohne eine Übersicht zu geben. Es empfiehlt sich nicht, die Anleitung als Gute Nacht-Lektüre zur Hand zu nehmen. Man sollte stattdessen das Playbook zur Hand nehmen, in dem eine ausführliche Beispielpartie durchgenommen wird. Hat man diese absolviert, ist die Einstiegshürde nur noch halb so groß. Jetzt ist es natürlich schwer, eine solche Einführungsrunde für jeden Neuling zu machen ...

Das COIN-System hat mir ausgezeichnet gefallen! Man muss sich stets überlegen, ob ich die aktuelle oder lieber die nächste Karte ausführen möchte, dabei abwägen, ob ich bei der nächsten überhaupt zum Zug komme ... Außerdem sollte ich als Erster ein wenig überlegen, welche der Aktionsmöglichkeiten ich wähle. Dies bestimmt nämlich, welche Aktion ein Zweiter wählen kann. Aber vielleicht brauche ich auch Ressourcen, um meine Aktionen zahlen zu können und bin deshalb gezwungen, zu passen? Auf jeden Fall darf man sich vom auf der Karte aufgedruckten Ereignis nicht verleiten lassen, dieses tritt nämlich nur in Kraft, wenn es jemand als Aktionsmöglichkeit wählt. Wichtig ist, dass jede Karte eine andere Spielerreihenfolge aufgedruckt hat.

Insgesamt ist die Spielanleitung sehr umfangreich, das hat aber auch mit den unterschiedlichen Regeln für unterschiedliche Fraktionen zu tun. Im Endeffekt muss man sich für eine Partie stellenweise nur ein Viertel der Regeln genau merken (von den anderen halbwegs eine Ahnung zu haben ist aber essentiell, um nicht überrascht zu werden). Ein Übersichtsblatt fasst die Regeln für alle Teilnehmer gut zusammen. Recht umfangreich sind die Regeln für virtuelle Spieler. Eine eigenes Übersichtsblatt leitet einen durch die vielen „Wenn, dann ...” - Bedingungen.

Insgesamt ist Cuba Libre ein interessantes Spiel (wenn man die Sprachbarriere überwindet), aber definitiv nichts für blutige Anfänger.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • Ungewöhnliches Spielsystem
  • Jede Partie läuft anders ab

Minus

  • Virtuelle Spieler halten den Betrieb etwas auf
  • Hohe Spieldauer
  • Jeder Neuling bräuchte eine Probepartie (umfangreiche Anleitung und Zusammenhänge)

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 1 bis 4
Alter: ab 14 Jahren
Spieldauer: 150 bis 240 Minuten
Preis: 65,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2013
Genre: Strategie
Zubehör:

1 Spielplan
52 Ereigniskarten
86 Truppenwürfel
8 Truppenzylinder
12 Spielfiguren
108 Marker
3 Übersichtstafeln
4 Franktionstafeln
3 Augenwürfel
1 Heft mit Beispielpartie
1 Spielanleitung

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