Lost Galaxy

Die Sonne droht zu explodieren. Zeit, die Planeten in ihrer Umlaufbahn zu evakuieren.

In der Tischmitte wabert ein leuchtender Fixstern, der sich langsam, aber bedrohlich dunkelrot färbt. Untermalt von sphärischer Musik wird er von einigen Planeten umkreist - bis er in einer gleißend hellen Explosion vom Fixstern zum Ex-Stern mutiert.

Wie hell und laut das ganze vonstatten geht, hängt vom Smartphone ab, auf dem die zugehörige App ausgeführt wird. Denn wie von den Österreichern Rudy Games gewohnt, spielt auch in Lost Galaxy das Mobiltelefon eine, im wahrsten Sinne des Wortes, zentrale Rolle.

Kampf ums Überleben

Jeder Spieler entscheidet sich zu Spielbeginn für eine von vier Fraktion. Mit der Wahl der Alienrasse geht nicht nur die Spielfarbe, sondern auch eine Sonderfähigkeit einher. Dazu später.

Mit einer Hand von sechs Karten wird ins Spiel gestartet. Um das Smartphone gibt es acht gedachte Ablegestellen für die Spielkarten. Auf den Karten befinden sich vorrangig Planeten in den vier Spielerfarben, nummeriert von eins bis vier. Die Handkarten gilt es auf den Ablagestapeln zu verteilen. Dabei kann eine Karte nur auf einen Stapel gelegt werden, sofern die Zahl darauf einen Zähler höher oder niedriger als die oberste Karte ist. Die Farbe ist dabei egal. Mit einem 1er kann ein neuer Stapel auf einem freien Feld eröffnet werden, Planeten mit einem 4er obenauf sind bereit für die Evakuierung.

Rasse statt Masse

Der Witz an der Sache: Sobald ein Planet evakuiert wird, erhält der Spieler, der die Evakuierung durchgeführt hat, fünf Punkte. Aber es erhält auch jeder Spieler Punkte für Planetenkarten in seiner Farbe, die sich im evakuierten Stapel befinden. Und zwar in der Höhe der darauf abgebildeten Zahlen.
Somit gilt es, die Karten der eigenen Farbe möglichst geschickt auf den Planetenfeldern zu verteilen. Da die Handkarten komplett durchmischt sind, befinden sich neben den (im besten Fall) eigenen Planetenkarten aber auch Sonderkarten und Planetenkarten der Mitspieler. Die Handkarten werden nach jedem Zug wieder aufgefüllt, daher sollten also auch fremde Planeten abgelegt werden, um die Chance auf gute neue Karten zu erhöhen.

Natürlich will man aber die Punkte der Gegner möglichst gering halten. Dafür hat man einige Möglichkeiten.

Sternzerstörer

Unter den Sonderkarten befinden sich Raumschiffe. Nur mit diesen Karten kann eine Evakuierung durchgeführt und damit fünf sichere Punkte eingefahren werden.

Es gibt allerdings auch Karten, die es ermöglichen, die oberste Karte eines Stapels oder sogar einen ganzen Kartenstapel zu entfernen. Das bietet sich natürlich an, wenn ein Stapel hauptsächlich aus Planeten anderer Fraktionen besteht. Ein Grund also, für mehrfärbige Planetenstapel zu sorgen, um einfärbige Stapel nicht unnötig attraktiv für solche Angriffe zu machen - auch wenn das im Falle der Evakuierung natürlich auch für Gegnerpunkte sorgt.

Hat ein gegnerischer Spieler etwas gegen eine solche Aktion, kann er diese abblocken, indem er eine Schildkarte ausspielt, sofern er in Besitz einer solchen ist.

Schlussendlich gibt es noch Karten, die einen Gegner dazu zwingen können eine Runde auszusetzen.

Rasse mit Klasse

Jede Klasse hat darüber hinaus, wie schon oben erwähnt, eine Spezialfähigkeit, die sich in jeder Runde unabhängig von etwaigen Karten einsetzen lässt. So freuen sich die blauen Sirians über eine zusätzliche Handkarte, während die grünen Broods einem Mitspieler eine Handkarte stehlen (allerdings nicht behalten dürfen).

Auch die gelben Mechs sind eher destruktiv unterwegs, indem sie eine abgelegte Planetenkarte entfernen dürfen. Die roten Cyborgs dürfen dagegen schon ab Stufe 3, statt Stufe 4, die Planeten evakuieren.

So asymmetrisch sich diese Fähigkeiten anhören, einen gravierenden Vorteil konnte tatsächlich keine der Fraktionen in unseren zahlreichen Testrunden für sich verbuchen.

Die App

Warum benötigen wir für Lost Galaxy aber nun eine App? Die sterbende Sonne dient dabei vorrangig als unvorsehbarer Timer zur Bestimmung der Rundenzeit, die etwa zwischen zehn und fünfzehn Minuten liegt. Die App ist aber tatsächliche deutlich mehr als ein fancy Timer.

Erstens liegt dem Spiel keine Anleitung bei. Die Regeln werden direkt während des ersten Spiels in der App erklärt und sind auch nachher direkt am Handy abrufbar.

Die App bestimmt außerdem den Startspieler jeder Runde. Des weiteren werden immer wieder Sonderevents ausgelöst. Ein Sonnensturm kann beispielsweise bestimmten Planeten in seinem Umkreis verschlucken. Während einer Sonnenfinsternis darf der aktuelle Spieler keine Planeten evakuieren. Ein Polsprung zieht einen Wechsel der Spielrichtung nach sich. Die Planeten, die die Sonne am Bildschirm umkreisen, geben zudem die aktuelle Spielrichtung an. Coole Sache.

Fliegt ein Satellit durchs Bild und wird er vom Spieler der selben Farbe rechtzeitig geklickt, kann dieser sich dadurch zwei Extrakarten verdienen.

Alle Ereignisse werden auch durch ein akustisches Signal angekündigt.

Schlussendlich werden nach jeder der drei Runden die Punkte der Spieler direkt in der App erfasst und dadurch am Ende des Spiels der Gewinner ermittelt.

Spieletester

21.06.2019

Fazit

Nicht selten werden Spiele mit Apps versehen, die keinen unmittelbaren Mehrwert bieten. Klingt halt gut. „Mit App”.
Hier ist das anders. Die fehlende haptische Anleitung wird nur kurz vermisst. Die App macht es dem Spieler auch sehr leicht, Feedback direkt an die Entwickler zu schicken. Und dass diese sich dem auch annehmen wird dadurch deutlich, dass tatsächlich schon Balancing-Änderungen aufgrund dieser Rückmeldunge durchgeführt wurden. Sehr löblich! Und das ist natürlich bei einer App sehr viel einfacher zu bewerkstelligen und zu kommunizieren, als bei einer gedruckten Anleitung.

Das Spielprinzip ist weiters sehr eingängig, schnell erklärt und die Punkteabrechnung sorgt tatsächlich fast jedes Mal für eine Überraschung. Denn nur wer viele Planeten evakuiert, muss noch lange nicht der Spieler mit den meisten Punkten sein. Auch die Spezialfähigkeiten haben sich als erstaunlich ausgeglichen erwiesen, obwohl sie im ersten Moment absolut nicht diesen Anschein erwecken würden. Aber die Punkte lügen nicht.

Lost Galaxy ist eine absolut runde Sache. Unsere einzige wirkliche Kritik betrifft die Spielzeit. Diese ist auf der Packung nämlich mit 10-15 Minuten angegeben. Bei dieser Zeit handelt es sich allerdings um die Rundenzeit. Ein Spiel besteht jedoch aus drei Runden.

Da hätten wir uns eine entsprechende „Schnelles Spiel”-Option gewünscht. Aber vielleicht wird diese ja noch irgendwann nachgereicht. App sei dank sollte das ja durchaus machbar sein.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • Ansprechendes Kartendesing
  • Ausgewogene Klassen
  • Spielregeln direkt in der App
  • Entwickler arbeiten weiterhin an Verbesserungen

Minus

  • Übergang beim Hintergrund-Soundloop etwas unsauber
  • Angaben zur Spielzeit auf der Packung missverständlich

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Besucherkommentare

Michael von Rudy Games | 08.03.2019

Lieber Philipp, schön, dass dir Lost Galaxy gefallen hat! Bezüglich "Schnelles Spiel": Du kannst zu Beginn bei den Sternenkarten auch die Option "Unbegrenzt" auswählen. Damit kannst du auch nur eine einzige Runde spielen. Grüße aus Linz Michael

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 8 Jahren
Spieldauer: 10 bis 45 Minuten
Preis: 14,95 Euro
Erscheinungsjahr: 2018
Verlag: Rudy Games
Zubehör:

120 Karten
Flyer mit Seriennummer für die App

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