Die Quacksalber von Quedlinburg

Worker-Placement? Card-Drafting? Deck-Building? No. Bag-Building!

Jeder alte Quacksalber-Sack bekommt seinen eigenen Bag, Beutel oder eben Sack. Wie man will.
Darin befinden sich bei Spielbeginn bereits neun Zutaten. Leider sind nur zwei davon gut brauchbar.
Die sieben weißen Zutaten mit den Werten 1,1,1,1,2,2 und 3 sind Knallerbsen vom Knallerbsenstrauch hinterm Maschendrahtzaun. Zu viele Knallerbsen, nämlich mehr als sieben, verändern die Tinktur im Kessel und lassen sie explodieren (Bild: explodiert). Eine Explosion kommt nicht überraschend, sie kündigt sich an (Bild: nicht explodiert).

Zutatenroulette

Zutaten werden einzeln aus dem persönlichen Vorratsbeutel gezogen und in den Kessel gerührt. Ausgehend vom Zentrum - dort befindet sich der persönlichen Tropfenmarker bei Spielbeginn - legt man die Zutaten mit ihrem Wert als entsprechendem Abstand zum vorherigen Plättchen in die linksdrehende Suppe. Vorsicht vor den Knallerbsen ist geboten. Explodiert der Trank ist zwar nicht alles verloren, aber es bedeutet zweifellos einen Rückschlag. Haben alle ihren Trank fertig - gezwungenermaßen oder freiwillig - kommt es zur Wertung des Gebrauten.

Die Trankwertung

Der Spieler, der seine Marker am weitesten in der Spirale nach außen bewegen konnte und nicht explodierte, erwürfelt sich zuerst einen Bonus. Danach werden spezielle Zutaten gewertet (schwarz, grün, lila). Endete der Kochvorgang vor einem Wertungsfeld mit Rubin, bekommt der Spieler nun einen Rubin. Danach gibt es Siegpunkte und Geld für Nicht-Explodierte. Knallerbsenopfer müssen sich für eine der beiden Optionen entscheiden. In der Startphase fällt die Entscheidung leicht.

GELD!

Mit dem Geldwert des erreichten Felds kann man bis zu zwei verschiedene Zutaten einkaufen. Es gibt kein Retourgeld, die Preise finden sich auf den ausliegenden Zutatenbüchern und steigen mit dem Wert der Zutat. Mittlerweile wissen wir: Höhere Werte ermöglichen weitere Schritte in der Kesselspirale. Und das ist gut. Je weiter man sich nach außen kocht, desto mehr Siegpunkte und Geld bekommt man.
Am Ende einer Runde dürfen erworbene Rubine im Zweierpack eingetauscht werden. Gegen einen Schritt des Starttropfens im Kessel oder gegen das Auffüllen der Flasche.

Flasche Bier/Wein/Wasser?

Die Flasche ist quasi mit einem Zaubertrank gegen Knallerbsen gefüllt und erlaubt das Retournieren eines Zutatenplättchens in den Beutel. Die Folge: Flasche leer. Der Zauber ist aber nicht stark genug, um eine Explosion zu verhindern.

Die Zutaten-Bücher

Auf den Zutaten-Büchern sind nicht nur deren Preise vermerkt, sondern auch deren Sonderfähigkeiten. Alle außer dem billigen Kürbis können was. Rote, gelbe und blaue spielen ihre Eigenschaften gleich bei der Verwendung aus, die anderen erst bei der Wertung. Da es von jeder Zutat (außer der schwarzen und dem Kürbis) zwei Bücher mit Vorder- und Rückseite gibt, ist das Fähigkeitenspektrum recht groß. In der Spielregel sind vier Sets für die ersten Partien vorgeschlagen, beliebige Zusammenstellungen sind für fortgeschrittene Quacksalber aber durchaus möglich. Die Zutaten-Bücher geben damit einen Teil der Strategie beim Einkauf vor.

Aber egal welche Zutatenplättchen man kauft und in den Beutel wirft, die Wahrscheinlichkeit, weiße Knallerbsen zu ziehen sinkt. Natürlich ist stets auch Glück dabei, doch das Glück ist ein wenig steuerbar.
Zumindest hat man das Gefühl.

Hilfreiche Rattenschwänze

Auf der Wertungsleiste hinten liegende Spieler haben auch ein Gefühl, nämlich ein positives den auf der Leiste krabbelnden Ratten und ihren Schwänzen gegenüber. Pro Rattenschwanz zwischen ihrem Wertungsstein und jenem des Führenden dürfen sie ihren Rattenstein vom Tropfen im Kessel wegziehen und so den Start ihrer Zutatenreihe im Kessel nach außen verlagern. Das ist eine nette Möglichkeit, um vom Pech verfolgte und damit explodierte Spieler zu trösten und wieder an die Spitzengruppe heranzuführen.

Spinnenbein und Rattenschwanz,
verloren bin ich, doch nicht ganz.

Knallerbsennachschub

In Runde sechs von insgesamt neun bekommt jeder Spieler einen weiteren Zutatenchip mit einer Knallerbse. Das hätte man sich sparen können, das macht das Kraut nicht fett. Nach Runde neun ist die Quacksalberkochshow vorbei und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt. Der Letzte wird zur Knallerbse des Tages ernannt.

Spieletester

27.07.2018

Fazit

Ich weiß nicht wo Quedlinburg liegt, aber dort wäre ich gerne Quacksalber. Vorausgesetzt das Leben ist so ähnlich wie das Spiel. Das ist nämlich wirklich sehr gelungen. Auch wenn deutlich mehr Zeit zu veranschlagen ist als angegeben. Wenn der Job Spaß macht sind ein paar Überstunden kein Problem. Die Zeit vergeht schnell.

Nicht im Handumdrehen ist man fertig, aber im Kochlöffelrühren. Es sind nicht die großen Entscheidungen, die getroffen werden müssen, sondern viele kleine reihen sich aneinander und ergeben am Ende das "Big Picture".

Die Spielregel ist anfangs etwas verwirrend, doch alle Nebel lichten sich sehr bald und auch die Zutatenfähigkeiten sind bald ohne den beschreibenden Almanach zu deuten.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • Tolles Material
  • Schöne Optik
  • Glück und Taktik halten sich die Waage
  • Sehr variabler Aufbau
  • Spielertableaus beidseitig verwendbar

Minus

  • Mitunter etwas unglückliche Farbwahl
  • Dauert deutlich länger als 45 Minuten

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 45 bis 90 Minuten
Preis: 35,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2018
Verlag: Schmidt Spiele
Grafiker: Dennis Lohausen
Zubehör:

4 Kessel (Spielertableaus für die Tinktur)
1 Siegpunktleiste mit Rundenanzeiger
12 Zutatenbücher (1xschwarz, 1xorange, je 2xgelb, grün, rot, blau und lila)
24 Wahrsagekarten
4 Stoffbeutel
4 Flaschen
4 Siegelplättchen
20 Rubine
8 Tropfen
4 Siegpunktmarker
4 Rattensteine
1 Flamme (Rundenmarker)
1 Bonuswürfel
219 Zutatenchips mit den Werten 1,2 und 4 in 7 Farben
Spielanleitung
Almanach der Zutaten

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