Oh my Goods

Waren kaufen, sammeln und dann wieder verkaufen ist ein alter Hut. Das Ganze dann auf Karten darzustellen und zu produzieren ebenfalls. Oh my Goods allerdings soll von der gewohnten kaufen-sammeln-verkaufen Strategie deutlich abweichen. Steht doch als Autor Pfister Alexander, der Macher von test, test, test oder test dahinter. Aber kann Oh my Goods ebenfalls in dieser Champions League der Spiele mithalten?
Ich war zunächst sehr skeptisch. 110 Karten! Das war's. Mehr ist nicht drin in dieser kleinen Schachtel. Das soll nun ein abwechselungsreiches Spiel sein, das mich häufiger als ein oder zweimal zum spielen animiert? 
Mit einem Lastwagen voller Vorurteile habe ich die kleine Schachtel geöffnet und mich an die Spielanleitung gemacht. Die ersten Bedenken vergingen direkt beim Betrachten der Spielkarten. Detaillierte Zeichnungen, übersichtlich gestaltete Symbole und ein insgesamt rundes Artwork stimmten mich schon etwas positiver. Also die Spielanleitung nehmen und lesen.
*die Spielregel*
 Das kleine zehnseitige Heft, gerade einmal etwas größer als die Spielkarten, ist übersichtlich gegliedert und schnell gelesen.  
Spielidee-Vorbereitung-Erklärung der Karten-Spielverlauf... fertig. 
Man ist nach kurzer Zeit im Spiel und kann sofort loslegen. Nachdem ich mit dem Studium der Spielregel fertig war, sanken meine Ressentiments weiter Richtung Null. So langsam bekam ich Lust darauf, die ersten Karten zu spielen und meine Gebäude zu bauen, um Güter zu produzieren.

Wie funktioniert Oh my Goods?

Jeder Spieler erhält eine zufällige Karte "Köhlerei" und eine Arbeiterkarte sowie insgesamt sieben Handkarten. Außerdem bekommt jeder Spieler weitere sieben Karten, die verdeckt auf die Köhlerei gelegt werden. Diese dienen im weiteren Spielverlauf als Zahlungsmittel. Das System mit verdeckten Spielkarten als Zahlungsmittel dürfte dabei vielen Spielern und Fans von Alexander Pfister-Spielen bekannt sein, wurde es doch schon im Spiel test erfolgreich verwendet.
Der aktive Spieler eröffnet jetzt den Markt und legt vom verdeckten Kartenstapel solange Karten in die Tischmitte, bis zwei halbe Sonnen auf den Karten zu sehen sind. Damit endet der erste Teil des Markttages. Neben diesen Sonnen zeigen die Karten aber auch noch die verschiedenen Rohstoffe an, die den Spielern am Ende des Markttages zur Produktion zur Verfügung stehen. 
Die Spieler müssen sich nun entscheiden, welches Gebäude produktiv werden soll, indem sie ihre Arbeiterkarte vor dieses Gebäude legen. Je nach Ausrichtung der Karte entscheiden sie sich dabei für die gewissenhafte oder die schlampige Produktion. Erstere benötigt mehr Rohstoffe, bringt dem Spieler aber auch mehr Waren. Bei der schlampigen Produktion wird es einfacher, Waren zu Produzieren. Man benötigt einen Rohstoff weniger, erhält dann aber auch nur eine Ware. Im besten Fall liegen jetzt schon alle Rohstoffe, die benötigt werden, auf dem Markt. Falls nicht, muss der Spieler darauf hoffen, das noch der eine oder andere Rohstoff im weiteren Verlauf hinzu kommt. Zusätzlich kann nun jeder Spieler auch noch ein Gebäude aus seinen Handkarten wählen, welches er in seiner Runde bauen möchte, um seinen Produktionsbetrieb zu vergrössern. Diese legt er verdeckt vor sich ab.
Jetzt startet die zweite Phase des Markttages. Der aktive Spieler legt wiederum Karten vom Nachziehstapel in die Tischmitte. Nach weiteren zwei Sonnen, die auf den Karten sichtbar werden, endet der Markttag. Die Sonne ist untergegangen und die Arbeiter fangen an zu produzieren.

Aus allen Rohstoffen, die auf den Karten auf dem Markt sichtbar sind, kann sich nun jeder Spieler diejenigen zusammensuchen, die er zur Produktion seiner Waren benötigt. Welche das sind, zeigt ihm das Gebäude an, welches er vorher durch anlegen seiner Arbeiterkarte zur Produktion ausgewählt hat. Sollten die benötigten Rohstoffe nicht alle auf dem Markt zu erhalten sein, kann er die fehlenden mit seinen Handkarten ergänzen.
Als Belohnung für die Produktion erhält der Spieler je nach Wert der produzierten Ware Karten vom Nachziehstapel, die er verdeckt auf das Gebäude legt. Diese dienen ihm als Zahlungsmittel für Gebäude, die er nun bauen kann. Zusammen mit den bei Spielbeginn erhaltenen sieben Karten auf der Köhlerei kann er unter Umständen schon einen schönen batzen Geld erwirtschaftet haben. Er dreht sein vorher ausgewähltes und verdeckt liegendes Gebäude um, bezahlt die darauf abgebildeten Kosten und legt dieses in seine Auslage. So einfach kann bauen sein.

Aber was ist ein guter Handwerksmeister ohne einen Gehilfen? Hat man genügend Waren produziert, kann man sich einen Gehilfen leisten. Diese liegen in der Auslage aus und warten nur darauf, in Lohn und Brot zu kommen. Aber die Gehilfen sind wählerisch und arbeiten nicht für jeden. Jeder Gehilfe verlangt von seinem künftigen Arbeitgeber, dass dieser bestimmte Voraussetzungen in Form schon gebauter Gebäude erfüllt. Erst wenn diese Hürde genommen ist, darf der Spieler seine sauer erwirtschafteten Waren ausgeben, um den Gehilfen sein Eigen zu nennen. Als Dank produziert der Gehilfe in jeder folgenden Spielrunde in einem ihm zugeteilten Gebäude selbständig eine Ware, sofern er natürlich die passenden Rohstoffe geliefert bekommt. 
So richtig interessant wird es, wenn die Spieler es geschafft haben, unterschiedliche Gebäude einer Warensorte zu bauen, um so eine Produktionskette zu errichten. Mit dieser kann man nämlich seine produzierten Waren weiter veredeln und somit noch wertvollere Waren herstellen. Folglich ermöglicht einem dieses auch den Bau noch teurerer Gebäude und somit mehr Siegpunkte.

Das Spielende wird in der Runde eingeläutet, in der ein Spieler das achte Gebäude gebaut hat. Anschließend zählt jeder Spieler seine Siegpunkte auf den Karten seiner Auslage. Für je fünf Münzen in Waren erhält er nochmals einen Siegpunkt. Überraschenderweise hat der Spieler gewonnen, der die meisten Siegpunkte besitzt.
Ach ja, meine restlichen Bedenken gegen ein kurzes und einfaches Kartenspiel hatten sich nach dieser ersten Partie restlos in Nichts aufgelöst. Ganz im Gegenteil, ich musste direkt eine weitere Runde spielen.
 

Spieletester

30.05.2016

Fazit

Oh my Goods ist die Neuauflage des Spieleklassikers Royal Goods. Alexander Pfister hat es geschafft, aus 110 Karten ein vielseitiges strategisches Aufbauspiel zu erschaffen, welches die Spieler mit einer hohen Spieltiefe herausfordert. Auf der Spiel 2015 in Essen war Oh my Goods eines der am schnellsten ausverkauften Spiele. Die Ähnlichkeit zu Port Royal kann nicht übersehen werden. Allerdings beschränkt sich diese auf die Darstellung der Münzwerte und den Siegpunkten auf den Karten sowie die Art der Zahlungsmethode, nämlich durch die Spielkarten selber. Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Spielen.

In Oh my Goods geht es nicht nur darum, eigene Gebäude zu bauen und Rohstoffe zu generieren, sondern neue Gebäude zum richtigen Zeitpunkt zu bauen, um logische Produktionsketten zu erschaffen. Mehrere minderwertige Waren durch Verarbeitung zu hochwertigen Produkten zusammenzuführen ist hier ein strategisches Hauptziel. Die richtige Anzahl an Gebäuden, die einem die Basiswaren liefern, zu bauen, erfordert Fingerspitzengefühl. Zum richtigen Zeitpunkt genug Vermögen angesammelt zu haben, um dann die höherwertigen Produktionsstätten zu errichten, ist in diesem Spiel ein wichtiger Aspekt zum Sieg. Allzuschnell wird man von der Verlockung überrumpelt, das gerade erwirtschaftete Geld für Gehilfen oder andere Gebäude auszugeben, für die ich dann aber nicht die richtigen Waren besitze. Andererseits kann das schnelle Bauen von acht billigeren Gebäuden das schnelle Spielende bedeuten. Jedoch ist dann auch die Siegpunktausbeute geringer und man läuft Gefahr, dass ein Spieler mit wenigeren, aber dafür hochwertigeren Gebäuden einem den Sieg noch streitig macht. Der Spannungsbogen wird während der gesamten Partie hochgehalten. Alleine das Aufdecken der Marktkarten und das damit verbundene "Zocken" auf die richtigen Rohstoffe schaffen knisternde Spannung am Spieltisch. Werden alle benötigten Rohstoffe aufgedeckt oder kann ich ggf. fehlende mit meinen Handkarten ergänzen? Wenn nicht, kann nicht produziert werden, dadurch fehlen mir die Waren, um das von mir geplante Gebäude zu bauen. Die Karte wandert auf den Ablagestapel und die Gelegenheit hohe Siegpunkte zu bekommen geht dahin.


Viele Wege und Strategien führen bei Oh my Goods zum Sieg. Kein Spiel ist wie das andere. 110 Karten bedeuten hier eine Fülle an neuen Spielsituationen und unterschiedlichen Vorgehensweisen. Gerade Vielspieler werden hier auf ihre Kosten kommen und sehr viel Spaß mit Oh my Goods haben. Kritikpunkte muss man bei diesem Spiel suchen. Zum einen ist es nicht nachvollziehbar, weshalb  z.B. bei der Köhlerei aus Wolle oder Weizen Kohle entsteht und zum anderen kommen Liebhaber der Interaktion hier nicht auf ihre Kosten. Man baut seine Produktionsstätte aus und versucht, den Ertrag zu optimieren. Aber das ist ja nun auch der Sinn eines Aufbau-Strategie-Spiels. Und wenn man den Kaufpreis dieses Spiels mit anderen Spielen dieses Genres vergleicht, dann vergrössert Oh my Goods seinen Vorsprung vor diesen nochmals erheblich.
Dieses kleine Spiel ist eine klare Kaufempfehlung an alle, die ein anspruchsvolles und doch leicht zu spielendes Strategie-Aufbauspiel suchen.
Redaktionelle Wertung:

Plus

  • Grafisch sehr ansprechende Karten
  • Kurze Spielregel
  • Vielfältige Kombinationsmöglichkeiten
  • Enorme Spieltiefe
  • Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis

Minus

  • Wenig Interaktion
  • Teilweise unlogische Produktionsvorgänge

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 30 bis 60 Minuten
Preis: 8,99 Euro
Erscheinungsjahr: 2015
Zubehör:

110 Karten
2 Spielregeln (DE/EN)

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