Bretagne

Die rauhe Atlantikküste am westlichsten Zipfel Frankreichs und der Bau von Leuchttürmen sind Thema von Bretagne, dem neuesten Spiel des Verlages Placentia Games. Die Italiener kennen sich aus mit historischen Hintergründen, die eingebettet in abendfüllenden Kennerspielen immer wieder den Weg auf die Spieltische dieser Welt finden.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kündigt in Frankreich die „Commission des Phares“ den Bau neuer Leuchttürme an der Küste der Bretagne an, um den Schiffen bei der Einfahrt von der Keltischen See in den Ärmelkanal ein sicheres Geleit zu geben und sie von den scharfkantigen Abschnitten des französischen Festlandes fernzuhalten.

Die Spieler übernehmen die Rolle wagemutiger Architekten, die die Konstruktion der Leuchttürme unter widrigen Wetterverhältnissen erledigen und den Einsatz von Personal und Ressourcen präzise planen müssen. Am Ende wird der erfolgreichste Architekt als gefeierter Leuchtturm-Erbauer in die französische Geschichte eingehen.

Ein Leuchtturm aus der Hölle

Der sehr schön gestaltete Spielplan zeigt eine Karte der Bretagne, die in drei große Gebiete aufgeteilt ist und jeweils kleine Hafenstädte und die Bauplätze der zu erbauenden Leuchttürme zeigt. In den vier großen Städten Quimper, Brest, Lorient und Pontivy können Baumaterial, Ausrüstung und Transportkähne käuflich erworben oder Ingenieure eingestellt werden. Die Standorte der neuen Leuchttürme stellen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade dar, je nach dem, ob sie auf dem Festland oder gar mitten im Meer sind. Mit Himmel, Fegefeuer und Hölle  werden diese bezeichnet und spiegeln damit ganz gut die Wirklichkeit wider. Je schwieriger das Umfeld, desto mehr Ingenieure müssen für den Bau eingesetzt werden. Und natürlich sind die Erträge dann auch höher. Zusätzlich muss noch das Wetter beachtet werden – an der rauen Küste der Bretagne ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Spielvorbereitung 

Zu Beginn bekommt jeder Spieler eine Lagerhauskarte und acht Arbeiter in seiner gewählten Farbe. Weitere sechs Arbeiter liegen als Vorrat bereit. Die Leuchtturmtafeln werden zufällig an den Spielplanrand gelegt. Auf die Häfen kommen entsprechende Einkommensplättchen, die Wetterkarten werden gemischt und als Nachziehstapel bereit gelegt. Die einzelnen Bauteile der Leuchttürme kommen sortiert in drei Stapeln auf das Baufeld und die jeweils vier obersten Plättchen werden aufgedeckt. Das übrige Spielmaterial kommt neben den Spielplan.

Über maximal fünf Runden wird der erfolgreichste Architekt ermittelt. Jede Runde besteht wiederum aus fünf Phasen und wird in Rundenvorbereitung, Materialbeschaffung, Aktionen, Leuchtturmwertung und Rundenende abgehandelt. Wurden alle bereitliegenden Leuchttürme gebaut, endet Bretagne auch schon mal vorzeitig.

Bei der Rundenvorbereitung werden gemäß der Spielerreihenfolge die Transportkähne ausgewählt. Diese liefern Ingenieure und manchmal auch Münzen. Dann wird das Rundeneinkommen für eingesetzte Arbeiter in den Häfen ausgeschüttet. Das können Materialien, Arbeiter, Ausrüstungskarten, Ingenieure oder Siegpunkte sein. Die Märkte in Brest und Quimper werden aufgefüllt und das Wetter per Karte aktualisiert.

Jetzt wird gebaut und verhandelt

Während der Materialbeschaffung werden die Kähne der Spieler beladen. Dies geschieht reihum von oben nach unten. Pro Kahn darf immer nur eine Sorte geladen werden. 
Sind alle Transportkähne beladen, beginnt die Aktionsphase, in der die Spieler reihum die Aktionen Bauen, Handeln oder Passen ausführen können.

Beim Bauen kauft ein Spieler zunächst ein ausliegendes Bauteil-Plättchen und bezahlt die angegebenen Materialien. Dafür erhält er in Abhängigkeit der Anzahl der Materialien eine Belohnung. Dann legt er das Bauteil auf einen Leuchtturm, was erneut diverse Materialien kostet. Zusätzlich muss er die gleiche Anzahl an Arbeitern auf dem Bauteil platzieren. Insgesamt also eine ziemlich teure Angelegenheit, was auch ein entsprechendes Management erfordert. Die Arbeiter darf er allerdings wieder zurücknehmen und bekommt dafür Siegpunkte. Möchte er sie stehen lassen, gehen sie in die Leuchtturmwertung ein, wenn der Bau vollendet ist. Und genau dies kann dann auch schon mal dauern.

In Brest und Lorient kann auf den dortigen Märkten gehandelt werden. Dabei können Materialien, Ingenieure, Arbeiter und Ausrüstungen sowohl gekauft als auch verkauft werden.

Wer keine Aktion mehr ausführen kann oder will muss passen und legt dann seinen Marker auf die entsprechende Leiste in Pontivy.

Wertung

Haben alle Spieler gepasst, folgt die Leuchtturmwertung. Hierbei werden nur alle komplett fertiggestellten Leuchttürme gewertet. Die am Bau beteiligten Spieler können jetzt noch Ausrüstungskarten gegen Siegpunkte tauschen, verlieren aber je Karte einen Arbeiter. Anschließend dürfen noch verbliebende Arbeiter auf ein Hafenfeld gesetzt werden und liefern in den noch folgenden Runden ein festes Einkommen. Sind dann immer noch Arbeiter auf dem Leuchtturm, wird die Mehrheit gewertet. Der betreffende Spieler bekommt dann die angegebenen Siegpunkt gutgeschrieben.

Nach der fünften Runde oder wenn alle Leuchttürme gebaut sind endet das Spiel und eine anschließende Schlusswertung folgt. Wer danach die meisten Punkte aufweisen kann, gewinnt.

Spieletester

22.05.2016

Fazit

Zunächst einmal bringt das Regelwerk einen unbedarften Spieler an seine Grenzen. Auf zehn Seiten wird ein hochkomplexes Werk beschreiben, das definitiv nicht für Gelegenheitsspieler geeignet ist. Zu anspruchsvoll sind gerade in der Aktionsphase die Möglichkeiten, die ein Spieler ausführen kann, wenn er denn den Überblick behält. Wie schon beschrieben, gilt es ein effizientes Materialmanagement zu betreiben und sich nicht von den vielen Siegpunktmöglichkeiten blenden zu lassen.

Vor allem der Einsatz der limitierten Arbeiter will gut geplant sein. Bei den Bauarbeiten auf den Leuchttürmen sollte ihr dortiger Verbleib gut überlegt sein, denn sie kehren dann erst wieder nach deren Fertigstellung zurück und könnten bis dahin an anderer Stelle fehlen. Die Rücknahme für zwei Siegpunkte direkt nach ihrem Baueinsatz scheint gerade zu Beginn einer Partie eine gute Idee zu sein. Allerdings kommen sie dann nicht in die Häfen, wo sie für ein dauerhaftes Einkommen sorgen können. Insgesamt ein großes Dilemma, vor das die Spieler gestellt werden.

Breatgne macht in der richtigen Zusammensetzung sehr viel Spaß, weil es eigentlich immer genügend Aktionsmöglichkeiten für alle gibt. Und genau da liegt auch der Hase im Pfeffer. Die vielen kleinen Details sind nicht immer präsent und müssen in der Regel nachgelesen werden, was dem Spielfluss dann natürlich abträglich ist. In einer eingespielten Gruppe sollte dies aber kein Problem mehr sein und führt nur bedingt zu Abzügen in der B-Note. 

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • reichhaltiges und wertiges Material
  • ausdrucksstarke Grafiken der Leuchttürme
  • viele Aktionsmöglichkeiten

Minus

  • Materialien auf dem Plan etwas fummelig
  • viele kleine Regeldetails, die auch schon mal verloren gehen

Teilen mit facebook twitter

Kommentar verfassen

Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 14 Jahren
Spieldauer: 90 bis 120 Minuten
Preis: 39,95 Euro
Erscheinungsjahr: 2015
Autor: Marco Pozzi
Genre: Strategie
Zubehör:

1 Spielplan
15 Leuchtturmtafeln
4 Übersichtskarten
60 Baumaterialien
- 15 Ziegel
- 15 Stein
- 15 Sand
- 15 Holz
16 Ingenieurplättchen
6 Produktionskarten
12 Hafenplättchen
30 Ausrüstungskarten
4 Kahnkarten
6 Wetterkarten
28 Münzmarken
4 Wertungsmarker
4 Lagerhauskarten
56 Arbeiter
8 Spielerchips
36 Bauteilplättchen
4 "x3/x5"-Marker

Anzeige

Statistik

Derzeit findest Du auf spieletest.at 7214 Gesellschaftsspiele-,
1656 Videospielrezensionen
2310 Berichte.