In vier Runden bauen wir Strecken, ersteigern Züge, pimpen sie mit Optionen und Sonderwaggons und überstehen hoffentlich die Ereignisphase, um anschließend Erträge zu kassieren.
Ablauf in sechs Schritten
Jede Runde folgt demselben Raster:
1) Streckenwahl
Streckenkarten geben Städteverbindungen, Fahrzeit und Passagierkapazität vor. Mehrfachnutzung von Teilstrecken senkt die Passagierzahl. Servicepoints müssen zwingend vorhanden sein. Wir dürfen auch die Servicepoints anderer Spieler nutzen, diese erhalten dafür eine Siegpunkt-Miete.
2) Zugauktion und Leasing
Geboten wird verdeckt mit den Karten X, 0, 1, 3, 5, 7, 10 auf den jeweils nächsten Zug. Wer beim Aufdecken das Höchstgebot hat, erhält den Zuschlag. Bei Gleichstand entscheidet das Los. Statt eines Kaufs ist auch Leasing möglich. In diesem Fall fahren wir den Zug sofort, zahlen jedoch pro Runde Punkte, bis wir ihn später „herauskaufen“.
3) Optimieren
Mit zwei Arbeitern belegen wir Aktionsfelder: Startspieler, Sonderwaggons, Servicepoint+, Werbung, Optionen, Versicherung, Geld. Diese Aktionen sind situativ sehr stark. So bringt die Die Highspeed-Option auf einem passenden Zug je Runde feste Extrapunkte, während die Werbung Passagierzahl die Passagierzahl hebt.
4) Ereignisse
Von kleinen Cash-Schwankungen bis zu Waggon-Blockaden und Passagierverlusten ist alles möglich. In Runde eins und zwei betreffen die Karten meist nur uns selbst. Ab Runde drei interagieren sie stärker mit den Mitspielern. Negative Effekte lassen sich durch eine Versicherung abfedern.
5) Streckenwertung
Gewertet wird je Strecke von links nach rechts: Passagierfenster des Zuges, Leasingabzug, Sonderwaggons, Optionen, Fahrzeit, Servicepoint+. Die Summe aller Strecken wandert als Punkte vorwärts. In den ersten drei Runden gibt es die Summe zusätzlich als Geld.
6) Spezialisten
Am Ende jeder Runde wählen wir eine Spezialistenkarte, die einen laufenden Vorteil bringt, zum Beispiel das Einsparen der Miet-Siegpunkte auf einem fremden Servicepoint. Die Reihenfolge beim Ziehen richtet sich nach der aktuellen Punkte-Tabelle.
Tischgefühl
Planung vs. Pokerface: In der Bietphase können wir zocken und über die „0“ darauf hoffen, dass uns alle überbieten. Oder wir machen Druck, weil wir einen bestimmten Zug unbedingt wollen. Leasing erlaubt frühe Expansion, kostet aber dauerhaft Punkte. Jeder Zug wird einzeln versteigert, so dass wir hier viele kleine Mini-Auktionen erleben.
Druckpunkte: Das Tableau ist eng. Wer zuerst setzt, greift sich die stärkeren Felder. Highspeed-Kombos, Servicepoint+ auf Knotenbahnhöfen und doppelte Werbung können Schneeballeffekte auslösen.
Unvorhersehbarkeit durch Ereignisse: Der beste Plan kann kippen. Versicherungen sind selten Luxus, sondern gehören in die Kalkulation.
Weiteres Feintuning durch Spezialisten: Wir spezialisiern uns weiter oder negieren Mali durch bestimmte Aktionen, die dadurch wesentlich lukrativert werden.
Ziel
Nach vier Runden gewinnt, wer die meisten Punkte hat. In der Endauswertung zählen zusätzliche Kategorien, etwa der Besitz der größten Zugflotte. Außerdem punkten die „geheimen Streckenziele“. Mit der optionalen Erweiterung Nachhaltigkeit verschiebt sich der Fokus weg von der reinen Optimierung der Zug-Strecken hin zu Umweltwerten, über die weitere Bonuspunkte möglich sind.
Skalierung und Varianz
Mit steigender Spielerzahl nehmen Blockaden, Servicepoint-Mieten und der Passagier-Malus durch Mehrfachnutzung zu. Zu zweit ist Night Express berechenbarer. Zu fünft oder sechst wird vor allem die Auktionsphase volatiler und das Optimierungstableau enger. Neben der Profi-Variante mit allen Regeln gibt es eine Einsteiger-Version mit geringerer Komplexität, aber fast allen Kernelementen.
Spieletester
Fazit
Night Express ist vom Umfang her ein Brett. Der Regelumfang ist ordentlich, der Rundenrhythmus aber klar, unterstützt durch Hilfskarten und Bewertungsblatt. Der größte Lernsprung liegt im Lesen der Zugfenster und im Gefühl, wann Werbung, Servicepoint+ oder Optionen mehr bringen als ein weiterer Waggon. Jede Phase bietet spürbares Entscheidungspotenzial mit kurz-, mittel- und langfristigen Folgen für Geld und Punkte.
Bei den Auktionen gibt es für jeden Zug eine eigene Miniauktion. Missverständnisse dazu tauchten in manchen Runden auf, sind in der Regel jedoch sauber beschrieben. Nach ein bis zwei kompletten Partien laufen die Phasen flüssig. Ab dann frisst vor allem das Taktieren Zeit. In den ersten Partien solltet ihr mit längerer Spielzeit rechnen.
Night Express ist kein „nebenbei“. Wer sich bewusst auf einen Spieleabend mit diesem Titel einlässt, bekommt ein taktisch dichtes Wirtschaftsspiel, das regelmäßig mit Punkte- und Geldzuwächsen belohnt.
Persönliche Anmerkung
Autor Bernd Wustinger verstarb während der Kickstarter-Kampagne. Die übrigen Autoren verzichteten auf die Nennung ihrer Namen in der Anleitung, um Bernds Werk zu würdigen.
Plus
- jede Phase bietet eigene taktische Möglichkeiten
- komplex, aber nicht kompliziert (trotz Materialmenge)
- stetiger Zufluss an Geld und Punkten sorgt für Machtphantasien
- spannendes Auktionssystem mit Bluff-Funktion
- viele Strategien führen zum Sieg
Minus
- Leasing thematisch gut, aber mit höherem rechnerischem Aufwand
- ggf. einige Unklarheiten bzgl. der Auktion trotz Regellektüre
- Ereignisse haben mitunter zu extreme Auswirkungen
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Details
1 Spielbrett
1 Auslagetableu
6 Spielertableaus
32 Streckenkarten
6 x Set aus 7 Bietkarten
80 Ereigniskarten (40 x Deutsch & 40 x Englisch)
60 Spezialistenkarten (30 x Deutsch & 30 x Englisch)
32 Geheime Streckenziele (16 x Deutsch & 16 x Englisch)
95 Geld-Schecks-Makrer
40 x Züge
über 230 Marker
über 150 Holzfiguren und Marker
2 Anleitungen (1 x Deutsch & 1 x Englisch)
6 Hilfskarten (6 x Deutsch & 6 x Englisch)
6 x Sichtschutz
1 x Streckenwertungsblock
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