The Druids of Edora

Stellt Euch vor, ein international renommierter Verlag bringt das neue Spiel eines bekannten Autors auf den Markt und niemand weiß davon.

Für viele Verlage und Autoren kann der Hype-Train anlässlich der Bekanntgabe und Erscheinung eines neuen Brettspiels nicht groß und lang genug sein. Nicht so der Ravensburger Spieleverlag mit seinem Tochterverlag alea. Spieler und Pressemeute rieben sich unisono verwundert die Augen, als kurz vor der Essener Spiel 2025 urplötzlich Druids of Edora angekündigt, in der Neuheiten-Schau gezeigt und am Stand verkauft wurde. Noch dazu wenn das Spiel die Handschrift des bekannten Autors Stefan Feld trägt.

Allein im Wald?

Als mächtige Druiden oder Priesterinnen durchstreifen die Spieler den mystischen Wald von Edora. An versteckten Kultplätzen sollen Rituale ausgeführt, Stein-Stelen oder Menhire errichtet und Zaubertränke gebraut werden. Auch das Sammeln von Kräutern oder der Besuch von einander zugehörigen Dolmen kann Macht und Ansehen steigern. Aber Vorsicht, für jede dieser Aktionen wird ausreichend Proviant und Würfel benötigt. Nur wer seine immer knappen Ressourcen dauerhaft geschickt zu nutzen weiß, wird das meiste Prestige sammeln und sich so zum mächtigsten Druiden von Edora machen können.

Immer wieder neue Herausforderungen

Vor jeder Partie wird der Spielplan modular zusammengesetzt und dabei an die Anzahl der Spieler angepasst. Das geschieht, indem wahlweise die Vorder- oder Rückseiten der neun Waldtafeln und der Rahmenteile verwendet werden und dadurch auf jedem der Kultplätze die der Spielerzahl entsprechende Anzahl an Aktionsfeldern vorhanden ist. Netter Nebeneffekt, der Spielplan ist jedes Mal anders aufgebaut und stellt die Spieler damit immer wieder vor neue Herausforderungen. Die Spieler würfeln die ihnen zur Verfügung stehenden Würfel vor dem Spiel genau einmal und müssen die Partie mit diesen Werten bestreiten. Vier dieser Würfel hat jeder Spieler in die erste Spielrunde zur Verfügung.

Es gibt viel zu tun

Gespielt wird reihum, wobei jeder Spieler in seinem Zug eine Art Checkliste, die aus sieben Schritten besteht, abhandeln bzw. beachten muss. Das geht zum Glück aber recht schnell. Als erstes bewegt der Spieler seine Spielfigur entlang eines Waldpfades zu einem Kultplatz seiner Wahl und bezahlt dabei Proviant als Reisekosten. Auf dem Kultplatz, auf welchem die Bewegung endet muss einer der eigenen Würfel auf eines der Aktionsfelder eingesetzt werden, wobei auf jedem Kultplatz maximal ein eigener Würfel liegen darf. Der Würfelwert muss sofort mit Proviant bezahlt werden. Liegen irgendwann mindestens zwei Würfel auf einem Kultplatz, kommt es zum Wettstreit und der Eigentümer des höherwertigen Würfels erhält zwei Prestigepunkte. Deshalb gibt das anfängliche eigene Würfelergebnis auch einen ersten Hinweis, worauf man sich während der Partie konzentrieren sollte. Durch hohe Würfelergebnisse sind zwar die Mehrheiten gesichert, gleichzeitig wird aber auch permanent Proviant für ihre Nutzung benötigt.

Jetzt folgt der eigentliche Motor des Spiels, die Aktionsphase. Auf den Kultplätzen gibt es Symbole für acht mögliche Aktionen. Der Spieler führt die Aktion aus, welche er mit seinem Würfel markiert hat. So kann man sich wahlweise neuen Proviant oder Würfel sichern, den eigenen Wissensmarker entlang eines Tracks bewegen, die Sichel nutzen, um Heilkräuter zu ernten, eine Steintafel vom Orakelplatz nehmen, um am Ende des Spiels für erfolgreich absolvierte Aufgaben Zusatzpunkte zu generieren, Misteln sammeln und evtl. schon Zaubertränke brauen, das eigene Amulett mit Edelsteinen bestücken oder aber Menhire bzw. Stelen errichten. Man merkt es schon. Es gibt sehr vielfältige Aktionsmöglichkeiten und sie alle generieren sofort oder bei Spielende Boni bzw. Prestigepunkte.

Anschließend werden die letzten Schritte auf der: Ich bin dran-Checkliste abgearbeitet. Mittig zwischen vier Kultplätzen sind Feuerstellen angeordnet. Ist der erste Spieler auf allen vier Kultplätzen um diese vertreten, entzündet er das Feuer und sackt die abgebildeten Boni ein. Danach wird überprüft, ob es einen mit eigenen Würfeln lückenlos besetzten Pfad zwischen zwei gleichfarbigen Dolmen am Spielfeldrand gibt. Auch dafür gibt es Prestigepunkte und Boni. Hat man im eigenen Zug mit der Sichel Heilkräuter geerntet, kann man sich zum Abschluß des eigenen Zuges aussuchen, welches man offen auslegt und sich die damit verbundenen dauerhaften Boni sichert.

Natürlich kommt man, gerade in den ersten Partien, immer mal an den Punkt, an welchem man merkt: Mist, kein Proviant oder keine Würfel mehr vorhanden. In diesem Fall kann man sich einfach statt des normalen Zuges einen Würfel und sechs Proviant nehmen. Natürlich ist das nicht unbedingt die idealste Option, hilft aber in jedem Fall aus eventuellen spielerischen Sackgassen. Bei Spielende kommen bei der Endwertung neben den gesammelten Siegpunkten noch etliche aus anderen Quellen dazu. Neben dem Restmaterial werden auch erfüllte Steintafeln, das belegte Amulett, die Situation der Sichel-Leiste und Höchstwerte auf den Kultplätzen gewertet.

Spieletester

Fazit

Man bemerkt es schon beim Lesen der Spielregel. The Druids of Edora ist ebenfalls ein lupenreines Stefan Feld-Spiel. Es gibt mannigfaltige Möglichkeiten und Wege an die diversen Boni und Prestigepunkte zu gelangen. Das ist allerdings kein Selbstläufer. Die Kunst ist es, in jeder Partie aufs Neue, quasi als Puzzle für sich selbst, den idealsten Weg zu finden, um an das Maximum an Punkten zu gelangen. Reproduzierbar ist dieser Weg dann aber nicht, denn jede Partie startet unter anderen Voraussetzungen. Auch die Anzahl der Mitspieler hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss. Während sich mit lediglich zwei Spielern Druids of Edora deutlich taktischer präsentiert, ist in Vollbesetzung die Interaktion am größten.

Aufgrund der Vielzahl an Möglichkeiten und Abhängigkeiten fühlt man sich nach Regelstudium und teilweise auch noch während der ersten Partie regelrecht erschlagen. Hat man allerdings erst einmal die gelungene Verknüpfung der Spielmechanismen und auch die Symbolsprache verinnerlicht, so steigt der Spielreiz deutlich an.

Im Vergleich zu früheren Spielen aus dem Hause Alea ist die Materialmenge und -qualität in The Druids of Edora sehr gut. Stabile Tableaus, Plättchen und Geländetafeln, wertige Würfel, diesbezüglich gibt es nichts zu meckern. Leider wurden aber vom Verlag einige diskutable Designentscheidungen (z.b. bezüglich Farbwahl oder der frimligen Größe der Stelen und Menhire) getroffen, die so nicht unbedingt nachvollziehbar sind.

The Druids of Edora ist ein belohnendes Euro-Spiel, allerdings mit einigem Anspruch, welches sich am oberen Ende des Kennerspielbereiches ansiedelt. Es bedarf einiges an Einarbeitung, liefert dann aber durch die geschickte Verzahnung der Spielmechanismen und den hohen Wiederspielwert immer wieder viel Spielspass. Mir hat es in komplett besetzten Spielrunden am besten gefallen, da hier der Wettbewerb und die Interaktion voll durchschlagen und man schon einen gewissen Plan haben sollte, was das eigene Vorgehen betrifft. Für mich eines der besseren Stefan Feld Spiele. Empfehlenswert!

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • hoher Wiederspielwert
  • materialtechnisch sehr gut ausgestattet
  • typisches Feld-Spiel
  • Spielmechanismen sehr gelungen verzahnt
  • keinerlei Glücksfaktor während des Spiels

Minus

  • alea-typisch einige unglückliche Designentscheidungen
  • typisches Feld-Spiel
  • steile Lernkurve aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 14 Jahren
Spieldauer: 60 bis 90 Minuten
Preis: 45,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2025
Verlag: Ravensburger , alea
Autor: Stefan Feld
Zubehör:

Spielregel

Beiheft

Spielplan (17 teilig),

Startspielerkärtchen

Übersichtsplan

Orakelplatz

6 Orakelsteine

18 Mistelplättchen

44 Proviantplättchen

18 Zauberspruchplättchen

16 Feuerplättchen

24 Edelsteinplättchen

15 Dolmen (Kunststoff)

4 Spielertableaus

4 Heilkräutertableaus

24 Stelen (Kunststoff)

24 Menhire (Kunststoff)

4 Spielfiguren (Kunststoff, je eine in vier Spielerfarben)

4 Wissensmarker (Kunststoff, je eine in vier Spielerfarben)

4 Sicheln (Kunststoff, je eine in vier Spielerfarben)

4 Prestigepunktemarker (Kunststoff, je eine in vier Spielerfarben)

48 Heilkräuter

8 Prestigepunktplättchen (Pappe, je zwei in vier Spielerfarben)

52 Würfel (W6, je 13 in vier Spielerfarben)

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