Wir tauchen wir ein in die wuselige Welt von Bistro Bay. Wer den Charme von Flamecraft liebte, wird hier optisch sofort heimisch – doch unter der zuckersüßen Haube brodelt ein taktischer Eintopf, der deutlich mehr Biss hat, als man auf den ersten Blick vermutet.
Als Restaurantbesitzer im kulinarischen Zentrum einer lebendigen Tierstadt treten wir in einem einwöchigen Kochwettbewerb gegeneinander an, um den renommiertesten Restaurantkritiker der Stadt zu beeindrucken. Über sieben Runden (die drei Tage simulieren) schicken wir unsere Mitarbeiter durch die Stadt, um die erlesensten Zutaten zu ergattern. Ziel ist es, am Ende der Woche die meisten Sterne durch perfekt angerichtete Speisen und das finale „Kritiker-Menü“ zu sammeln.
Die Anatomie eines Küchen-Chaos
In Bistro Bay trägt der Chefkoch einen buschigen Schwanz oder hat Stoßzähne, denn unsere Köche sind drei Tiere, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine kleine Maus, eine Eidechse und ein mächtiges Wildschwein werden losgeschickt, um unsere anfangs leeren Vorratskammern mit erlesenen Köstlichkeiten zu füllen. Daraus wollen wir am Ende das ultimative 7-Gänge-Menü kredenzen. Aber mal ernsthaft: Kann eine Maus mit einem riesigen Kürbis auf dem Rücken überhaupt noch geradeaus laufen?
Mit Hilfe von Ortskarten entscheiden alle gleichzeitig, welchen Koch sie heimlich an welchen Ort in der Stadt schicken. Dort liegen in jeder der sieben Runden diverse Zutaten aus, die wir abgreifen wollen. Nach dem Aufdecken der Köche sammeln diese die Zutaten ein. Die Maus kann allerdings nur wenig tragen, darf dafür aber zuerst zulangen. Das Wildschwein dagegen ist so träge, dass es quasi erst ankommt, wenn die Marktstände bereits abbauen - und bekommt oftmals dann nur noch das, was übrig ist, kann dafür aber drei Zutaten tragen.
Das Rezept zum Erfolg
In der Planungsphase versuchen wir also, unsere Köche taktisch klug an den Ort zu senden, der von anderen eher nicht besucht wird. Oder unsere Maus dort einzusetzen, wo sie eine wichtige und mächtige Zutat einem anderen Koch vor der Nase wegschnappt. Weil das aber alle anderen auch in ihre Überlegungen einbeziehen, gilt es jetzt ein wenig zu zocken, täuschen und bluffen. Mal schauen, wer nach dem Aufdecken wo hin will und was für einen selbst am Ende übrig ist.
In der Küche hinter dem eigenen Sichtschirm werden die Zutaten auf Tellern kombiniert. Gewürze können dabei den Wert einer Zutat verdoppeln. Nach dem dritten und sechsten Tag finden „Challenges“ statt, bei denen bestimmte Gerichte serviert werden müssen.
In der finalen siebten Runde geht es um das große 7-Gänge-Menü für den Starkritiker, der ganz eigene Vorlieben und Bonuspunkte mitbringt, aber bis dato noch gar nicht bekannt war. Über Gerüchte können seine Vorlieben während der vorhergehenden Runden in Erfahrung gebracht und das abschließende Menü entsprechend geplant werden. Am Ende gewinnt, wer die meisten Sterne für seine Gerichte sammeln konnte.
Spieletester
Fazit
Critter Kitchen besticht vor allem durch sein wunderschönes Design und die gelungene Mischung aus zugänglichem Gameplay und taktischer Tiefe durch die gleichzeitige Aktionswahl. Das Spiel schafft es, das klassische „Arbeiter-Einsetzen“ (Worker Placement) durch einen cleveren Kniff so zu verändern, dass es sich frisch, interaktiv und herrlich unvorhersehbar anfühlt.
Das Spielgefühl ist geprägt von einer ständigen, aber spielerischen Spannung. Durch die gleichzeitige Planung gibt es kaum Downtime, was den Spielfluss enorm beschleunigt. Der wahre Reiz liegt im "Mind Game", also die psychologische Ebene zwischen den Köchen, die versuchen, durch gezielte Manipulation und Täuschung die anderen zu Fehlern zu beeinflussen.
Mehr als nur süße Bildchen
Obwohl die Grafik von Sandara Tang eine reine Familienidylle verspricht, ist Critter Kitchen ein waschechtes Kenner-Leichtgewicht. Durch die modularen Orte und die verschiedenen Kritiker fühlt es sich jedes Mal anders an. Es ist elegant, es ist witzig und es macht verdammt hungrig.
Die Verwaltung der Zutaten-Limits (man darf nicht alles in den nächsten Tag mitnehmen) und das Entschlüsseln von Gerüchten über den Kritiker erfordern vorausschauende Planung. Wir haben hier eine wunderbare Mischung aus taktischer Tiefe und emotionalen „Ach verdammt!“-Momenten, wenn einem die Zutat vor der Nase weggeschnappt wird. Sehr empfehlenswert!
Plus
- wunderschönes Material
- geringe Downtime
- hoher Wiederspielwert
- eingängige Regeln und Ablauf
- mit Solo-Variante und optionalen Küchenchefs
Minus
- nicht zu unterschätzender Glücksfaktor
- großer Platzbedarf
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Details
1 Uferpromenade-Spielplan
8 Ortstafeln
1 Stoffbeutel
1 Rundenzähler
119 Zutaten/ Gewürze/ Gerüchte
2 Wundergewürze für Runde 7
40 Suppen
7 Gourmetsuppen
72 Sterne
1 Sperr-Marker
7 Challenge-Karten
28 Gerüchte-Karten
12 Kritiker-Karten
45 Ortskarten
12 Spitzenkoch-Karten
12 Spitzenkoch-Plättchen
10 Küchenchef-Karten
1 Oberkellner-Karte
5 Restaurant-Sichtschirme
5 Küchentableaus
15 Kochfiguren aus Holz
5 Kochmützen
20 Teller
1 Solo-Küchentableau
56 Solokarten
1 Anleitung
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