Ich hoffe ihr seid hieb- und besonders stichfest, denn in diesem Kartenspiel ziehen die Hobbits, Zauberer und Elben nicht mit Schwertern, sondern mit Karten in die Schlacht. Jede Runde fühlt sich an wie ein kleiner Marsch gen Mordor, nur ohne böse Blasen an den Füßen. Und wer die besten Stiche macht, der zeigt Sauron, dass man mit einem guten Blatt manchmal weiterkommen kann als mit einem Ring.
Ein Ring sie alle zu stechen
Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Das Stichspiel ist im Kern ein klassisches Stichspiel, das mit thematischen Szenarien rund um Tolkiens Welt angereichert wurde. Jeder Spieler erhält eine Hand aus Spielkarten, die in vier Farben und unterschiedlichen Zahlenwerten von eins bis acht unterteilt sind. Eine Ausnahme machen hier die fünf Ringkarten von eins bis fünf, die eine Sonderrolle einnehmen, jedoch, anders als in vielen anderen Stichspielen, keine Trumpffarbe darstellen (mit Ausnahme der Eins).
Gespielt wird reihum: Ein Spieler eröffnet den Stich, die anderen müssen, sofern möglich, die gleiche Farbe bedienen. Wer die höchste Karte dieser Farbe ausgespielt hat, der gewinnt den Stich und sammelt die ausgespielten Karten so ein. Kann ein Spieler die geforderte Farbe nicht bedienen, darf er eine beliebige andere Karte abwerfen, diese kann den Stich aber in der Regel nicht mehr gewinnen.
Das Besondere an diesem Stichspiel ist jedoch die Unterteilung in 18 Kapitel, die nacheinander durchgespielt werden können und jeweils andere Vorgaben und Ziele aufweisen. In manchen dieser Kapiteln muss etwa eine festgelegte Anzahl an Stichen erfüllt werden, in anderen treten Sonderregeln in Kraft, die das Grundprinzip noch stärker variieren und vieles andere. Damit wird jede Runde zu einem kleinen Abenteuer für sich, das die Reise der Gefährten nacherzählt und spielerisch Abwechslung bietet.
Die Charakterkarten sind hierbei nicht nur hübsch illustriert, sondern geben unterschiedliche Ziele und Effekte vor. Dadurch gewinnt das Spiel an thematischer Tiefe und bietet kleine taktische Kniffe, die über das bloße Ausspielen der höchsten Karte hinausgehen.
Gespielt wird am besten in einer Vierergruppe, da dort die Balance von Vorhersage, Planung und Überraschung am besten funktioniert. Für kleinere Runden gibt es einen speziellen Duo-Modus sowie einen Solo-Modus, die eigene Regeln mit sich bringen. Diese weichen allerdings stärker vom klassischen Stichspiel-Prinzip ab und fühlen sich eher wie eigenständige Spiel-Varianten an.
Insgesamt bleibt das Spiel dabei leicht zugänglich: Wer schon einmal ein Stichspiel wie „Wizard“ oder „Die Crew“ kennengelernt hat, findet sich hier sofort zurecht. Der eigentliche Reiz entsteht durch die wechselnden Kapitelziele und die thematische Einbettung, die das Stichspiel in eine kleine Reise durch Mittelerde verwandeln.
Spieletester
Fazit
Der Herr der Stiche
Das Stichspiel zur berühmten Saga punktet in erster Linie mit seiner stimmungsvollen Kartengestaltung, die Fans von Tolkiens Welt sofort abholt. Besonders reizvoll ist auch, dass das Werk gleich 18 vorgefertigte Kapitel umfasst, welche sich allesamt etwas in der Zielsetzung unterscheiden. Dadurch ermöglicht es praktisch unzählige Möglichkeiten für eigene Anpassungen und Variation. Auch die Option, das Abenteuer nicht nur in der Gruppe, sondern auch im Duo- oder Solo-Modus zu bestreiten, verleiht dem Spiel zusätzliche Flexibilität. Dabei gilt allerdings zu beachten, dass die Duo- und Solo-Varianten deutlich anders funktionieren als das Grundspiel – was einerseits abermals Abwechslung bietet, andererseits aber nicht jedem gefallen könnte.
Auf der dunklen Seite bleibt das Spiel aber durchwegs eher einfach gestrickt, was speziell bei weniger als vier Spielern zu Einbußen an spielerischer Tiefe und Herausforderung führt. Im Vergleich mit anderen Stichspielen wie beispielhaft „Die Crew“ empfanden wir Die Gefährten einfach zu wenig anspruchsvoll… Vielleicht sind wir jedoch einfach schon das Wehen eines etwas raueren Windes gewöhnt. Zudem treten einige Charaktere in den Vordergrund, die in Buch und Film eher Randfiguren darstellen – was zwar allgemein nett ist, aber die Atmosphäre für weniger eingefleischte Fans ein wenig trüben kann.
Insgesamt ist Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Das Stichspiel ein leicht zugängliches und optisch ansprechendes Stichspiel, das vor allem in voller Besetzung oder mit kreativen Varianten Spaß macht, für erfahrene Vielspieler aber doch etwas zu seicht ausfallen dürfte.
Plus
- schöne Kartengestaltung
- mehrere (18) Kapitel und praktisch zahlreiche eigene Gestaltungsoptionen
- Duo- und Solo-Modus beinhaltet
Minus
- etwas zu einfach - speziell mit weniger als vier Spielern nur wenig Herausforderung
- viele der Charaktere im Spiel spielen in Film und Buch nur eine bedingt relevante Rolle
Kommentar verfassen
Details
1 Regelheft (24-seitig)
1 Ringmarker
4 Sternmarker
2 Übersichtskarten (für 2 Spieler; doppelseitig)
4 Übersichtskarten (für 3-4 Spieler; doppelseitig)
1 "Kapitel 1"-Karte
4 (Start-)Charakterkarten
37 Spielstapel-Karten
"Kapitel 2-18"-Karten (insgesamt 96 Karten für 18 verschiedene Szenarios)
Statistik
Derzeit findest Du auf spieletest.at
7650 Gesellschaftsspiele-,
1670 Videospielrezensionen
2261 Berichte.