Nova Roma

Byzanz soll zur neuen Residenzstadt Nova Roma, dem späteren Konstantinopel umgebaut werden, und die Spieler bauen unter der Aufsicht von Kaiser Konstantin daran mit.

Das Schöne an vielen Spielen ist, dass sie die Spieler thematisch in die unterschiedlichsten geschichtlichen Epochen der Menschheitsgeschichte versetzen können und ihnen damit die Gelegenheit geben, sich bei Interesse mit dem zugrunde liegenden Thema näher zu beschäftigen.

Zu Gast bei den Römern

Als geschichtlicher Hintergrund des vorliegenden Spiels dient der großzügige Umbau der altgriechische Stadt Byzanz durch den römischen Kaiser Konstantin. Nach Fertigstellung sollte ihm Nova Roma als Residenz an der bedrohten Ost-Grenze seines Imperiums dienen. Dass sie später einmal als Constantinopolis die neue Hauptstadt des oströmisch, byzantinischen Reiches werden und einen bedeutenden Einfluss auf die Weltgeschichte haben würde, war zu diesem Zeitpunkt jedoch noch Zukunftsmusik.

Die Spieler sind reiche römische Adlige, die den Kaiser mit ihren Häusern bei den umfangreichen Umbaumaßnahmen unterstützen wollen, um sich so sein dauerhaftes Wohlwollen zu sichern. Neben den eigentlichen Bautätigkeiten müssen während des Spiels aber noch viele andere Dinge gleichzeitig bedacht werden. Rohstoffproduktion, Handel, Anwerbung von wichtigen Helfern, Vergrößerung des eigenen Einflusses oder die Zufriedenheit der Bevölkerung müssen unter einen Hut gebracht werden, um am Ende einer Partie die meisten Siegpunkte einzufahren.

Der Spielablauf

Jede der fünf Runden gliedert sich in eine Kaiserphase, eine Forumsphase und eine Aufräumphase. In der Kaiserphase platziert der jeweilige Startspieler den Kaiser als Helfer auf einem der zufällig vorgegeben Rasterplätze des Forums, in der Aufräumphase wird das Spielbrett zurückgesetzt und durch eine aktualisierte Auslage für die nächste Spielrunde vorbereitet. Zwischenstände werden ausgewertet und der Startspieler wechselt.

Der Dreh- und Angelpunkt von Nova Roma ist jedoch die Forumsphase. In dieser setzen die Spieler in jeder der insgesamt fünf Spielrunden jeweils drei eigene Patrizier auf dem Forums-Raster ein, um danach die beiden Schnittpunkt-Aktionen ausführen zu können. Die acht im Spiel zur Verfügung stehenden Aktionen werden deshalb vor einer Partie zufällig den Spalten und Reihen des Forums zugeordnet und schaffen so in jedem Spiel eine völlig neue Ausgangslage. Allerdings kommt man sich auf dem Forum platztechnisch schnell ins Gehege und natürlich gilt auch hier: wenn besetzt, dann besetzt. Eine clevere Mechanik regelt zudem die Stärke mit der die einzelnen Aktionen durchgeführt werden können. Steht der eigene Patrizier allein auf weiter Flur, kann die Aktion nur in der normalen Stärke ausgeführt werden. Wird er hingegen vom Kaiser und oder anderen eigenen Patrizier-Figuren in derselben Spalte oder Reihe unterstützt, kann sich die Stärke der Aktion auf bis zu drei erhöhen. Das bringt die Spieler schnell in ein Dilemma. Lieber eine bestimmte Aktion nochmals mit erhöhter Stärke wiederholen oder aber möglichst viele verschiedene Aktionen ausführen?

Die acht Aktionen selbst sind an verschiedenen Positionen auf dem Spielbrett zu finden, teilweise ist etwas Suchen angesagt. Am präsentesten, weil mit eigenen kleinen Plänen ausgestattet, sind dabei die Schifffahrt, der Baubereich und das Hippodrom. Zusätzlich ist es möglich zu handeln, den eigenen Einfluss zu erhöhen und das eigene Produktionstableau zu verbessern, Gefolgschaften zu rekrutieren, Handwerker produzieren zu lassen oder aber einfach eine der vorgenannten Aktionen zu kopieren. Da in den meisten Fällen für die Aktionen Rohstoffe, Geld, Einfluss oder Handwerker ausgegeben werden müssen, herrscht gefühlt permanent ein Mangel an allem. Deshalb sollte man die Reihenfolge und Stärke seiner Aktionen gut planen. Da aber jeder Spieler in einer Spielrunde lediglich drei Aktions-Kombinationen ausführen kann, ist das gar nicht so einfach. Dazu kommt die Unwägbarkeit, ob die präferierte Kombination überhaupt noch möglich ist oder schon von Mitspielern besetzt wurde.

Siegpunktesalat

Bei Nova Roma gibt es sagenhafte 11 Möglichkeiten, um an Siegpunkte zu gelangen. Eine davon sind die erreichten Errungenschaften. Zu diesem Zweck puzzelt sich jeder Spieler vor dem Spiel ein Mosaiktableau aus zufällig gezogenen Plättchen zusammen. Dort sind dann neun mögliche Errungenschaften abgebildet, von denen allerdings maximal sieben in Anspruch genommen werden können. Wird eine davon während des Spiels erreicht, kann sie durch einen Errungenschafts-Marker gekennzeichnet werden. Am Spielende wird allerdings nicht nur dieses Mosaiktableau ausgewertet, sondern auch Bauverträge, Seerouten, Bauzonen, Fortschritte im Hippodrom, Gefolgschaftskarten… Fast alles in diesem Spiel generiert Siegpunkte und natürlich gewinnt der Spieler, der die meisten ansammeln konnte.

Eine spezielle Erwähnung ist mir noch der Zweispieler-Modus wert. Hier gibt es ein paar kleine Sonderregeln. Die Wichtigste: Die Spieler platzieren nach dem Einsetzen ihrer Patrizier im Forum zusätzlich noch Legionäre. Dadurch dass diese wichtige Rasterfelder blockieren, wird eine Zwei-Spieler-Partie deutlich taktischer und teilweise sogar spannender als ein Spiel in Vollbesetzung.

Spieletester

08.12.2025

Fazit

Nova Roma ist ein sehr gut ausgestattetes, eng verzahntes und komplexes Kennerspiel, welches geschickt Worker-Placement und Ressourcenmanagement-Elemente miteinander kombiniert. Durch das zufällige Auslegen der Aktionsplättchen und der anderen Spielelemente kommt ein hoher Wiederspielreiz zustande. Es gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, um Siegpunkte zu sammeln. Dadurch kann jede Partie mit einer anderen Strategie angegangen werden. Der Spannungsbogen bleibt bis zum Schluss erhalten, da erst dann alle Siegpunkte ausgezählt werden. Im Spiel muss eine Vielzahl von Punkten gleichzeitig beachtet werden, um einen möglichst optimalen Zug auszuführen. Das ist durchaus fordernd und spannend, mündet manchmal sogar in einen kleinen Wettlauf um den perfekten Standort der eigenen Figuren auf dem Forums-Raster. Die grundlegenden Regeln und Abläufe von Nova Roma sind schnell erklärt, allerdings ist die Symbolsprache der einzelnen Aktionen nicht durchgehend eingängig, so dass gerade in den ersten Partien oft nachgeschlagen werden muss. Hier wäre eine Aktionsübersicht für jeden einzelnen Spieler hilfreich gewesen. Idealerweise spielt sich Nova Roma am Besten zu dritt und durch den sehr guten Zwei-Spieler Modus auch zu zweit. Zu viert dauert es aufgrund des hohen Grübelpotentials für mein Dafürhalten zu lange.

Also alles perfekt? Leider nein, denn Nova Roma schwächelt im Bezug auf die B-Note deutlich. Das beginnt beim Spielplan mit seinen gedeckten, erdigen Farben, durch den man sich eher auf eine triste Baustelle irgendwo in der Prärie versetzt fühlt, als nach Byzanz. Zudem ist die Anordnung vieler Aktionen auf ihm nicht unbedingt intuitiv, so dass die Spieler gerade bei den ersten Partien ständig suchen müssen, um die Aktionssymbole mit den Aktionsabläufen verbinden zu können. Die Siegpunktleiste wird während des gesamten Spieles nicht benötigt und um am Spielende die vielen Siegpunkte zusammenzuzählen wäre eher der fehlende Wertungsblock hilfreich gewesen als diese Siegpunktleiste. Außerdem ist das Spiel trotz der geschichtlichen Steilvorlage kein bisschen thematisch geschweige den atmosphärisch.

Bitte nicht falsch verstehen, Nova Roma ist aufgrund seiner Mechaniken ein sehr gutes Spiel dem ich normalerweise eine starke 8 geben würde. Durch seine sehr schwache Präsentation jedoch kann ich ihm maximal eine 7 geben. Gerade in diesem Spiel-Genre gibt es mittlerweile zu viele Spiele, die ein deutlich runderes Gesamtpaket abliefern. Spieler die jedoch einen nicht so großen Wert auf Äußerlichkeiten legen, sollten sich in jedem Fall durch eine Probepartie von den spielerischen Werten überzeugen.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • sehr hoher Wiederspielreiz
  • sehr gut ausgestattet
  • stark verzahnt
  • spannender 2 Spieler-Modus

Minus

  • Spielplan unübersichtlich, dadurch wird das Spiel unnötig kompliziert
  • nicht wirklich thematisch oder gar atmosphärisch
  • Siegpunktleiste wird nicht benötigt, Wertungsblock fehlt

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 1 bis 4
Alter: ab 14 Jahren
Spieldauer: 60 bis 120 Minuten
Preis: 60,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2024
Zubehör:

Spielplan

3x Spielregel (deutsch, englisch, französisch)

12x Spielübersichtskarten (deutsch, englisch, französisch)

4x Spielertableaus (je 1 in Spielerfarben)

4x Mosaiktableaus

12x Patrizier (Holz, je 3 in Spielerfarben)

4x Wertungsplättchen (Holz, je 1 in Spielerfarben)

12x Hippodrommaker (Holz, je 3 in Spielerfarben)

8x Schiffe (Holz, je 2 in Spielerfarben)

28x Errungenschaftsmarker (je 7 in Spielerfarben)

4x Einflussmarker (je 1 in Spielerfarben)

80x Bausteine (Holz, je 20 in Spielerfarben)

20x Warenmarker (Holz, je 4x Weizen, Stein, Holz, Wein, Pferd)

15x Mosaiktafeln

40x Gefolgschaftskarten

30x Schifffahrtsverträge

38x Bauverträge

30x Anwesenplättchen

8x Kaiserplättchen

8x Forumsplättchen

9x Streitwagenplättchen

12x Gebäudebelohnungsplättchen

55x Münzplättchen (30x 1, 15x 3)

Startspielermarker

Kaiser (Holz)

16x Handwerker (Holz)

6x Legionäre (Holz)

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