Eight Epics

Das Schächtelchen aus Japan ist klein, die Probleme da drin dafür umso größer. Bei Eight Epics ist nicht nur die Welt vom Untergang bedroht, sondern gleich das ganze Universum. Und, wie das halt so ist, natürlich will wieder niemand dafür verantwortlich sein, weshalb das Problem an einigen wenigen Superheld/innen hängen bleibt. Die sollen dafür Sorge tragen, dass das ganze Chaos nochmal abgewendet wird – koste es, was es wolle!
Wir waren Helden

Natürlich verkörpern wir diese Held/innen. Und „koste es, was es wolle" ist durchaus ernst gemeint, denn nur die wenigsten unserer Charaktere werden den Kampf überleben. Doch was ist schon ein einzelnes Leben gegen das von Milliarden anderen? Aber von vorne.

Als eine zerstörerische Kette von Katastrophen das Universum in ernste Bedrängnis bringt, springen acht mächtige Held/innen in die Bresche, um den Kampf gegen den Untergang aufzunehmen. Jede/r Spieler/in kontrolliert einen dieser Held/innen. Schaffen wir es gerade nicht, acht Spielwütige an einen Tisch zu bringen, werden die übrigen Held/innen eben von allen gemeinsam gesteuert – wichtig ist, dass immer alle acht dabei sind. Sonst sieht's auch ziemlich duster aus (und der Name würde auch nicht mehr passen – wär' ja doof). Jeder Charakter kann auf eine bestimmte einzigartige Fähigkeit zurückgreifen. Die allermeisten davon modifizieren Würfel.
Die vorher erwähnten Katastrophen heißen hier Desaster und werden von Karten symbolisiert. Jede Spielrunde steht für die Herausforderung, als Gruppe ein Desaster zu überkommen (außer die letzte Runde, in der uns gleich zwei aufgehalst werden). Der genaue Spielablauf lautet wie folgt.

Wir decken die oberste Karte des Desasterstapels auf. Das ist das Problem, mit dem wir uns diese Runde beschäftigen müssen. Jede Desasterkarte gibt an, wie viele Würfel wir brauchen und was wir mit diesen Würfeln anstellen müssen. Möglich ist zum Beispiel, dass wir sechs Würfel verwenden, von denen drei eine 1 und drei eine 6 zeigen müssen, damit wir das Desaster überstehen. Oder die addierten Augen von zehn Würfeln dürfen nicht über 12 gehen. You get the idea. Jetzt würfelt der/die Startspieler/in mit der angegeben Würfelanzahl. Die Wahrscheinlichkeit, dass dabei etwas ordentlich Verwertbares rauskommt, ist ziemlich gering – und jetzt kommen die Fähigkeiten der Held/innen ins Spiel. Um die Würfel langsam aber sicher so hinzulegen, wie wir sie brauchen, setzen wir bestimmte Heldenfähigkeiten ein. Zum Beispiel kann ein Charakter zwei Würfel auf ihre Rückseite drehen, ein anderer einen beliebigen Würfel zu einer 6 machen usw. Der Haken: Jedes Mal, wenn wir eine Fähigkeit einsetzen, verliert der entsprechende Charakter einen Lebenspunkt. Außerdem kommt ein/e Held/in pro Runde nur einmal zum Zug – da darf man dann die Fähigkeit zwar beliebig oft einsetzen, aber wenn er/sie einmal aufgehört hat, ist für diese Runde Sense. Jede/r Spieler/in darf entweder seinen eigenen Charakter oder einen der gemeinsam kontrollierten auswählen, wenn er/sie am Zug ist, aber niemals einen, der von jemand anderem kontrolliert wird.

So geht es munter weiter, bis wir irgendwann das Desaster abgewendet haben. Aber ein Unglück kommt selten allein, also läuten wir mit der nächsten Desasterkarte sogleich die zweite Runde ein. Und danach die dritte, vierte und schließlich die apokalyptische fünfte. Die läuft grundsätzlich gleich ab, allerdings haben wir es hier mit gleich zwei Desastern zu tun. Und unsere Held/innen sind auch schon alle ordentlich mitgenommen. Spätestens hier offenbart sich die Kniffligkeit des Spiels: Auch wer bis dahin alles richtig macht und einiges an Coop-Erfahrung mitbringt, kann sich hier wirklich die Zähne ausbeißen. Je nach Kombination der beiden Desaster geht das Schwierigkeitsniveau der letzten Runde gegen unlösbar. Das ist der einzige wirkliche Minuspunkt hier. Wer die fünfte Runde besteht, hat dafür gewonnen. Universum gerettet, und das mit ein paar Würfeln und Karten!

Sterben auf Japanisch

Dass das Spiel aus Japan kommt, erkennt man sofort an den Illustrationen. Das Charakterdesign könnte eins zu eins einem high fantasy Anime entspringen, also einem japanischen Zeichentrick. Die Desaster wiederum präsentieren sich wie Seiten aus einem uralten asiatischen Buch – vor allem letztere sind durchaus gelungen!
Haptisch lässt Eight Epics im Gegenzug ein wenig zu wünschen übrig. Die Karten sind etwas dünn, die Schachtel ein bisschen ZU klein geraten (so fein es auch ist, keinen Kleinlaster für den Spieletransport zu brauchen). Das sind allerdings keine riesigen Probleme, insgesamt überzeugt das Spielmaterial auf jeden Fall mehr, als es uns enttäuscht.

Spieletester

08.03.2016

Fazit

So unauffällig es aussieht, so faustdick hat es das Spiel hinter den nicht vorhandenen Ohren. Die Kanai Factory hat hier eine ganz schön schwere Coop-Nuss auf den Markt gebracht, die zwar absolut schnell gelernt und gespielt, aber nur schwer zu überleben ist. Natürlich spielt auch das Glück ein bisschen mit, das sorgt bei einem Spiel dieser Länge aber nicht für Frust. Selbst wenn dadurch mal ein gut geplanter Zug komplett in die Hose geht – was zwar selten ist, aber durchaus vorkommt – ist das kein großes Problem. In ein paar Minuten ist es ja ohnehin gelaufen. Taktiker und Coop-Fans sollten unbedingt einen Blick auf diesen unscheinbaren japanischen Titel werfen – der Mann hinter Love Letter kann es halt einfach!
Redaktionelle Wertung:

Plus

Minus

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 1 bis 8
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 20 bis 30 Minuten
Erscheinungsjahr: 2015
Verlag: Kanai Factory
Autor: Seiji Kanai
Grafiker: Noboru Sugiura
Genre: Glück
Zubehör:

1 Regel
8 Heldenkarten
8 Lebenspunktemarker
8 Desasterkarten
1 Desastermarker
10 Würfel

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