Swords and Bagpipes

Spätestens seit dem Film Braveheart sind die dramatischen Geschehnisse in und um Schottland, sowie die damit verbundenen Namen wie Wiliam Wallace, Robert the Bruce oder König Edward I. auch jenen Menschen bekannt, die mit Geschichte nicht sonderlich viel am Hut haben. Der englische König Eduard I., auch der "Hammer der Schotten" genannt, wollte das damalige Machtvakuum in Schottland nutzen, um dieses Königreich, ähnlich wie er es kurz zuvor mit Wales gemacht hatte, zu annektieren und England einzuverleiben. Allerdings ging dieser Plan wegen des schottischen Aufstandes, der von William Wallace angeführt wurde, nicht wie geplant auf.

Swords und Bagpipes (auf Deutsch: Schwerter und Dudelsäcke) versucht die damalige Situation auf eine ganz eigene Weise in ein Spiel zu transformieren. Dabei ist der Kern des Spiels nicht wie man erwarten würde, ein Aufbau-, Strategie- oder Worker-Placement-Spiel sondern ein Bluff-Spiel. Damit sollen die zu dieser Zeit sehr wankelmütigen und immer wieder auch auf ihren eigenen Vorteil bedachten schottischen Adligen dargestellt werden.

Das Spiel läuft über sieben (oder in einer anspruchsvolleren Variante auch über neun) Runden. In jeder dieser Runden sendet König Edward der I. seine Truppen nach Schottland und versucht zudem mit Geldgeschenken die schottischen adligen Clanführer zu korrumpieren und somit auf seine Seite zu ziehen. Jeder der bis zu sechs Spieler übernimmt einen dieser Clanführer, der jeweils über eine Burg und ein Lager verfügt. In der Burg wird Gold gelagert und Truppen stationiert, im Lager befinden sich hingegen die Einheiten, die in der aktuellen Runde in die Schlacht eingreifen sollen.

Beginnend mit dem Startspieler können die Spieler nun auf die durch eine Karte dargestellten englischen Invasoren reagieren. Dazu stehen ihnen mehrere mögliche Aktionen zur Verfügung, die sie in beliebiger Reihenfolge ausführen können. Allerdings muss in jedem Fall eine Nachschubaktion stattfinden. Die anderen Aktionen sind optional. Nachschubaktionen sind: Steuern eintreiben und damit ein Gold erhalten, das Aufstellen einer Miliz im allgemeinen schottischen Lager sowie in den Lagern aller Clanführer, das Anheuern von vier Söldnern in der eigenen Burg gegen die Gebühr von einem Goldstück und das Ausheben von Truppen, um in der eigenen Burg zwei Einheiten aufzustellen. Die anderen Aktionen die wahlweise ausgeführt werden können, sind die Bewegung der Truppen von der eigenen Burg ins eigene Lager und das Ausspielen von Dudelsackkarten (schottischen Ereigniskarten). 

Haben alle Spieler ihre entsprechenden Aktionen ausgeführt, wählen sie geheim aus, ob ihre Truppen, die sich nun im eigenen Lager befinden, auf schottischer oder englischer Seite kämpfen sollen. Hierbei gibt es aber keine Kampfphase, sondern es werden lediglich die Mehrheiten ausgezählt. Zugleich haben auch die unterschiedlichen Truppentypen keine individuellen Kampfeigenschaften. Verliert die schottische Seite, wird der Niederlagen-Marker um ein Feld weiter ins Innere Schottlands gezogen. Nach insgesamt vier Niederlagen hat Schottland das Ringen um seine Eigenständigkeit verloren und muss vor König Edward I. das Haupt beugen.

Nach den Kämpfen folgt die Belohnungsphase. Hier erhalten alle Spieler eine in der Größe von Sieg oder Niederlage abhängige Belohnung. Die Unterstützer Englands erhalten z.B. auch bei einer Niederlage die volle Summe, müssen dafür aber in jedem Fall als Strafe für ihren Verrat an Schottland eine sogenannte Dolchkarte ziehen.
Sollte England am Ende des Spiels siegreich aus den Kämpfen hervor gehen, gewinnt der ehrlichste Spieler, also derjenige mit den wenigsten Dolchkarten. Hier zeigt es sich wieder einmal: Der Verrat wird geliebt, aber nicht der Verräter!
Sollte Schottland hingegen weniger als vier Niederlagen in den Kämpfen kassiert haben und ergo bei Swords und Bagpipes siegreich sein, gewinnt der Spieler der das meiste Geld horten konnte.

Spieletester

14.10.2016

Fazit

Swords und Bagpipes ist ein klassisches Bluffspiel mit einem einfachen Spielprinzip, schnell erlernbaren Spielregeln und recht hohem Wiederspielwert. Die Schwierigkeit liegt wie immer im Detail, denn es ist schwierig im Strom mitzuschwimmen, aber für sich selbst gleichzeitig das Vorteilhafteste zu tun. Dabei geht es verständlicherweise nicht immer lieb und nett zu und allen Spielern muss klar sein, dass man bei diesem Spiel keine Freunde kennen darf. Aufgrund der überschaubaren Spieldauer bleibt meist die Zeit für die eine oder andere Revanche-Partie. Das Basisspiel ist mit vier bis sechs Spielern spielbar. Für die Partien mit zwei, drei oder sechs Spielern gibt es jeweils leicht abgewandelte Spielregeln. Zudem liegen dem Spiel noch weitere Spielvarianten bei, die Swords und Bagpipes ganz nach Wunsch taktischer oder glückslastiger machen.

Das schöne und dem Spielprinzip gut angepasste Material funktioniert bestens. Lediglich die Illustrationen sind sehr speziell und damit wahrscheinlich nicht unbedingt mit dem - von Illustrationen von z.B. Michael Menzel geprägten - Geschmack der großen Mehrheit der Spieler kompatibel.

Swords und Bagpipes bringt mit seinen Spielmechaniken das Bluffspiel auf den Punkt und schafft es problemlos eine Atmosphäre aufzubauen, die das Dilemma der damaligen Zeit widerspiegelt. Soll man sich patriotisch geben und gegen die übermächtig erscheinenden Engländer ziehen oder nimmt man deren Geld und riskiert aber von den eigenen Mitstreiter verachtet zu werden? Ein tolles Spiel, bei welchem man allerdings das Genre mögen muss und sich selbst und seine Mitspieler nicht zu ernst nehmen darf.

Redaktionelle Wertung:

Plus

- einfaches und eingängiges Spielprinzip
- kurze Spieldauer

Minus

- Spielprinzip gefällt nicht jedem

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 6
Alter: ab 11 Jahren
Spieldauer: 20 bis 45 Minuten
Preis: 30,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2014
Verlag: Right Games
Autor: Yan Yegorov
Grafiker: Yan Yegorov
Genre: Bluff
Zubehör:

Spielplan

Spielregeln (englisch)

sechs Burg-Tableaus (in den Spielerfarben)

sechs Lager-Tableaus (in den Spielerfarben)

63 Einheiten-Marker (1,2,4)

75 Geld-Marker (1,5,10)

5 König Edward-Karten

14 Englische Armee-Karten

40 Dudelsack-Karten

16 Dolch-Karten

9 Dorf-Karten

Niederlage-Marker Schottland

Startspieler-Marker (Ehrenzeichen)

Bleibt zu Hause-Marker

Wahl-Marker (sechs Paare in den Spielerfarben)

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