Die Treppe zum Himmel

„Vor langer Zeit hat die Himmelskönigin, die Weiße Tigerin, zwei Himmelsschwerter geschaffen, die sogar den Göttern selbst gefährlich werden können. Jetzt ist das legendäre Klingenpaar wieder aufgetaucht. Die einzige Möglichkeit, es dauerhaft dem Zugriff der Schwarzen Adepten zu entziehen und das Überleben der Götter zu sichern, ist es, die Waffen zurück in den Himmel zu bringen. Doch bevor die Gefährten es wagen können, der Himmelskönigin von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu treten, müssen sie erst das Rätsel der Purpurnen Treppe lösen, über die Sterbliche in den kanthanischen Himmel gelangen können.
Zuerst müssen die Abenteurer das Geheimnis um das Unrecht in der Gegenwart und das Unrecht in der Vergangenheit lüften und einen Mord sowie eine böse Intrige aufdecken, deren Opfer der Erste Kaiser und seine Anverwandten waren. Dabei geraten die Abenteurer einem unsterblichen und Jahrtausende alten Magier in die Quere, der sich die Himmelsschwerter aneignen und mit ihnen selbst zum Gott werden will. Um seine Pläne zu durchkreuzen, müssen sie nach FengDu, der Höllenstadt, reisen und sich dort mit Dämonen und den auf ihre Wiedergeburt wartenden Seelen auseinandersetzen, um die verlorene Kinderseele des rechtmäßigen Nachfolgers des Ersten Kaisers zu finden. In FengDu finden sie auch heraus, um was es sich bei der Purpurtreppe handelt. Jetzt gilt es nur noch, mit den Himmelsschwertern den Aufstieg in den Garten der Himmelskönigin zu bewältigen, sich im Gespräch mit dieser launischen und mächtigen Dame zu beweisen und sie vor ihrem verräterischen Liebhaber zu retten.
Dieses Heft enthält ein episches Abenteuer, in dem hochgradige Spielerfiguren sich mit den himmlischen und höllischen Mächten KanThaiPans messen müssen und das ihre kämpferischen und rollenspielerischen Fähigkeiten fordert.“
(Klappentext)

Die Treppe zum Himmel ist ein Abenteuerband für das deutsche Midgard Rollenspiel. Es ist eine Broschur mit 63 Seiten. Der Inhalt ist in Schwarz und Weiß. Die Umgebungspläne sind übersichtlich und genau. Die Zeichnungen sind dem Abenteuer angepasst und stimmig.

Titelgebend ist das Lied „Stairway to Heaven“ von Led Zeppelin (fälschlicherweise in der Danksagung AC/DC zugeordnet). Die Grundidee wurde aus „Die Räuber vom Liang Schan Moor“, sowie Barry Hughart’s Werken (Meister Li Trilogie) und den üblichen Wuxia-Klassikern wie „Chinese Ghost Story“ entlehnt.

Das Abenteuer ist der zweite Teil der ‚Reine Schwertsache‘-Kampagne für Charaktere der Grade 6-10, kann aber auch meines Erachtens ohne Probleme auf niedrige Stufen skaliert werden. Der Spielleiter sollte den Quellenband ‘Unter dem Schirm des Jadekaisers‘ zur Hand haben. Die Nichtspielercharaktere und deren Fertigkeiten beziehen sich darauf. Der Klappentext fasst den Inhalt des Hintergrunds gut zusammen und so darf ein Spieler sich dann darin üben, Charakter- und Spieler-Wissen zu trennen.

Das Abenteuer teilt sich grob in 3 Teile auf. Es beginnt mit kriminalistischen Forschungen, gefolgt von einem Besuch in der Hölle und dem Ende im (Götter-) Himmel. Im Gegensatz zum vorhergehenden Abenteuer haben die Spieler mehr Freiheiten. Aber auch hier gilt: wer an manchen Stellen nicht genau dem Drehbuch folgt, für den ist das Abenteuer vorbei. Überhaupt wird davon ausgegangen, dass die Charaktere herzensgut sind und gute Miene zum bösen Spiel machen. Das mag gerade bei hochgradigen Figuren (und erfahrenen Spielern) zu unfreiwilliger Belustigung führen oder zu rechtmäßigem Zorn, wenn das Abenteuer abrupt endet, gerade weil charaktergerecht gespielt wurde. Interessant wird es auch wenn klerikale Nichteinheimische sich fragen, was sie da gerade machen und vor allem warum. Vermutlich sind das die im Klappentext angeführten rollenspielerischen Herausforderungen. Ähnlich wie beim ersten Teil erscheint mir die Geschichtenführung eher cineastisch als logisch. Da werden die Abenteurer ab ihrem ersten Schritt in diesem Land vom Himmel überwacht, dennoch lassen sich die Götter bzw. Gottähnlichen am Schluss überraschen.

Der erste Teil ist ortsgebunden und erfordert den Besuch mehrerer Gewölbe. Dabei ist ein Ort leicht zu übersehen, da es nur vage Hinweise gibt diesen zu besuchen. Das eigentliche Rätsel erfordert ein wenig Kombinationsgabe. Sollten die Spieler aber nicht alle Zusammenhänge finden, hilft eine Deus-Ex-Machina Klarheit in die Situation zu bringen. Wenn man das asiatische Flair weglässt, begegnen die Helden einer schlichten Raum-Monster-Schatz Routine. Ebenjenes Flair wird meinem Ermessen nach durch Gimmicks wie den magischen Anrufbeantworter oder den Zombie-Zoo nicht unterstützt. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich unterschiedlich.

In der Hölle, dem zweiten Teil, gilt es mehrere Schauplätze und Personen zu finden. Das ist relativ frei gehalten und lebt von der ‘feindlichen‘ Umgebung. Die ‘Hölle‘ aus der asiatischen Sichtweise ist zum Glück noch nicht so abgenutzt und bietet daher erfrischende Szenarien, aber die Möglichkeiten eines solchen Ortes zu rollenspielerischem Tiefgang werden nicht ausgeschöpft. Stattdessen entscheiden Würfelwürfe, ob Zeit für die Sehenswürdigkeiten übrig ist oder die Helden in der Hölle schmoren bis sich eine Deus-Ex-Machina sich ihrer erbarmt.

Der Schluss in den himmlischen Gefilden mit dem Hauptgegner folgt wieder einer strikten Ereignisfolge. Überraschenderweise versagt hier die Deus-Ex-Machina. Wenn das mal nicht ironisch ist.

Spieletester

11.02.2012

Fazit

Wem die Straße zur Hölle gefallen hat, der wird mit Freuden die Treppe zum Himmel spielen. Wer allerdings dort schon seine Bedenken hatte, sollte hier nicht fortsetzen. Das Abenteuer bzw. die Kampagne bedient die Wuxia Klischees und bleibt aufgrund des enggestrickten Lösungswegs leichte Kost.
Redaktionelle Wertung:

Plus

Minus

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 5 bis 7
Alter: ab 16 Jahren
Preis: 14,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2011
Genre: Rollenspiel
Zubehör:

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