The last of the Independents

The last of the Indipendents spielt in der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Es gab in den USA damals einen regelrechten Autoboom. Kein Wunder, dass die Autofirmen wie Pilze aus dem Boden schossen. Vielen war jedoch kein langes Leben vergönnt, meist wurden sie von einem Big Player am Markt übernommen. Wer schafft es unabhängig zu bleiben und den größten Profit zu machen?

Das Spiel ist von einem amerikanischen Verlag und deshalb im Original in Englisch. Die Anleitung gibt es zwar auf Deutsch, aber alle Kartentexte sind in englischer Sprache.

Spielablauf:
Jeder Spieler ist Boss eines Automobilherstellers. Wie es in der Natur der Sache liegt, hat jeder seine etwas andere strategische Ausrichtung. Während der eine die Fotos seiner sportlichen Autos mit fantastischer Inneneinrichtung auf Hochglanzdruck lässt, macht der andere lieber Radiowerbung für seine langlebigen Familienkutschen. Neben dieser langfristigen Strategie ist aber auch noch Geld da, um den aktuellen Trends hinterherzulaufen. Dies tun wir über drei Runden, die in je vier große Phasen unterteilt sind.

Zu Beginn hat jeder Spieler zwanzig Münzen; die Hälfte davon durch die Unternehmensphilosophie zweckgebunden. Diese sollen möglichst vermehrt und in Siegpunkte umgewandelt werden. Das geht so:
Alles startet mit der Phase der Modellauswahl. Sieben verschiedene gibt es hier, jeder Spieler kann frei verfügbares Geld einmalig auf jede Type legen. Wieviel, bleibt ihm überlassen. Die Zugreihenfolge hierfür ist anfangs reihum. Später muss alle Aktionen jener Spieler beginnen, der die meisten Siegpunkte hat. Haben alle Spieler gepasst, kann man noch Geld aus der Unternehmensphilosophie hinzufügen.

Sobald das geschehen ist, kann jeder Spieler Handkarten einsetzen. Durch Handkarten werden Münzen zusätzlich gesetzt, verschoben oder entfernt. Fertig? Dann auf zur Auswertung dieser Kategorie!
Hat nur ein Spieler Münze(n) auf eine Type gesetzt, gewinnt er sie kampflos. Eine Münze bleibt am Feld liegen, restliche gehen am Rundenende an den Spieler zurück.
Haben zwei oder mehr Spieler Münze(n) gesetzt, wirft man alle Münzen in den Beutel. Eine zufällige davon wird gezogen und somit der Gewinner bestimmt. Dessen restliche Münzen bekommt er am Rundenende zurück. Von allen anderen Spielern wird die Hälfte der Münzen in den Vorrat zurückgelegt, den Rest bekommen sie am Rundenende zurück. Bei ungerader Zahl bekommt man die aufgerundete Hälfte am Rundenende zurück (! Das ist in den ersten Ausgaben der Anleitung schlecht erläutert, inzwischen wurde die Formulierung geändert).
Ist in allen Kategorien ein Gewinner gekürt, wird überprüft, ob ein Spieler die alleinige Mehrheit an Kategorien gewonnen hat. Wenn ja, bekommt er einen Siegpunkt.

Das soeben für die Bauformen von Autos besprochene Prozedere wird für die Kategorien Ausstattung und Werbung analog wiederholt; allerdings hat man nur mehr das restliche Geld zur Verfügung, aufgefüllt wird erst am Rundenende!
Hat man am Rundenende noch Karten auf der Hand, kann man sie zur Erfüllung von Trends verwenden. Was trendig ist, geben die Karten selbst vor; das heißt, dass man auf jede der drei Kategorien, die auf der Karte abgedruckt sind, eine zusätzliche Scheibe bekommt - aber nur dann, wenn man die Kategorie gewonnen hat! Schafft man das Kunststück alle drei Kategorien sein Eigen zu nennen, gibt es sogar einen Siegpunkt obendrauf.
Der eine oder andere wird sich fragen: Wozu zusätzliche Scheiben, wenn die Kategorien schon abgerechnet sind? Weil als Schlusspunkt einer Runde das Auto des Jahres gekürt wird. Dafür werden pro Kategorie alle Scheiben in den Beutel geworfen und eine davon gezogen. Je mehr Scheiben man hat, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit gezogen zu werden! Wie schon in den einzelnen Abteilungen gilt auch bei den Kategorien: Wer gezogen wird, ist Gewinner der Auslosung. Nun werden aber alle Scheiben des Gewinners auf das Feld "Auto des Jahres" gelegt, alle Scheiben der Verlierer kommen in wenigen Augenblicken an sie zurück. Aus allen Scheiben am Feld "Auto des Jahres" wird selbiges gewählt. Die Wahl geschieht aber nicht demokratisch, sondern wieder (wie sollte es anders sein) dadurch, dass alle Scheiben in den Beutel wandern und eine blind als Sieger herausgeholt wird. Wer das Auto des Jahres stellt, erhält einen Siegpunkt. Alle an der Wahl beteiligen Münzen gehen an ihre Besitzer zurück.

Nun ist die Runde aus, alle Spieler erhalten ihre Münzen zurück. Hier zeigt sich, wie gut gewirtschaftet wurde. Hat man weniger als zehn Scheiben? Dann ist man bankrott. Man verliert einen Siegpunkt, das Unternehmensprofil ist aus dem Spiel und man erhält ein neues sowie 16 Münzen. Mit 16 Münzen müssen auch all jene auskommen, die zwischen 10 und 15 Münzen haben; der Rest wird durch "staatliche Hilfe" aufgebracht, die kostenlos und ohne Rückzahlungspflicht vergeben wird.
Nach drei Runden hat gewonnen, wer die meisten Siegpunkte sammeln konnte.

Bemerkungen zum Spiel:
Wer sich den Spielablauf durchgelesen hat, wird es schon bemerkt haben: Vieles hängt am Glück bei The last of the Independents. Auf einem Feld oder in einer Kategorie die Mehrheit zu haben ist noch lange keine Garantie, dort auch als Sieger hervorzugehen. Da die Siegpunktvergabe dadurch zum Lotteriespiel wird, ist die Frustgrenze rasch erreicht.

Ebenfalls zum negativen Eindruck trägt das Spielmaterial bei: Die paar kleinen Chips aus dem riesigen Beutel zu angeln, ist mitunter gar nicht so einfach; man muss die Chips wahrlich suchen um sie überhaupt zu finden! Wir haben es bei wenigen Chips vorgezogen, aus den Händen eine Kugel zu formen, die Chips dort zu schütteln und einen zufällig nach unten herausgleiten zu lassen.
Weiterer Kritikpunkt: Die etwas holprige Anleitung, die in keiner Sprache alles erklärt, ja sogar widersprüchliche Anweisungen von sich gibt.
Widersprüchlich sind auch manche Karten. Allerdings nicht in ihren Aussagen, sondern in ihrer Funktion. Würde die Karte als Aktion zum Beispiel zusätzliche Chips bei Motorleistung bringen, wäre auch der Trend Motorleistung darauf zu finden. Wenn ich nicht eine weitere Karte mit Trend Motorleistung habe, hilft mir die Aktion nur bedingt.

Woran das ganze Spiel leidet: Die Startverteilung hat einen gewissen Einfluss auf das Ergebnis. Haben mehrere Spieler nämlich "konkurrierende" Firmenprofile, also übereinstimmende Kategorien, so werden sie regelmäßig in Konflikt miteinander kommen. Wer hingegen als Einziger eine Kategorie fixiert hat, wird dort oftmals unbehelligt agieren können; ein enormer Vorteil, wenn es um die Erlangung von Mehrheiten geht! Leichter hat es auch, wer mehrere Karten mit ganz ähnlichen Trends vom Stapel zieht. Besonders fatal: Kann sich ein Spieler ein Stück absetzen, speziell mit seinem Vermögen, so kann er seinen neuen Reichtum mit vollen Händen beim Fenster hinauswerfen (bzw. auf die Felder des Spielplanes), wodurch er öfter Felder gewinnt, mehr Mehrheiten erlangt und so noch schneller Siegpunkte generiert; ganz abgesehen davon, dass die Gewinner von Auslosungen auch noch alle restlichen Chips vom entsprechenden Feld zurückbekommen, während die Verlierer auch noch mit dem Verlust ihres halben Einsatzes gestraft werden.
Ein Teufelskreis! Hier ist mir noch immer meine erste Partie mit drei Spielern im Gedächtnis, die nach der ersten Runde 4:1:0 stand und am Ende 14:2:0. Wenn man so lange spielt (man muss doch mit bis zu 90 Minuten Spieldauer rechnen) und keinen einzigen Siegpunkt erlangt, ist man rasch frustriert.

Spieletester

01.08.2011

Fazit

Spiele mit einem solch hohen Glücksanteil wie The last of the Independents, sollten mit einer deutlich kürzeren Spieldauer auskommen. Außerdem wird es auf Dauer fad, weil man ständig dasselbe tut; Zug um Zug, Runde um Runde, Spiel um Spiel. Unterschiedliche Strategien? Gibt es eigentlich keine. Einzige Wahlmöglichkeit: Ob ich lieber Siegpunkte über Mehrheiten in den Kategorien hole oder über komplett erfüllte Trends. Dort ist aber ebenfalls glücksabhängig, ob ich "kompatible" Trends ziehe und somit auf Kartenerfüllung spielen kann, oder ein Sammelsurium von unterschiedlichen Zielen bekomme und mein Vermögen so breit streuen müsste, dass es unwahrscheinlich wird, überhaupt Felder zu gewinnen. Je mehr Spieler teilnehmen, desto größer ist das Problem. Durch häufige Gleichstände bei fünf oder sechs Spielern werden insgesamt nur wenige Siegpunkte verteilt; wer wann wo einen bekommt, ist schwer abzuschätzen. Wenn ein in Führung liegender Spieler durch seine Position immer weiter enteilt, spricht es nicht unbedingt für die Balanciertheit des Spiels. Dass der Spieler mit den meisten Siegpunkten jede Aktionsrunde beginnen muss, ist nur ein schwacher Trost. Er verrät den anderen zwar einen Teil seiner Strategie, durch das mehr an Münzen kommt er aber trotzdem ans Ziel; während jemand der knapp bei Kasse ist, durch die Finger schaut. Es gibt Partien die spannend ablaufen, aber meist gibt es bei The last of the Independents im wahrsten Sinne des Wortes einen Zufallssieger, der sich schon vor dem Ende herauskristallisiert.
Redaktionelle Wertung:

Plus

Minus

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 3 bis 6
Alter: ab 12 Jahren
Spieldauer: 90 Minuten
Preis: 35,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2010
Verlag: Numbskull Games
Genre: Wirtschaft
Zubehör:

1 Spielplan, 180 Münzen, 1 Beutel, 30 Siegpunktchips, 10 Unternehmensprofile, 114 Aktionskarten, 6 Spielhilfekarten, 1 Anleitung

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