Petris

Was hat der Praktikant denn wieder angestellt? Die Keime, sie teilen sich ja unentwegt! Irgendwas muss man doch tun können, um ihre fortlaufende Mitose zu stoppen… Moment, was ist das? In diesem kontaminierten Inokulum scheinen sich die unterschiedlichen Spezies gegenseitig die Nährstoffzufuhr streitig zu machen und blockieren damit ihr beider Wachstum! Hmm, mir tut sich da so eine Idee auf…

Gründlich desinfizieren, Handschuhe an; so lasset die Pandemie beginnen!:

In Petris kontrolliert jeder Spieler eine Bakterienspezies mit dem ständigen Drang zur Vermehrung. Einhalt kann dem nur eine andere Gattung an Keimen bieten, sodass eine geschicktes Manövrieren seiner Kultur von Nöten ist um nicht völlig die Kontrolle zu verlieren. Ziel des Spiels ist es am Ende die wenigsten Kontaminationspunkte aufzuweisen. Wie man bereits jetzt erkennt, sind diese Punkte schlecht und man erhält sie alle paar Züge für jede Petrischale, in der die eigene Art die Mehrheit der darin befindlichen Organismen darstellt. Weiters endet das Spiel sogar sofort, wenn ein Spieler die maximale Anzahl an Kontaminationspunkten erreicht - dann ist wohl eine Notevakuierung des Labors erforderlich!

Aber hörte ich da nicht gerade etwas von Petrischalen? Ganz richtig gehört, oder besser gesagt gelesen, denn die Spielfläche besteht je nach Spieleranzahl aus sieben (bei 2 Spielern) oder zehn (bei 3 Spielern) Petrischalen, die der Spieleschachtel neben dem Kontaminationsfeld, welches die erreichten (negativen) Punkte aufzeigt, sowie zwei Feldern zum Zählen der Runden, beigelegt sind. Letzteres gibt weiters auch die Reihenfolge der Spielerzüge vor und definiert dabei auch noch jene Phasen, in denen eine Zellteilung stattfinden und welche in denen Kontaminationspunkte verteilt werden. Dementsprechend ist ein solches Feld sowohl für die zwei als auch für die drei Spieler Variante beiliegend.

Gespielt wird nach einigen wenigen Regeln. Am Zug muss der Spieler eine Petrischale wählen und mindestens eines seiner Bakterien darin auf ein benachbartes Schälchen bewegen. Sollte jemals keine Bewegung möglich sein, so verliert dieser Spieler unverzüglich. Dies wird erschwert durch die zusätzlichen Regeln, dass sich niemals mehr als fünf Bakterien in einer Schale aufhalten dürfen, und ebenso ist es den unterschiedliche Bakteriengattungen untersagt, in selber Menge in ein und derselben Schale zu verweilen.

In jeder Teilungsphase wird in sämtlichen Petrischalen, in denen sich mindestens ein Bakterium ohne eine konkurrierende Art befindet, ein weiteres hinzugefügt. Steigt die Zahl in einem Kulturgefäß dabei auf fünf an, oder wurden willentlich fünf in der selben Petrischale versammelt, so werden alle Bakterien entfernt und gegen eine von drei Sarcinen ersetzt. Diese gelten stets als fünf Bakterien, wobei sie nur den Platz eines Keims einnehmen und können sich zusätzlich niemals bewegen. Müsste eine vierte Sarcine, aus dem Vorrat, irgendwie auf der Spielfläche platziert werden und es ist keine mehr vorhanden, so bedeutet auch dies die sofortige Niederlage für den Spieler.

Zusammenfassend ist das Ziel in Petris also möglichst strategisch vorzugehen und dem Gegner mit überdachten Zügen die Handlungsmöglichkeiten abzuschneiden, während man daneben versucht, durch taktisches Manövrieren seine Population recht klein zu halten und dabei möglichst keine Kontaminationspunkte zu sammeln.

Spieletester

20.02.2023

Fazit

Steckt denn da auch Kult in den Kulturen?:

Wenn man Petris aus dem (Brut-)Schrank kramt, dann sollte man sich vor allem auf ein taktisches Spiel mit vollständigem Informationsgehalt beider Spieler bezüglich der Gesamtsituation vorbereiten. Ein Spiel ist prinzipiell sehr kurz und somit eignet sich dieses Werk auch perfekt für eine rasche Partie, falls mal nur wenig Zeit gegeben ist oder aber auch jederzeit zwischendurch. Doch so sehr ich auch die, zur Färbung nach Gram passend, blau und rot gehaltenen Kokken und vermeintlichen Stäbchen liebe, tut euch lieber selbst einen Gefallen und holt euch einen dritten Wissenschaftler an Bord, der die Rolle der gelben Art übernimmt. Aus meiner Sicht ist das Spielverhalten zu dritt um Längen spannender und in geringerem Maße eintönig. Schon nach wenigen, auf ein bis zwei Händen abzählbaren Runden, spielt sich das Spiel bereits jedes Mal wieder wie eine exakte Wiederholung. Anfangs zieht man daraus noch einen Benefit hinsichtlich eines Lernens aus Fehlern, doch schon bald scheint alles bereits dagewesen.

Das Design ist zwar superlieblich und schön gewählt, wobei natürlich die Petrischalen besonders ins Auge springen, doch praktisch ist kaum etwas davon. Auf das Öffnen und Schließen der Petrischalen wird man schon recht bald verzichten und eher ihre Oberfläche als Felder nutzen, immer wieder werden Bakterien zwischen die Schalen fallen und bereits recht früh wird die interessant gestaltete, zylindrische Spielebox als eher lästige Form der Lagerung aufgefasst.

Allesamt Punkte die verzeihbar sind und mit denen man halbwegs gut zurechtkommen kann, doch das Regelheft ist ein wirklich grenzwertiger Fall. Irgendwo im Verlauf der Gestaltung eines mehrsprachigen Heftchens in den Sprachen Englisch, Französisch und Spanisch, neben Deutsch natürlich, scheint so manche Information untergegangen beziehungsweise sehr unklar übersetzt worden zu sein. Erst nach mehrmaligem Durchlesen wurde der Entschluss gefasst, es mal auf Englisch zu lesen, und erst danach waren die Regeln wirklich klar.

Nun am Ende dieses Fazits muss ich schon sagen, Petris ist eines der Spiele, die mir wirklich Bauchschmerzen bereiten. Das Design und das gesamte Konzept lösen wahrlich große Erwartungen in einem aus, doch dann wird man recht bald, von einem Spiel mit kaum Abwechslung, auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Man könnte nun sagen, dass auch andere Spiele wie das klassische Schach allgemein wenig Abwechslung bieten, doch das wahre Problem an Petris ist, dass sich schon sehr bald jede einzelne Partie bereits bekannt vorkommt. Dieses Faktum kombiniert mit der, nur in Grundsätzen verständlichen, deutschen Übersetzung, machen es mir wirklich schwer es in mein Herz zu schließen. Sehr schade eigentlich, da die Idee im Großen und Ganzen sehr gut wäre.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • jederzeit zwischendurch spielbar
  • mehrsprachiges Regelheft

Minus

  • bietet leider nur zu dritt wirklichen Spielspaß
  • Spiele fühlen sich häufig exakt gleich an
  • schönes, doch eher unpraktisches Design
  • schlecht übersetztes Regelheft (zumindest in Deutsch)

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 3
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 10 bis 15 Minuten
Preis: 21,95 Euro
Erscheinungsjahr: 2020
Verlag: 2 Tomatoes
Autor: David Bernal
Zubehör:

1 Regelheft (in 4 Sprachen, je 5-seitig)
1 Kontaminationsfeld
2 Felder zum Zählen der Runden
10 Petrischalen
1 Rundenmarker
3 Kontaminationsmarker (1 je Farbe)
9 Sarcinen (3 je Farbe)
60 Bakteriensteine (20 je Farbe)

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