Discordia

Kennt ihr die Pizza "Discordia"?
Nein?
Kein Wunder, sie wird nur von der Pizzeria "La Eisenstein" geliefert...
Discordia wurde den Rezensenten vorab im Pizzakarton geliefert.
Der Inhalt entspricht der fertigen Ausgabe, nur die Schachtel ist - sagen wir - anders.
Viele Plättchen sind aus den Stanzbögen zu drücken, die Spielpläne sind durch Klebepunkte auf double-layer zu pimpen.
Das funktioniert aber bestens.
Ein Pizzabausatz quasi, komplett und doppelt belegt.

Discordia bedeutet Zwietracht

Wir sind Römer an der Außengrenze des Römischen Reichs.
Die Grenze zu den Germanen ist nah.
Wir entwickeln unsere aufstrebenden Städte durch den Ausbau der Landwirtschaft und des Handels weiter, bauen unsere militärische Stärke aus um die germanischen Angriffe abzuwehren und nutzen die Häfen als weitere Möglichkeit zur Verbesserung unserer Stadt. Dazu setzen wir geschickt Seeleute, Soldaten, Händler und Bauern entsprechend ihrer Fähigkeiten (und Farbe) ein.
Vier Jahre haben wir Zeit.
2027 sollten wir fertig sein.

Spielpläne mit vielen Optionen

Jeder Spieler hat seinen eigenen Stadtplan und nutzt die Aktionen des allgemeinen Spielplans und die darum platzierten Plättchen zur Entwicklung seiner Stadt.

Der allgemeine Spielplan strukturiert den Ablauf der folgenden vier Jahre zu je fünf Jahreszeiten. Fünf deshalb, weil wir Römer zwischen Herbst und Winter noch die Saturnalien gesetzt haben. Jeder Jahreszeit sowie dem folgenden Jahresende ist ein Aktionsplättchen mit unterschiedlichen Hauptaktionen zugeordnet, zudem sind die Jahreszeiten plus Jahresende von eins weg durchnummeriert und entsprechen somit den Werten eines Standardwürfels. Über dieser Jahreszeitleiste zieht das Jahreszeitenboot auf dem Rhein dahin und steuert die Runden.
Unterhalb des Spielplans liegen zufällige Stadtplättchen aus, je Spieler eine Reihe mit sechs Plättchen.
Auf dem Spielplan finden sich außerdem noch acht Germanenplättchen in zwei Stapeln, die an jedem Jahresende einen Angriff auf unsere Städte simulieren.

Der persönliche Stadtplan zeigt bereits vorbereitete Stadtausbauten - also Bauplätze - für Schiff (blau), Kaserne (rot), Bauernhof (gelb) und Marktstand (weiß). Die restlichen Plätze müssen erst durch den Erwerb von Stadtausbauten vorbereitet werden. Die Expeditionsleiste sowie die Entwicklungsleiste ermöglichen durch das Platzieren von Sternen im weiteren Spielverlauf persönliche Boni oder sogar Kettenzüge. Daneben gibt es einen Bereich für erfüllte Dekrete. Am unteren Rand des Stadtplans verläuft das Aquädukt, darauf wandert der Versorgungsring und verringert Zug um Zug die Infrastrukturprobleme der Stadt. An verschiedenen Stellen auf dem Stadtplan (und auf manchen Stadtplättchen) findet sich das leidige Infrastruktursymbol.
Das stört bei der Erfüllung des Spielziels.

Das spezielle Spielziel lautet: Arbeiter in Rente schicken

Im Beutel - ich stelle mir vor es wäre das Arbeitsamt - befinden sich 160 Arbeiter in vier Farben, passend zu ihren Aufgabengebieten in der Stadt, 15 zieht jeder bei Spielbeginn. Sechs Sterne bekommt jeder zur späteren Verwendung auf den beiden Leisten, zudem einen Versorgungsring für das Aquädukt
sowie einen Manipulator. Der manipuliert Würfelaugen um plus/minus eins und kann pro Jahr einmal eingesetzt werden (Kleines Geheimnis: es können weitere Manipulatoren erworben werden!).
Außerdem wählt jeder Spieler ein Stadtplättchen aus der allgemeinen Auslage, es beginnt damit der Spieler rechts vom ermittelten Maximus (=Startspieler) und es geht weiter gegen den Uhrzeigersinn.
Der Maximus soll ja nicht nur Vorteile haben.
Ist alles vorbereitet wirft der Maximus alle drei Würfel und teilt sie den Würfelwerten entsprechend den Jahreszeiten zu. Dann nutzt er seinen Vorteil.

Bisher war alles easy, ab jetzt wird es deutlich schwieriger.
Der Maximus wählt einen der drei Würfel und hat nun in der Spalte des gewählten Würfelwerts die Qual der Aktionswahl.
Was tun?
Folgende Hauptaktionen stehen prinzipiell - durch die Aktionsplättchen aber nicht überall - zur Verfügung:

  • Ein Stadtplättchen nehmen (von unterhalb der Spalte)
  • Arbeiter entsenden (gelb, blau oder rot)
  • Stadtausbau nehmen (beliebig)
  • Entwickeln (Stern auf die Entwicklungsleiste)
  • Sterne nehmen (einen oder zwei)
Stadtplättchen benötigt man um Arbeitsplätze für die eigenen Arbeiter zu schaffen.
Mit der Aktion "Arbeiter entsenden" schickt man eigene Arbeiter auf farblich passende Plätze.
Hin und wieder braucht man einen weiteren Stadtausbau, um die Stadt fit für weitere Stadtplättchen zu machen (das Überbauen eines Marktstands mit einem neuen ist aber durchaus erlaubt).
Sterne auf der Entwicklungsleiste zu platzieren ist immer gut und bringt viel.
Auch die Expeditionsleiste voran zu treiben ist wirkungsvoll, das geschieht aber durch andere Mechanismen.
Und weil man viele Sterne braucht, muss man immer wieder mal für Nachschub sorgen.
Sternschnuppen, die vom Himmel fallen, kommen in Discordia nicht vor.

Die Nebenaktionen sind aber auch nicht zu vernachlässigen.
Daher ist nicht immer so klar, welchen Würfel man nimmt.
Einerseits ist da das Jahreszeitenboot. Ankert das gerade in der Spalte, deren Würfel man nutzt, dann kommt man in den Genuss einer besonderen Aktion und bekommt einen Stern, darf einen Stern auf der Expeditionsleiste ablegen oder den Versorgungsring eine Position auf dem Aquädukt ziehen.
Alles ist positiv!
Durch die Sonderentsendung darf man zusätzliche Arbeiter ihren Arbeitsplätzen zuteilen.
Ein Beispiel:
Der gelbe Würfel mit Wert drei erlaubt es, gelbe Arbeiter auf einen Bauernhof zu entsenden, der einen Würfel mit drei Augen zeigt. Hat man einen Marktstand mit drei Würfelaugen, darf man auch weiße Marktständler entsenden. Die Würfelmarkierungen auf den Marktständen sind grau und grau steht für eine beliebige Farbe.
Für die Entsendung roter Soldaten in die Kasernen oder blauer Seeleute auf die Schiffe ist ein farblich passender Würfel nötig.
Weitere Aktionen oder Optionen ergeben sich durch das Erfüllen von Dekreten und Privilegien sowie Fortschritt auf den Leisten.

Nach dem Zug des Maximus kommen die anderen Spieler in Reihenfolge dran.
Nur der Maximus nutzt einen Würfel exklusiv und entfernt ihn, die beiden verbliebenen Würfel dürfen von mehreren Spielern genutzt werden.

Hat jeder Spieler einen Würfel genutzt - eventuell modifiziert durch den Manipulator - wandert die Rolle des Maximus mit den drei Würfeln eine Position weiter und auch das Boot zieht eine Jahreszeit Fluss abwärts. So spielt man das erste Jahr durch, entwickelt seine Leisten und das Aquädukt, baut die Stadt aus und entsendet Arbeiter.
Jeweils am Jahresende folgt der Kassensturz in Form von...

Germanenüberfall und Infrastrukturmangel

Die beiden Germanenplättchen geben die Belohnung für die erfolgreiche Verteidigung sowie die Strafe für eine Niederlage im Kampf gegen die Germanen vor. Am Beginn der ersten Jahreszeit deckt man ein Plättchen auf und erfährt die Stärke der Germanen und die Strafe für Spieler, die gegen die
Germanenhorden verlieren. Am Beginn der vierten Jahreszeit wird das zweite Plättchen mit zusätzlicher Stärke aufgedeckt, man addiert die Schwerter der beiden Plättchen und kennt somit die Gesamtstärke der Angreifer. Das zweite Plättchen zeigt zudem die Belohnung für siegreiche Römer.
Durch diesen Mechanismus kann man sich frühzeitig im aktuellen Jahr überlegen, ob man an der Verteidigung arbeiten will oder die Strafe in Kauf nimmt.
Das ist klug gemacht.

Der Infrastrukturmangel ist im ersten Jahr unvermeidbar groß, sollte sich gegen Ende des Spiels deutlich verringern und vielleicht sogar in Überschuss übergehen.
Errechnet wird er folgendermaßen:
Man zählt alle sichtbaren Infrastruktursymbole auf der persönlichen Spielplan (auf den Leisten, den Stadtplättchen, den Stadtausbauten) und addiert alle auf Stadtplättchen befindliche, unbesetzte Arbeitsplätze. Davon zieht man den Wert des Versorgungsrings auf dem Aquädukt ab. Der verbleibende Wert gibt die Anzahl an Arbeitern, die man aus dem Beutel ziehen muss, an.
Zur Erinnerung: Viele Männchen sind schlecht!

Danach wandern die Arbeiter von voll besetzten Stadtplättchen in den Beutel und man hat wieder freie Hand für die neuerliche Entsendung im folgenden Jahr aus dem mittlerweile wieder aufgestockten Mitarbeitervorrat. Neuer Startspieler und damit Maximus im Frühling wird der Spieler mit dem größten Arbeitervorrat.

Nach vier Jahren (2027) ist Ende

Wer am Ende des vierten Jahres die wenigsten Figuren besitzt gewinnt Discordia.
Einen vorzeitigen Sieg verbucht, wer irgendwann während des Spiels keinen Arbeiter mehr vorrätig hat.
Das kommt wohl sehr selten vor, möglich ist es aber!

Spieletester

22.06.2023

Fazit

Warum das Spiel DISCORDIA heißt entschließt sich mir leider überhaupt nicht.
Was ich aber weiß: DISCORDIA ist ein tolles Spiel.
Zumindest was die ersten drei Jahre und zwei Jahreszeiten betrifft. Dann kann es etwas zäh werden und ein ringen um noch vernünftige Züge setzt ein. Aber das ist Part of the Game, schließlich sollen die Arbeiter gegen Ende des Spiels immer weniger werden und dann kann es schon mal passieren, dass man zwar weiße meeples hat aber keinen freien Marktstand oder umgekehrt.
Rechtzeitige Planung für den final countdown ist schwierig, aber irgendwie haben alle Spieler dieses Problem. Hat man es nicht, dann hat man noch zu viele Männchen und sowieso was falsch gemacht.

Das Spielziel, alle Figuren loszuwerden, ist durchaus innovativ.
Auch einige Mechanismen sind es und es ist ein wirklich gelungenes Produkt von Irongames und Bernd Eisenstein. Schönes und stabiles Material rundet das Spielerlebnis ab und hinterlässt - auch bei mir, der ich meist verliere - einen positiven Nachgeschmack.

Die Spielregel hat sich mir irgendwie anfangs verwehrt, nach der ersten Partie mit ein paarmal nachlesen und Details klären ist der Ablauf aber klar und deutlich und man erkennt dann auch die sinnbringenden Informationen auf den Spielplänen und dem anderen Material.

Die Spieldauer von 70 Minuten geht sich bei uns - egal in welcher Besetzung - nicht aus.
Anfangs denkt man, geht ja schnell, hintenraus jedoch wird es eben doch manchmal zäh.
Abendfüllend ist es nicht, aber zwei Stunden sind schnell weggespielt.
Ich bin aber gerne wieder mit dabei.
Redaktionelle Wertung:

Plus

  • Doppellayer-Bausatz funktioniert gut
  • Tolles Material (Plättchen, Meeple)
  • Interessante Mechanismen
  • Kettenzüge durch kluge Planung sind möglich
  • Inklusive SOLO-Variante

Minus

  • Etwas sperrige Spielregel
  • Etwas zäh gegen Ende
  • Etwas unrealistische Spieldauerangabe

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 1 bis 4
Alter: ab 12 Jahren
Spieldauer: 60 bis 90 Minuten
Preis: 50,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2022
Verlag: Irongames
Grafiker: Lukas Siegmon
Zubehör:

160 Holzfiguren: 40 Seeleute, 40 Soldaten, 40 Händler, 40 Bauern; 48 Sterne aus Holz, 3 Würfel (rot, gelb, blau),
1 Jahreszeitenboot aus Holz, 1 Startspielerstein aus Holz, 1 Spielplan, 4 Stadtpläne (Spielertafeln), 6 Aktionsplättchen, 14 Privilegien, 20 Germanenplättchen, 16 Türme: 8 Militärtürme, 8 Handelstürme; 14 Dekrete,
86 Stadtplättchen: 18 Schiffe, 24 Kasernen, 20 Marktstände, 24 Bauernhöfe; 40 Stadtausbauten: 8 Häfen, 8 Kastelle, 4 Expeditionen, 8 Marktplätze, 8 Ackerländer, 4 Entwicklungen; 4 Versorgungsringe, 10 Manipulatoren,
1 Stoffbeutel, 14 Janusplättchen (für das Solospiel), Regelheft

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