Corrosion

Frauen in die Technik! Diesen Aufruf hört man immer wieder, aber wenige Initiativen zeigen Wirkung. Vielleicht durch ein Spiel? In Corrosion sind ausschließlich Frauen am Werk, um Maschinen zu bauen und zu warten. (Männer dürfen es trotzdem spielen...)

Spielidee

Ohne Maschinen hätte es keine industrielle Revolution gegeben. Aber wir wissen es selbst von einfachen Haushaltsgeräten: Irgendwann sind die Sachen kaputt, wenn man sie nicht wartet. Hauptversagensgründe sind Verschleiß und Rost. Heutzutage sind wir mit nichtrostendm Stahl gesegnet, früher gab es das nicht. Stahl wird vor allem durch die Beimeingung von ca. 1/6 Chrom rostbeständig, darum auch Chromstahl genannt.
Im Spiel Corrosion dreht sich alles genau darum: Wir bauen (Dampf-) Maschinen aus Stahl, warten diese, müssen mit ansehen, wie sie verrosten (korrodieren)... Wir können aber auch Chromstahl einsetzen, um haltbarere Maschinen zu bauen. "Wir", das ist ein Heer von Ingenieurinnen. Von diesen hat jeder Spieler ein Set von 6 Stück auf der Hand, wenn die Partie startet. In weiterer Folge kommen Diplom-Ingenieurinnen hinzu. Männer sucht man in diesem Spiel vergeblich.

Spielablauf

Jeder Spieler hat einen Maschinenraum und eine Werkshalle. Im Maschinenraum werden Ressourcen verwaltet und gelagert, das sind Zahnräder (hier gibt es unterschiedliche Größen und Materialien) und Dampf. Aber auch gesammelte Punkte kann man wieder "verbrauchen". Zentrales Element der Werkshalle, die in vier Sektoren unterteilt ist, ist das Rostrad.

Wer an die Reihe kommt, kann als Nebenaktion Maschinen warten. Wichtiger ist aber die Hauptaktion: Ich kann eine Ingenieurin ausspielen oder am Rostrad drehen. Mache ich Ersteres, können auch die Mitspieler eine Aktion machen. Aber alles der Reihe nach.

Die Ingenieurinnen

Jede Ingenieurin hat eine Farbe und einen Zahlenwert. Außerdem hat sie eine aufgedruckte Aktion. Spiele ich eine Ingenieurin aus, führe ich die Aktion aus. Andere Spieler dürfen die Aktion ebenfalls ausführen, wenn sie eine Ingenieurin derselben Farbe, aber in einem höheren Wert ausspielen (die auf diesen Ingenieurinnen aufgedruckte Aktion wird ignoriert).

Die Ingenieurin wird anschließend an die Werkshalle gelegt. Wohin genau? Der Sektor wird durch den Zahlenwert der Karte bestimmt. Je höher der Wert, desto länge wird die Ingenieurin in der Halle verbleiben. Und welche Aktionen bieten sie? Sie lassen neue Ingenieurinnen einstellen (auf die Hand nehmen) oder Maschinen und -teile bauen.

Das Rostrad

Wer diese Aktion wählt, dreht sein Rostrad um 90 Grad im Uhrzeigersinn. Dadurch wird der nächste Sektor der Werkshalle und seine darin befindlichen Einmal-Maschinen aktiviert. Das ist wichtig zu wissen: Es gibt Einmal-Maschinen, die nur ein einziges Mal benutzt werden könne. Andere Maschinen, die immer wieder benutzt werden können, werden "Drehmaschinen" genannt (auch wenn sich der geneigte Techniker unter diesem Namen etwas anderes erwartet). Drehmaschinen werden, unabhängig von ihrem Standort, alle aktiviert, wenn das Rostrad gedreht wird. Und dann sind da noch die Maschinen aus Chromstahl, die im Maschinenraum stehen und aktiviert werden, wenn sie ein Rostrad-Symbol tragen.

Gleichzeitig wird der vorige Sektor deaktiviert. Alle dort stehenden Maschinen (egal welche Type) und lagernden Zahnräder kommen auf den Ablagestapel bzw. zurück in den Vorrat. Außerdem gehen die dort tätigen (Diplom-) Ingenieurinnen nach hause, d.h. man nimmt sie wieder auf die Hand.

Wartung!

Die soeben beschrieben Aktionen beim deaktivieren eines Sektors, passieren bei der Wartung. Weiters darf man in dieser Phase beliebig viele Nebenaktionen durchführen. Das heißt: Zahnräder ausgeben, um Chrommaschinen und Einmal-Maschinen instand zu setzen. Oder Dampf ausgeben, um die Auslage zu manipulieren oder Teile von einem Werkshallensektor in den nächsten zu verschieben.

Ausgezeichnet!

Manche Einmal-Maschinen erlauben es dir, eine Auszeichnung zu nehmen. Diese wird dir am Ende (hoffentlich) Punkte bringen. Wie viele? Das hängt davon ab, wie oft die die gestellte Aufgabe erfüllst (z.B. gibt es Punkte für jeden Wasserdampf, der am Spielende in deinem Vorrat ist).

Zu den Punkten für Auszeichnungen kommen die während des Spiels gesammelten Punkte sowie die Werte der gebauten Chrommaschinen hinzu. Wer in der Addition die meisten Punkte vorweisen kann, gewinnt das Spiel.

Solospiel

Man kann Corrosion alleine spielen. Da es immer nur indirekt Interaktion gibt, funktioniert das ganz gut. Die fiktive Spielerin beschränkt sich vor allem darauf, zufällige Diplomingenieurinnen und Maschinen aus der Auslage zu entfernen. Aber auch Auszeichnungen sind nicht vor ihr sicher. Wie im Spiel mit zwei und mehr Personen, kann ich die Aktion der Ingenieurin kopieren.

Spieletester

26.07.2022

Fazit

Die langweilige Aufmachung der Box, und das etwas sperrige Thema Korrosion/Rost, hat es mir allen Ernstes schwer gemacht, Spielpartner zu finden. Dabei hat das Spiel das nicht verdient, es bietet einige wirklich gute Ansätze. Außerdem bietet es einige Abwechslung, damit sich die Partien nur bedingt ähneln (z.B. ausliegende Auszeichnungen, Reihenfolge in der die Maschinen und Diplomingenieurinnen ins Spiel kommen...).

Im Prinzip ist Corrosion ein Engine Builder Game, mit der Eigenart, dass das Engine wegen des Rosts ständig wieder kaputt geht. Das ist aber auch der Pferdefuß an der Geschichte: Ich mache das ganze Spiel über dasselbe, ohne wirklich auf irgendwas aufzubauen. Bei der hohen Spieldauer, die Schachtel gibt hier 1-2 Stunden an, ich habe aber auch noch längere Partien erlebt, ist das zugegebenermaßen ermüdend. Die Spieldauer ist proportional zur Spielerzahl. Wer lieber kürzer spielt, darf nicht zu viele Personen am Tisch versammeln. Aber auch hier ein Nachteil: Von vielleicht nur einem Mitspieler kopieren zu können, macht die Sache oft langweilig. Zu dritt zu spielen, ist der beste Kompromiss.

Wer etwas Nachhaltiges schaffen will, muss Chrommaschinen bauen. Aber Achtung: Man kann immer nur eine aktive Maschine pro Antriebsart haben, und Antriebsarten gibt es nur drei verschiedene. Trotzdem kann es passieren, dass ein Spieler bald eine tolle Kombination schafft, die ihm einen fast nicht mehr aufzuholenden Vorteil bringt.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • Spannender, als auf den ersten Blick zu erwarten

Minus

  • Der Spannungsbogen fehlt ein wenig, man macht ständig das gleiche
  • Die Spieldauer ist lang, obwohl die Abwechslung fehlt
  • Ist früh eine dauerhaft funktionierende, gute Kombination entstanden, haben die anderen Spieler enorme Probleme, das wieder aufzuholen
  • Das Spiel hat sehr großen Platzbedarf am Tisch

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 1 bis 4
Alter: ab 12 Jahren
Spieldauer: 60 bis 120 Minuten
Preis: 37,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2021
Autor: Stefan Bauer
Grafiker: Dennis Lohausen
Zubehör:

4 Werkhallen-Tafeln
4 Maschinenraum-Tafeln
1 Auslagestreifen
48 Ingenieurinnen-Karten
30 Chrommaschinen-Plättchen
22 Einmalmaschinen-Plättchen
20 Drehmaschinen-Plättchen
16 Auszeichnungs-Plättchen
8 Taschenuhr-Plättchen
1 Schraubenschlüssel-Plättchen
72 Zahnrad-Plättchen
20 Wasser/Dampf-Plättchen
96 Punktemarker
1 Wertungsblock
1 Spielanleitung

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