Family Trade

Family Trade ist ein Wirtschaftsspiel für die ganze Familie. Schon Kinder sollen hiermit in die Welt der Finanzmärkte eingeführt werden, mit all ihren positiven und negativen Seiten.

Dieses Spiel wird mit japanischer Anleitung ausgeliefert, eine deutsche gibt es als Download. Das Spiel selbst ist sprachneutral.

Ein Spiel für Familien?

Das Grundprinzip des Spiels ist nicht schwierig: Sammle Sets aus drei gleichen Karten und kassiere dafür Einkünfte. So weit so gut. Aber was fangen Sechsjährige, für die das Spiel laut Beschreibung geeignet sein soll, mit Zahlen von -50.000 oder +200.000 an? Nun ja.

Die Kurse steigen und fallen

Drei Spielvarianten stehen zur Verfügung. In einer werden die initialen Kurse für jeden Rohstoff (Öl, Diamanten, Aktien, Immobilien...) erwürfelt. Jeder Spieler erhält acht Rohstoffkarten sowie ein Startkapital. Wenn man an die Reihe kommt, zieht man eine Karte und legt eine ab. Gezogen wird vom verdeckten Stapel oder die oberste Karte des Ablagestapels. Das spielt man solange, bis man zwei Drillinge und ein Pärchen hat. Zu diesem Zeitpunkt legt man die acht Karten vor sich ab. Ist man an der Reihe, so zieht man ganz normal Karten, muss aber genau diese Karte wieder abwerfen, wenn sie das dritte Set nicht vervollständigt. Neben Rohstoffkarten gibt es übrigens noch Kurskarten. Mit ihnen kann man kein Set bilden, dafür den Wert eines Rohstoffs um einen Schritt senken oder heben.

Zahlemann und Söhne

Sobald ein Spieler sein drittes Set komplett hat, endet die Runde und er rechnet ab. Vorher darf man den Wert eines Rohstoffs neu Würfeln. Jedes Set zählt seinen aktuellen Kurswert, dieser kann positiv oder negativ sein. Es ist möglich, dass man mit einem negativen Ergebnis "Rundengewinner" wird! Ob man die abschließende Karte vom verdeckten Stapel oder vom Ablagestapel genommen hat, bestimmt die Quelle der Einkünfte.

  • Verdeckter Stapel? Die Bank bezahlt mich (bzw. kommt mein Verlust in den Jackpot).
  • Ablagestapel? Der Spieler vor mir, der die Karte abgelegt hat, muss zahlen (oder bekommt meine Verluste)!

Anschließend wird von vorne begonnen. Hat der Geber gewonnen, behält er die Geberrolle. Gewinnt er ein zweites, drittes ... Mal hintereinander, verdoppeln, verdreifachen ... sich seine Einkünfte. Gewinnt ein anderer, wechselt die Geberrolle im Uhrzeigersinn. Das Spiel endet, sobald die Rolle des Gebers zweimal um den Tisch gewandert ist. Der Spieler mit dem meisten Geld gewinnt.

Andere Spielvarianten

Im Prinzip läuft das Spiel immer wie oben beschrieben.
Alternative zu den Werten der Rohstoffe: Statt der Kurstabelle verlässt man sich rein auf die Würfel. Kurskarten haben keinen Nutzen, Rohstoffe keinen festgelegten Wert. Das ändert sich erst, wenn jemand fertig ist. In diesem Moment wirft er die Würfel und ermittelt so den Wert seiner Sets. Dies ist natürlich deutlich glücksbetonter als die Variante mit der Kurstabelle.
Variante mit einem statt drei Sets: Diese Variante geht ohne Startkapital vonstatten, außerdem haben die Spieler nur zwei statt acht Karten. Entsprechend besteht das Ziel darin, ein einziges Set zu bilden. Startkapital gibt es nicht, alle Zahlungen werden gegen die Bank getätigt. Der Wert eines Sets wird wiederum im Moment des Entstehens durch den Würfel ermittelt. Die Handkarten aller Spieler kommen aus dem Spiel. Der Ablegestapel wird gegebenenfalls gemischt. Das Spiel endet, wenn eine Art von Geldscheinen in der Bank oder der Nachziehstapel aufgebraucht ist.

Spieletester

18.03.2019

Fazit

Die Verpackung des Spiels ist ungewöhnlich: Eine zweiteilige Styroporbox mit Pappdeckel. Man hat fast den Eindruck, einen Prototyp in der Hand zu halten. Das Gefühl wird verstärkt, wenn man die Schachtel öffnet: Der große Spielplan ist dünnes Papier. Die Karten hingegen sind dick, jedoch kleben sie stark aneinander, das Geben ist eine Herausforderung. Bleiben wir gleich bei den Karten. Die Rohstoffe gibt es verschieden oft. Es ist jedoch nicht nachvollziehbar, warum es manche Karten öfter gibt als andere. Weder korrespondiert es mit den möglichen Maximalwerten, noch mit dem Vorhandensein eines Negativ-Bereichs.

Die Spielanleitung, die es als deutschsprachigen Download gibt, kann man als sexy Netzstrumpfhose verkaufen, so viele Lücken sind enthalten. Zum Beispiel ist das Nachziehen nicht detailliert erklärt, auf die Sache mit dem Nehmen vom Ablagestapel wird man erst implizit durch die Auszahlung durch den Mitspieler gebracht. Andere Stellen sind so übersetzt, dass es keine deutschen Sätze sind (im Zweifelsfall nehme man den englischsprachigen Abschnitt der Spielanleitung her, dort ist die Übersetzung deutlich besser). Es bleibt uns noch ein Blick auf die Würfel. Oder lieber ein zweiter und dritter, denn durch die eng zusammengeschobene Schrift ist sehr schwer zu erkennen, ob das jetzt 20.000 oder doch 40.000 heißen soll...

Wie ganz zu Beginn erwähnt ist das Spielprinzip prinzipiell für Kinder geeignet. Aber weder Thema noch den verwendeten Zahlenraum sehe ich für diese angemessen. Spielt lieber eine Runde Phase 10. Das hat ein ganz ähnliches Prinzip, aber deutliche Vorteile in punkto Schwierigkeit und Aufmachung.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • das Spielprinzip ist für jedes Alter geeignet

Minus

  • die Ausstattung ist weit vom europäischen Standard entfernt, man glaubt einen Prototypen in Händen zu halten
  • deutschsprachige Spielanleitung ist nur knapp über unbrauchbar
  • der verwendet Zahlenraum ist für Kinder ungeeignet

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 7 Jahren
Spieldauer: 30 Minuten
Preis: 21,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2018
Verlag: Japon Brand, Librage
Grafiker: Uco Nomura
Genre: Glück, Wirtschaft
Zubehör:

1 Spielplan
8 Kursmarker
8 Kurswürfel
126 Rohstoff- und Kurskarten
110 Geldscheine
20 Schuldscheine
1 Spielanleitung

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