Lanko

Das vom Bambus Spieleverlag vertriebene Lanko ist ein aus Polen stammender Vertreter der klassisch abstrakten Brettspiele, obdenn es etwas ganz und gar Unklassisches für ein diese Art von Spiel mitbringt: Konzipiert für vier Spieler, ist es auch zu zweit oder zu dritt spielbar; zudem bekommt man bei Lanko nicht nur ein, sondern zwei Spiele (mit gemeinsamen Kern im Spielmechanismus), da die eine Hälfte des doppelseitigen Spielplanes für Lanko-88, die andere für Lanko-103 Verwendung findet.
Die zugeordnete Zahl (88, 103) bezieht sich dabei jeweils auf die Anzahl der im Spiel nutzbaren Felder; sollte also jemals Lanko-100000 rauskommen, darf man sich wohl auf einen Spielplan in der Größe eines kleinen Ferienortes gefasst machen...

Handlung und Spielziel
Ziel des Spiels ist es, die meisten Punkte zu machen, wobei sich diese bei Spielende aus einer Kombination der Punkte der jeweiligen Figuren und ihrer schlussendlichen Position auf dem Spielfeld ergeben.

Spielmaterial und Anleitung
Vorweg ist zu sagen, dass die Spielschachtel nicht gerade erlesen wirkt. Es handelt sich um einen braunen Pappkarton mit dem aufgeklebten Spiellogo auf dem Oberteil und den Seitenflächen. Klar, es handelt sich um ein abstraktes Spiel, aber es gibt inzwischen genügend Beispiele dafür, dass auch derartige Spiele ein wenig Eleganz fürs Auge mitbringen können.

Der Inhalt selbst besteht aus zwei Regelheften (über die ich gleich noch einiges zu sagen habe), dem doppelseitigen Spielplan aus Karton und drei kleinen Säckchen mit Spielfiguren. Wie der Karton ist auch das restliche Spielmaterial vornehmlich in Brauntönen gehalten, was zusammen mit dem eher geringen Materialumfang beim ersten Hineinblicken unfreiwillig nostalgische Erinnerungen an herbstsonnig untermalte Schachpartien längst vergangener Tage aufkommen lässt; das selbst dann, wenn man noch nie Schach gespielt haben sollte.
Entgegengesetzt zum eher nostalgisch anmutenden visuellen Stil (der mir persönlich aufgrund meiner Liebe zum Herbst ja gefällt, aber sicherlich die Geister scheiden wird), ist die Qualität des Spielmaterials allerdings mehr in der Gegenwart angesiedelt, sind doch die Spielfiguren aus Holz und auch der Spielplan zeigt sich merklich stabil.

Anleitung
Fehlt nur noch die Anleitung. Diese konnte ich selbst nach intensiver Suche nicht vorfinden. Damit ist jetzt nicht gemeint, dass nicht ein Regelheft dabei wäre (denn davon gibt es wie obig erwähnt sogar zwei, nämlich eines in Deutsch und eines in Englisch), sondern dass diese nicht mal ansatzweise die Qualität einer heutzutage erwartbaren Spielanleitung aufweisen. Gelegentliche Schreibfehler sind ja eine Sache, aber die Regelhefte bei Lanko bestehen ausschließlich aus Schreibfehlern und - was noch viel schlimmer ist - ergeben zum Großteil nicht mal inhaltlich einen Sinn.
So sei hier, nur stellvertretend, aus dem deutschen Regelheft zu Lanko-88 zitiert, wenn dieses davon spricht, dass
.Springen können nur einfache Stein .Der Stein darf einen anderen Stein Farben überspringen ,eigener vorwärts oder seitwärts.
Denkt man sich jetzt, dass hier wieder einer dieser Fälle vorliegt, in welchem halt aus mangelndem Interesse statt einer manuellen, persönlichen Übersetzung einfach nur ein Übersetzungsprogramm auf die (vermeintlich englischsprachige) Ur-Anleitung losgelassen wurde und blickt deswegen hoffnungsvoll in das ja ebenfalls beiligende, englischsprachige Regelheft, wird man bitterböse enttäuscht: Dieses enthält nicht nur mehr, sondern sogar ganz andere Fehler als sein deutsches Gegenstück. Fehlerlos könnte somit höchstens die beiligende polnische Version der Regelhefte sein, was ich aus mangelnder Sprachkenntnis aber nicht überprüfen konnte (vielleicht ja ein getarnter Versuch Polnisch zur Weltsprache zu erheben?).

Spielvorbereitung
Im Gegensatz zum Verstehen des Spielablaufs macht das Aufstellen der Bauern, der kleinen und der großen Türme mit den Informationen des Regelheftes noch keine Probleme und ist sowohl für Lanko-88 als auch für Lanko-103 mit dort befindlichen Abbildungen schnell erledigt.

Ablauf des Spieles
Beide Spiele basieren im Kern auf demselben Spielmechanismus, der prinzipiell jedem Spieler seine persönliche, zu ihm gerichtete Hälfte des Spielplanes zusichert. Gespielt wird dabei immer im Team, wobei sich die zwei zu einem Team zusammengeschlossenen Spieler immer gegenüberliegend hinsetzen müssen. Gespielt wird reihum im Uhrzeigersinn, somit wechseln sich also sowohl die Teams als auch deren aktive Spieler laufend ab. Bei weniger als vier Spielern ändert sich daran dem Grunde nach nichts, die gemeinsam spielenden Spieler sitzen trotzdem immer gegenüberliegend, während deren Gegner immer seitlich zu ihnen sitzt; derjenige der allein spielt übernimmt dann zusätzlich den Spielzug - und somit auch die Position - seines fehlenden Partners, wenn eben dieser an der Reihe wäre. Insofern kann also gesagt werden, das jedesmal wenn ein Spieler an der Reihe ist, eine andere Hälfte des Spielplanes zur Verfügung steht und er auch nur die farblichen Figuren seines Teams benutzen kann, die sich zu Beginn seines Zuges auf der ihm zugewandten Hälfte befanden.

Einzige Ausnahme von dieser Regel sind die sogenannten "Grenzfelder", also schon dem Namen nach die jeweiligen Spielhälften trennende Felder, welche am Spielplan in einer (zu den restlichen Feldern andersfarbig hervorgehobenen) Nord-Süd und West-Ost Linie verlaufen, wobei jedem Team genau ihre sie trennende Linie zugeordnet ist (quasi das "Tennisnetz", wenn man den Spielpartner in Lanko als den auf dem gegenüberliegenden Platz spielenden Partner ansehen würde). Diese Felder dürfen von beiden Spielern des ihnen zugehörigen Teams benutzt werden und stellen somit gerade die für die strategisch wichtigen, vorausschauender Planung bedürftigen Zugpunkte dar.

Abgesehen davon handelt es sich bei Lanko um ein typisches Sprung- und Schlagspiel ähnlich Mühle, dh man zieht mit seinen Figuren entweder über die eigenen (also "springt") oder über die gegnerischen (und "schlägt" diese somit) Figuren, jeweils dabei auf ein dahinterliegendes freies Feld. Beide Spiele gleichen sich dabei insoweit, alsdass man zwar immer nur vorwärts springen (und ziehen, als dritte mögliche Bewegungsform), aber sowohl vorwärts als auch rückwärts schlagen darf und unterscheiden sich von ihrem Spielmechanismus eigentlich nur im Aussehen des Spielplanes, sowie in Anzahl und Bewegungsmöglichkeiten der Spielfiguren. Mit Fug und Recht kann man die zwei Spiele von Lanko daher eigentlich als ein Spiel mit zwei Varianten ansehen, da der Kern des Spielprinzips - also das Benutzen der jeweiligen Hälfte und das gemeinsame Nutzungsrecht der Spieler eines Teams an den Grenzfeldern - derselbe bleibt.

Spielende
Das Spiel endet, wenn die vier innersten Felder (bei Lanko-88 die "Zentralfelder", bei Lanko-103 die nur über die umliegenden Manöverfelder anziehbaren "Endfelder") jeweils mit einem Turm besetzt sind (jeder Spieler verfügt bei beiden Spielen über unzählige Bauern und immer auch über je einen kleinen und einen großen Turm), kein Turm mehr vorhanden ist, der auf ein noch leeres innerstes Feld gezogen werden könnte (weil eben alle geschlagen wurden) oder eine Pattsituation vorliegt (weil ein Spieler 3x denselben Zug ausführt).

Wertung
Es folgt die Wertung, wobei jeder noch im Spiel befindliche Bauer einen Punkt zählt. Überbleibende kleine Türme zählen bei Spielende sechs Punkte, große zwölf, wobei der Wert eines Turmes sich verdreifacht, wenn er sich bei Spielende in einem der innersten Felder befindet.   

Spieletester

26.11.2009

Fazit

SchadeSchade. Schade, schade, schade. Lanko mag vielleicht nicht das tollste Aussehen haben, aber das Spielprinzip funktioniert und macht Spaß. Sehr viel Spaß sogar, auch wenn ich mir nicht so ganz sicher bin, dass ich die taktischen Möglichkeiten der Grenzfelder wirklich so nutzbringend verwenden konnte, wie es nach gewissen Beispielen im Regelheft möglich gewesen wäre :-D. Abgesehen davon gibt es wenige rein abstrakte Spiele, die auch für mehr als zwei Personen geeignet und trotzdem in jeder Konstellation gut spielbar sind. Lanko gehört jedenfalls dazu, wäre da nicht... ... die Anleitung! Oh mein Gott, was, bitte was, hat man sich dabei nur gedacht? Rechtschreibfehler in jedem Satz, Sätze die nicht mal von einem Erstklässler so verfasst werden würden, Wörter die ohne Sinn und Bedeutung stehen.Derartiges ist mir bislang noch nicht untergekommen; was entweder bedeutet, dass ich bislang riesiges Glück hatte oder, was wahrscheinlicher ist, dass die Regelhefte zu Lanko definitiv zum Erbärmlichsten gehören, das der zahlkräftigen Spielezunft bis dato jemals zugemutet wurde. Es wäre dem Bambus Spielverlag dringendst anzuraten diese Anleitungen auszutauschen (oder zumindest eine korrigierte Version davon online zur Verfügung zu stellen), will er nicht sein an sich sehr gutes Image mit frustrierten, gar nicht mehr zum Spielen kommenden Kunden beschmutzen. Schade eben, dass dadurch (und durch die nicht unbedingt zeitgemäße Optik) ein an sich gutes Spiel offenbar völlig unter Wert verkauft wird, ist doch gerade bei abstrakten Spielen eine verständliche und gut strukturierte Anleitung mehr als nur eine simple Regelerklärung, sondern ein das Niveau und die Identität des Spieles mittragender Teil. Hier allerdings gibt es nur völlig nutzlose Bögen Papier, welche das ohnehin schon auf Messers Schneide befindliche Preis/Leistungs-Verhältnis völlig in den Keller rasseln lassen.

Kleines, aber feines abstraktes Strategiespiel, welches sein durchaus interessantes Spielprinzip hinter einer etwas biederen Fassade und einer jedenfalls katastrophalen, nicht die Bezeichnung "Spielanleitung" verdienenden Regelerklärung versteckt. 

Redaktionelle Wertung:

Plus

Minus

Teilen mit facebook twitter

Kommentar verfassen

Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 8 Jahren
Spieldauer: 20 Minuten
Preis: 20,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2006
Genre: Strategie
Zubehör:

1 Spielplan (doppelseitig) 50 Bauern 4 große Türme 4 kleine Türme Regelhefte

Anzeige

Statistik

Derzeit findest Du auf spieletest.at 7214 Gesellschaftsspiele-,
1656 Videospielrezensionen
2310 Berichte.