Inhabit the Earth

Spätestens seit Charles Darwin wissen wir: Das Leben auf der Erde ist einer Evolution unterworfen. Lebewesen entwickeln neue Fähigkeiten und passen sich an ihren Lebensraum an bzw. bevölkern neue Gebiete. Natürlich gehört zum Leben auch das (Aus-) Sterben - mit diesen negativen Aspekten wollen wir uns in Inhabit the Earth (Bevölkert die Erde) aber nicht beschäftigen.
Allmachtsphantasien

Die Spieler übernehmen die Rolle des Schöpfers und setzen neue Kreaturen (Tiere) in die Welt (auf den Spieltisch). Die Kreaturenkarte bestimmt die Eigenschaften und den Lebensraum der Rasse. Durch das Ausspielen weiterer Karten kann eine Herde vergrößert und mit neuen Eigenschaften ausgestattet werden. Diese Eigenschaften erleichtern die Bewegung in den unterschiedlichen Gebieten der Kontinente. Wer besonders schnell vorwärts kommt, hat die Chance Bonusplättchen zu ergattern. Mitunter kann ein Tier sogar von einem auf einen anderen Kontinent auswandern.


Ein Blick auf die Karten

Die Karten geben an, zu welcher Rasse eine Herde gehört. Viele Karten haben einen Text, der eine Spezialfähigkeit des Tieres erläutert. Außerdem zeigen sie Symbole für Kontinente und Landschaften, was für die Bewegung wichtig ist. Um vorwärts zu kommen, benötigt man nämlich passende Symbole in seiner Herde oder auf jener Karte, die man verwendet, um eine Wertung auszulösen. Einzelne Karten haben Wertungseffekte aufgedruckt, die am Ende Punkte bringen.

Natürlich benötigt man irgendwann Kartennachschub, wofür die Anzahl von Tieren, die ich von einer Rasse besitze, maßgebend ist. Aus diesem Blickwinkel ist es schlau, sortenreine Herden zu bilden. Man kann zwar „fremde" Karten verwenden, um neue Fähigkeiten in die Herde zu schleusen, aber für den Nachschub bringt es nichts.

Ein Spieler kann bis zu sechs Rassen in seiner Menagerie haben. Viele Rassen zu haben ist alleine schon deshalb wichtig, weil die Zahl der besessenen Rassen proportional zur maximalen Herdengröße ist. Das widerspricht zwar Darwin, ist aus spieltechnischer Sicht aber notwendig. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass einem nicht immer alle Aktionen zur Verfügung stehen. Einige Mechanismen sorgen dafür, dass man nicht Runde für Runde zu den großen Punktebringern greifen kann, sondern ab und zu auch die unliebsamen Aktionen durchführen muss. Deshalb gilt es taktisch zu planen.

Punkte! Ich will Punkte!

Was wäre ein Spiel ohne Ziel – nichts. Ziel ist es bei Inhabit the Earth, möglichst viele Punkte zu erlangen. Die vornehmliche Form von Punkten ergibt sich aus dem Fortschritt der Rassen auf den Kontinenttafeln. Hinzu kommen Punkte für nicht benutzte Bonusplättchen und Karten mit Wertungseffekt. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt, bei Gleichstand ist der Fortschritt auf den Kontinenttafeln der Tiebreaker.

Spieletester

14.09.2016

Fazit

Der Einstieg in Inhabit the Earth wird einem unnötig schwer gemacht. Im Prinzip ist das Spiel einfach zu erlernen, aber die Spielanleitung hätte Optimierungsbedarf hinsichtlich des zeitlich logischen Aufbaus. Die kreuz und quer laufenden und überschneidenden Pfeile auf der ersten Seite machen auch eher einen verschreckenden Eindruck, als dass sie als schnelle Hilfe wahrgenommen werden. Wie gesagt: Bitte nicht abschrecken lassen davon, es klärt sich alles auf. Apropos Abschreckung: Hoffentlich lassen sich die Käufer nicht davon abschrecken, dass das Spiel einen englischsprachigen Titel am Cover hat. Im Inneren ist alles (Spielanleitung, Kartentexte...) Deutsch.

Während man spielt kann man nur erahnen, auf welchem Platz man gerade liegt. Da die Bewegungsfähigkeit mit Fortdauer des Spiels immer weiter zunimmt, macht man viele Punkte erst in den letzten Runden. Da kann es schon spielentscheidend sein, wer das Spielende herbeiführt und somit den letzten Zug macht. Das Ergebnis der Punktezählung ist oft überraschend: „Was, der hat so viele Punkte mehr als ich?" Das ist etwas unbefriedigend, weil man sich vorher gut eine Stunde lang abgemüht hat... Mit fortlaufender Spielerfahrung wird das richtige Gefühl natürlich besser, aber exakte Prognosen bleiben weiterhin schwierig.

Für Familienspieler ist das Spiel nur bedingt geeignet: Im Grunde genommen ist es eine Optimierungsaufgabe, bei der jeder für sich spielt. Lediglich bei einigen Wertungskarten kann man die Mitspieler beeinflussen sowie indirekt über die Positionen auf den Kontinentleisten. Interaktion im klassischen Sinne sucht man vergebens.

Was bleibt von Inhabit the earth? Es ist ein Spiel mit wirklich guten Ideen, das am Ende nicht restlos überzeugen kann. Trotzdem ist der Wille da, zu sagen „Hey, das probiere ich nochmal, diesmal mache ich es besser!". Und das ist es, was ein gutes Spiel ausmacht.
Redaktionelle Wertung:

Plus

  • hoher Wiederspielreiz
  • Möglichkeit eines Einstiegsspiels
  • viele unterschiedliche Karten und Kombinationen

Minus

  • mühselige Spielanleitung
  • wenig Interaktion

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 14 Jahren
Spieldauer: 60 bis 100 Minuten
Preis: 40,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2015
Grafiker: Juliet Breese
Zubehör:

6 Kontinenttafeln
162 Kreaturenkarten (+162 englischsprachige)!
24 Kreaturenmarker mit Aufklebern
58 Bonusplättchen
24 Bewegungsmarker
24 Auslösemarker
30 Sonnenmarker
4 Plättchenständer
4 Aktionsübersichten
1 Regelheft

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