Zirkusfieber

"Kommen Sie, staunen Sie! Artisten, Tiere, Attraktionen erwarten Sie. Natürlich werden die Vorführungen von unserer beliebten Zirkuskapelle begleitet. Also hereinspaziert ins Zirkuszelt!"

Ja, so muss sich ein Zirkusdirektor fühlen, wenn er eine Vorstellung eröffnet. Es muss allerdings gesagt werden, dass es bis zur großen Vorstellung ein harter Weg ist. Die Artisten haben bis dahin viele Stunden Übung und eine stattliche Anzahl kleinerer Auftritte in den Knochen. Und auch die Band braucht einige Proben, um perfekt zu sein.
Auf diesem Weg begleiten wir die Personen im Spiel Zirkusfieber. Wir entscheiden, wo der nächste kleine Auftritt stattfindet, der Würfel wird zeigen, wer dort zum Einsatz kommt. Und stets haben wir als großes Ziel die glanzvolle Gala im Zirkuszelt vor Augen. Logisches Spielziel: Alle meine Artisten müssen die erforderliche Übung aufweisen, meine Kapelle muss komplett sein und ich muss als Erster das Zirkuszelt erreichen. Wer zum Zelt kommt und eine der anderen Forderungen nicht erfüllt, muss eine weitere kleine Schleife am Spielplan ziehen.

Die Laufstrecke zeigt eine Vielzahl von Feldern, die jeweils einem Veranstaltungsort zugeordnet sind (unterbrochen von Schicksalsfeldern, an denen man eine Karte zieht, deren Anweisung man befolgt). Für das Vorrücken auf der Strecke haben wir stets drei Bewegungskarten zur Auswahl. Man kann allerdings auf das Vorrücken auch verzichten und an einem Ort eine zweite Aufführung machen. Das zeigt man an, indem man den Spielstein auf den Kopf stellt.

Am Zielfeld wird eine Aufführung gemacht (ausgenommen auf Schicksalsfeldern). Dies passiert, indem man die drei Würfel wirft. Der eine zeigt die verschiedenen Künstler und bestimmt so, wer auftritt. Die anderen beiden Würfel bestimmen, wie viel Praxis der Künstler bei diesem Auftritt sammelt. Allerdings geht nur einer der beiden Würfel in die Wertung ein. Welcher das ist, wird durch die Matrix auf der Wertungstabelle bestimmt. Das bedeutet...?
Nicht jeder Auftrittsort ist für jeden Künstler gleich gut geeignet. So etwa kann im Park der Jongleur sein volles Können zeigen, auch der Clown und der Turner sind nicht eingeschränkt. Der Zauberer hingegen hätte es lieber dunkel und der Raubtierdompteur wird die Löwen daheim lassen müssen und nur seine Nummer mit den dressierten Pudeln zeigen können. Es gibt also einen Würfel für gut passende Auftritte und einen für weniger passende Auftritte. Natürlich hat der Würfel für passende Auftritte wesentlich höhere Ergebnisse zu liefern (6-6-6-5-3-1) als der andere (4-3-3-2-2-1). Man markiert das Ergebnis auf der Zählleiste des entsprechenden Künstlers. Hat ein Künstler das obere Ende der Skala erreicht, also genügend Praxis für den Auftritt im Zelt gesammelt, bringen ab sofort drei oder mehr überzählige Punkte einen Musiker ein.

Ich denke, dass das Spielprinzip klar ist: ziehen, würfeln, Ergebnis eintragen. Ist das wirklich für alle klar? Naja, die anvisierten Spieler ab 7 Jahren tun sich manchmal etwas schwer, vor allem mit der Wertungsmatrix. Aber auch die Möglichkeit stehen zu bleiben und eine weitere Aufführung am vorigen Standort zu machen, stößt auf Unverständnis; man ist es gewohnt, dass man möglichst rasch zum Ziel kommen möchte!

Trotzdem haben Kinder ihren Spaß am Spiel und verlangen immer wieder danach. Es ist stets aufs Neue wieder ein Erfolgserlebnis, wenn ein Artist am Höhepunkt seiner Skala ankommt oder ein Musiker zur Band stößt. Die Kinder stören sich überhaupt nicht daran, dass keinerlei Interaktion zwischen den Spielern stattfindet; genausogut könnte man das Spiel alleine spielen und es auf möglichst wenig gebrauchte Züge anlegen. Das macht praktisch aber keinen Sinn, da mit den Würfeln eine recht hohe Glückskomponente dabei ist. Ich kann nicht gezielt darauf hinarbeiten, z.B. den Jongleur zu trainieren. Wenn ich ihn (oder den Joker) ums Verrecken nicht würfle, wird sich kein Fortschritt auf dieser Skala einstellen.

Die Spielidee entwickelte der Autor übrigens aus den Erfahrungen, die sich aus den Auftritten des Asamesischen Zirkus (ein Münchner Schulzirkus, dessen Leiter er ist) ergaben. Unter anderem war der Zirkus Krone sehr vom Spiel angetan, sodass er es ins Verkaufsprogramm seines Shops aufgenommen hat.

Spieletester

09.01.2010

Fazit

Zirkusfieber richtet sich grafisch vor allem an Kinder bzw. Familien. Das ist gut gewählt, da hier auch die Zielgruppe für das Spielprinzip zu suchen ist. Kinder mit ca. 7 Jahren können sich jedoch noch nicht alleine mit dem Spiel beschäftigen, weil die Wertungstabelle nicht so leicht zu handhaben ist und die Schicksalskarten gelesen werden müssen. Reine Erwachsenengruppen sind vom einfachen, glückslastigen Lauf-Würfel-Mechanismus langfristig nicht zu begeistern. Für ein Eigenverlags-Spiel (noch dazu das allererste) ist die Ausstattung inklusive Anleitung tadellos. Was ich noch als Tipp auf den Weg geben möchte: Man sollte sich vor der ersten Partie alle Schicksalskarten ansehen - sonst versteht man bei einigen den Sinn nicht sofort. ;-)
Redaktionelle Wertung:

Plus

Minus

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Besucherkommentare

Markus | 03.02.2010

Ein sehr schönes Familienspiel, bei dem man seine Chancen durch takitsche Überlegungen zwar erhöhen kann, aber auch jüngere Spieler die weniger taktisch vorgehen nicht chancenlos sind.

Maria | 21.11.2018

Esiste la versione in italiano? Vorrei acquistarla. Grazie

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 7 Jahren
Spieldauer: 30 Minuten
Preis: 25,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2004
Verlag: smada Verlag
Autor: Jürgen Adams
Genre: Wettlauf
Zubehör:

1 Spielplan, 3 Spezialwürfel, 4 Spielsteine (Zirkusdirektoren), 4 Wertungstabellen, 4 Zählleisten, 20 Holzwürfelchen, 37 Bewegungskarten, 14 Schicksalskarten, 20 Holzscheiben (Musiker), 1 Anleitung

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