KRIMI total - Der Duft des Mordes

„Gestern haben wir noch alle gemeinsam unbeschwert den 75. Geburtstages meines Schwiegervaters Alfred gefeiert. Doch in der Nacht wurde ein schreckliches Verbrechen verübt – mein Mann Georg ist heimtückisch ermordet worden!“, schildert die schockierte Witwe den Vorfall den anwesenden Gästen. Und einer von Ihnen muss der Mörder – oder die Mörderin – sein.

Dieses erste einer ganzen Reihe von Party-Rollenspielen aus dem Hause JMCreative gibt acht bis neun Spielern einen ganzen Abend lang ein spannendes Rätsel um einen unerklärlichen Mordfall auf. Denn jeder der Anwesenden ist verdächtig. Diese Ausgabe hat aber einen ganz besonderen Reiz: Denn eine der Rollen ist wirklich verdammt schwer zu spielen. Wessen das ist – und warum - wollen wir hier natürlich nicht verraten.

Zu allererst überlegt man sich, welche Gäste man für den Abend einladen möchte. Es gilt 8 bis 9 Rollen zu besetzen, davon vier weibliche und vier männliche. Die neunte Person, der Polizeiinspektor, kann sowohl männlich als auch weiblich sein. Er spielt eine optionale Rolle, die auch unbesetzt bleiben kann.

Hat man diesen Teil erledigt, kann man die Verpackung öffnen (zugegeben – das geht auch schon vorher ;o)). In einer Kassettenhülle verpackt befindet sich alles, was man für einen gelungenen Krimiabend braucht: Zum versenden der Einladungen liegen dem Paket fertig vorgedruckte Formulare bei. Wenn die geladenen Personen zusagen, werden ihnen ihre Rollenbeschreibungen zugeschickt. Diese sind in fest verschlossenen Kuverts deponiert. So können sich die Gäste bereits vor dem Abend auf das Setting, die Spielgeschichte und ihre Rolle vorbereiten und erfahren, welche Charaktere sie woher kennen, und welche der Mitspieler – besser gesagt deren Rollen – ihnen fremd sind.

Eines Abends ist es dann soweit: Alle Gäste finden sich in der Villa von Alfred Sänger ein. Ganz besonders effektvoll ist es, wenn alle Teilnehmer in entsprechender Verkleidung erscheinen, sich einander Vorstellen, und sich von Anfang an mit den Charakternamen ansprechen, ehe es zum gemeinsamen Abendessen bei Kerzenlicht kommt. Nun, da noch niemand den Spielablauf kennt, ist es für den Gastgeber an der Zeit, das Spiel zu erklären und die ersten Hinweise (wieder in fest verschlossenen Kuverts) auszuteilen. Von nun an nimmt das Spiel eigenständig seinen Lauf – einen Spielleiter in gewohnten Sinn gibt es nicht.

Das Spiel gliedert sich in sieben Runden. Die Erste haben wir mit dem gegenseitigen Vorstellen schon hinter uns gebracht. Nun kommt es zu Runde 2. Hier werden die Kuverts mit der Aufschrift „persönlicher Hinweis für …. – Runde 2“ geöffnet. In dem Kuvert findet jeder Spieler einige Hinweise: Was er gesehen oder gehört hat und einiges, was er sonst noch weiß. Alle Hinweise müssen in die Diskussion eingebracht werden. Ausgenommen davon sind Hinweise zur eigenen Person. Diese können verheimlicht werden – aber nur solange man nicht direkt darauf angesprochen wird. Denn auf alle Fragen muss wahrheitsgemäß geantwortet werden. Da natürlich nicht das gesamte Leben der Charaktere im „Drehbuch“ steht, muss man sehr viel improvisieren. Falls man dabei etwas sagt, das sich durch einen der späteren Hinweise als falsch herausstellt, erfordert es schon sehr viel Überzeugungsarbeit, den anderen klar zu machen, warum es nun doch nicht so ist, wie man ursprünglich behauptet hat. Natürlich kann man auch ganz plump sagen: „Das steht erst jetzt in meinem Hinweis“ – aber das diese Variante ist eher unlustig ;o).

Die Unterhaltung entwickelt sich von selbst, ein Wort ergibt das andere und viele der Hinweise greifen flüssig ineinander, so dass ein sehr angenehmes Gesprächsklima entsteht. Einige Hinweise jedoch passen nicht zum Gespräch. So kann es vorkommen das irgendwann Stille einkehrt, keiner mehr was zu sagen weiß, und plötzlich wird ganz unvermutet ein Brocken eingeworfen, der scheinbar nichts mit bisher Gesagtem zu tun hat. Meist eingeleitet mit einem „Übrigens, da fällt mir ein …“. Auch kann es manchmal passieren, dass die Spieler den Eindruck haben, das bereits alles gesagt ist, und dann plötzlich beginnt ein langes, neues und sehr aufschlussreiches Gespräch. Da ist es schon gut, wenn viele Getränke und vielleicht auch Knabbereien und Leckereien am Tisch stehen. Denn schon früh zeichnet sich ab, dass der Abend sehr lange dauern kann ….

Wenn alle Hinweise ausgetauscht sind, geht es weiter zu Runde Drei, in der noch ein paar Gerüchte eingestreut werden. Jeder zieht ein Gerücht aus dem Kuvert – man weiß nicht, ob es wahr oder falsch ist, was die Diskussion noch spannender macht. In Runde Vier und Fünf geht es mit weiteren Hinweisen weiter. Die Schlinge um den Kopf des Täters / der Täterin zieht sich immer enger. Dennoch bleiben ständig Zweifel, ob der Verdacht tatsächlich auf den/die RichtigeN fällt. Schlussendlich wird in Runde Sechs Anklage erhoben: Jeder schreibt seinen Verdacht und eine Begründung auf einen Zettel. Wir fanden die Alternative, dass auch die Anklage offen gespielt wird, also jeder seine Meinung mündlich kundtun darf, spannender. Das führt wiederum zu neuen Diskussionen und kann sogar so weit gehen, dass Beschuldigungen komplett umgedreht werden. Schlussendlich wird der / die Angeklagte vom Inspektor festgenommen. Ob sich die Mitspieler für die richtige Person entschieden haben, zeigt die siebente Runde: Nun wird die korrekte Lösung verlesen: Da das Spiel auf Unterhaltung und den Einsatz von Hirnschmalz aufgebaut ist, gibt es keinen „Gewinner“ im herkömmlichen Sinn. Dafür freut man sich umso mehr, wenn man den/die richtigeN TäterIn festgenommen hat.

Die Rolle des Inspektors, der vor jeder Hinweisrunde einen Polizeibericht vorliest oder über aktuelle Ermittlungen informiert, ist sehr klein. Dennoch steht dem Inspektor nichts im Wege, sich rege an der Diskussion zu beteiligen. Hinweise kann er leider keine einbringen.

In Summe ist das „Theater-Spiel“ in sich geschlossen und sorgt für einen spannenden und kniffligen Abend mit Freunden. In diesem Spiel fiel es uns jedoch besonders schwer, den Mörder (die Mörderin) zu entlarven. Zu unpräzise sind die Angaben, die sich jedoch beim Lesen der Auflösung als doch recht logisch herausstellen.

Unser Spieletest Tip I: Fangt möglichst früh an, zu spielen. Mit einem Beginn um 19 Uhr kann es schon passieren, dass man bis 1 Uhr Früh über den Akten sitzt und über den Mord sinniert. Einige Mitspieler werden Müde, andere unruhig. Das bringt einerseits noch mehr Atmosphäre vom „echten Leben“ ins Spiel, kann aber auch – vor allem mit weniger toleranten Mitspielern - mühsam werden. Darum ist es sicher kein Fehler, schon am späten Nachmittag zu beginnen.

Unser Spieletest Tip II: Bastelt Euch Namensschilder. Entweder als Tischkärtchen (diese kann man auch von der Homepage von JM Creative runterladen) oder in Form von Stickern, die ihr Euch anstecken könnt.

Spieletester

02.02.2006

Fazit

Auf der Jagd nach dem Mörder (der Mörderin) bleibt hier kein Raum für Langeweile. Im richtigen Outfit spürt man, wie sich die neureiche Atmosphäre im Raum ausbreitet und jeden einzelnen bis in die Knochen fährt. Es ist schaurig schön, mit der Gewissheit zu leben, dass eine(r) der Anwesenden ein brutaler Mörder ist …..
Redaktionelle Wertung:

Plus

Minus

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 8 bis 9
Alter: ab 16 Jahren
Spieldauer: 240 Minuten
Preis: 19,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2004
Verlag: KRIMI total
Genre: Party
Zubehör:

9 verschlossene Kuverts mit Rollenbeschreibungen 9 verschlossene Kuverts mit Hinweisen 1 verschlossenes Kuvert mit Gerüchten 1 verschlossenes Kuvert mit Anklage 1 verschlossenes Kuvert mit der Lösung 1 Grundriss der Villa 9 Einladungen 1 Gutschein für Fotoentwicklung Es gibt weitere Rollen und Zubehör, wie Tischkärtchen und Namensschilder, im Internet zum Download.

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