Ayar - Die Kinder der Sonne

Ayar lässt uns tief in die Legendenwelt der Inkas eintauchen, denn dies ist gleichzeitig der thematische Hintergrund dieses komplexen Expertenspiels.

Inka Mythologie

Die Spieler übernehmen während einer Partie jeweils die Führung einer Inka-Sippe und lernen von den vier Kinderpaaren der Sonne und des Mondes die grundlegenden Fähigkeiten des Webens, des Töpfers, des Maisanbaus und des Schilfbündelns. Gleichzeitig wollen die Sippen ihrerseits aber auch diese vier Paare dabei unterstützen, als letztes überlebendes Ehepaar das legendäre Inkareich zu gründen. Um dabei jedoch erfolgreich zu sein, ist neben einer effektiven Ausnutzung der Aktionen auch ein sehr gutes Timing bei den Abläufen gefragt. Während des gesamten Spieles werden Siegpunkte sowohl als Sonnen- als auch als Mondpunkte gesammelt. Allerdings gewinnt bei Ayar diesmal nicht derjenige Spieler, der den insgesamt höchsten Siegpunktwert vorweisen kann. Was am Ende der Partie allein zählt, ist der niedrigere Punktwert von Beiden, der dann hoffentlich höher ist als der aller Mitspieler. Klingt erst mal kompliziert, ist es aber letztendlich gar nicht.

Kompliziert? Nicht wirklich!

Kompliziert ist aber ein guter Aufhänger, denn der Einstieg in Ayar gestaltet sich schon aufgrund der vielen verwendeten Fremdwörter bzw. Fachbegriffe sehr spröde. Dabei sind die grundlegen Spielabläufe, wenn man sie erst einmal verinnerlicht hat, ziemlich einfach. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch im richtigen Timing der Aktionen. Jede der vier Spielrunden gliedert sich in eine Tag- und eine Nachtphase, wobei die Aktivitäten der Spieler in der Tagphase und die Wertungen in der Nachtphase ausgeführt werden.

In der Tagphase sind die Spieler reihum am Zug und aktivieren auf ihren Clantableaus das Haus- bzw. Tambo-Raster indem sie mit einer ihrer Schrittfiguren eine freie Spalte oder Zeile besetzen. Die Farbe der Schrittfigur gibt an, welche der vier Ayar Figuren sich auf ihrem speziellen Weg auf dem Andenspielplan bewegen soll und dabei Aktionsfelder freischaltet. Die Maske am Rand gibt vor, wie weit sie auf diesem Weg vorankommt und die Anzahl der freien Hausplätze bestimmt, mit welcher Stärke die gewählte Aktion im Anschluss ausgeführt werden darf. Für jede Spielerzahl gibt es eine eigene Maske. Dadurch laufen die Ayar-Figuren um so weiter, je mehr Spieler mitspielen, die mögliche Anzahl an Aktionen jedoch, um die sich alle Spieler balgen, bleibt in etwa gleich. Um auf dem Spielplan die eigentliche Aktion zu kennzeichnen, wird das gewählte Aktionsfeld mit einem Haus besetzt und dadurch nicht mehr wählbar

Vier Aktionen

Die vier Aktionen wirken jeweils wie Minispiele. Das Errichten schwimmender Schilfinseln ist eine Art Wettlauf, beim Anpflanzen von Mais geht es um Mehrheiten, beim Töpfern wird versucht Sets zu vervollständigen und das Weben von Teppichen ist hingegen ein kleines Puzzle auf dem eigenen Tableau. Zusätzlich gibt es noch einige Möglichkeiten, um Boni zu erlangen. Der spezielle Kniff des Spiels liegt allerdings im Auslösen spezieller Wertungen und der Überlegung, welchem Ayar-Paar man zu einer möglichst langen Existenz verhelfen will. Entlang der verschlungenen Pfade auf dem Spielplan werden zu Spielbeginn zufällig spezielle Wertungsplättchen für die vier Aktionen angeordnet. Diese werden aktiviert, sobald ein Ayar auf einem der beiden angrenzenden Pfade vorbeizieht.

In der Nachtphase scheidet zuerst derjenige Ayar aus, der auf seinem Weg am wenigsten vorangekommen ist und löst damit diverse Mondpunkt-Wertungen aus. Durch das Ausscheiden verringert sich Runde für Runde die Anzahl der möglichen Aktionen der Spieler, da sie immer jeweils eine Schrittfigur weniger haben. Auch auf dem gemeinsamen Spielplan sind dadurch weniger Aktionsmöglichkeiten verfügbar, denn nach jeder Runde wird ein kompletter Track mitsamt seinen Aktionen und Wertungsplättchen aus dem Spiel genommen.

Nachdem alle Wertungen der vierten Spielrunde ausgeführt wurden, werden die Sonnen- und Mondpunkt der einzelnen Spieler miteinander verglichen. Derjenige Spieler, der mit seinem weiter hinten liegenden Marker die höchste Punktzahl erreicht hat, gewinnt die Partie.

Spieletester

Fazit

Ayar bereitet den Spielern anfangs ein Wechselbad der Gefühle, da es sich nicht eindeutig verorten lässt. Die Einstiegshürde ist durch die vielen Fremdwörter unnötig hoch, danach meint man ein recht einfaches Spiel auf dem Tisch zu haben. Bis man mit der Zeit und zunehmender Spielerfahrung immer mehr Zusammenhänge begreift und beginnen kann, an vielen Stellschrauben zu drehen. So ist z.B. gerade zu Beginn einer Partie die Analyse der Position der Wertungsplättchen enorm wichtig.

Ian O'Toole hat dem Spiel mit seinen Illustrationen passend zum Thema einen unverwechselbaren Charme verliehen. Allerdings ist es durch die gewählte Farbpalette gerade anfangs nicht immer einfach, Symbolsprache und Illustrationen auseinander zu halten. Die Materialqualität und –Menge lässt keine Wünsche offen, das einzige was mir wirklich fehlt sind zusätzliche Hintergrundinfos zum Thema, die über die wenigen Absätze in der Spielregel hinausgehen. Hier wurde leider einiges an Potential verschenkt.

Ayar hat nicht nur durch seine zufällige Startaufstellung einen sehr hohen Wiederspielwert, auch verschiedene Strategien sind möglich und können zum Spielgewinn führen. Wichtig ist in jedem Fall das richtige Timing der eigenen Aktionen und der Wertungen.

Für alle Fans komplexer Expertenspiel ein empfehlenswerter Leckerbissen mit unverbrauchtem Thema und spannenden Spielmechanismen, abseits der üblichen Abläufe. Genügend Zeit, um die Spielmechaniken zu verstehen und für die eigene Strategie nutzen zu können ist jedoch notwendig.

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • spannende Verzahnung von Spielmechanismen
  • interessante grafische Gestaltung
  • gut an verschiedenen Spielerzahlen anpassbar
  • viele Strategien möglich
  • sehr hoher Wiederspielwert

Minus

  • hohe Einstiegshürde auch aufgrund der verwendeten Fremdwörter
  • leider nur wenige Hintergrundinfos zum eigentlichen Thema des Spiels
  • sehr steile Lernkurve

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 1 bis 4
Alter: ab 14 Jahren
Spieldauer: 60 bis 90 Minuten
Preis: 55,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2026
Grafiker: Ian O'Toole
Zubehör:

Spielregel

Spielplan (Anden)

Seeplan (doppelseitig)

8 Raymiplättchen

30 Keramikplättchen

40 Lamaplättchen

40 Wiraquchaplättchen

64 Webereiplättchen

4 Ayar-Paare (weiblich & männlich, Holz, verschiedenfarbig)

Knotenplättchen (Startspieler)

4 Intischeiben (Punktezähler)

16 Bonusplättchen (je 4 in den 4 Spielerfarben)

16 Tempelplättchen (je 4 in den 4 Spielerfarben)

4 Schrittmasken (in den 4 Spielerfarben, doppelseitig)

4 Clantableaus (in den 4 Spielerfarben, doppelseitig)

4 Siegpunktmarker Sonne (Holz, in den 4 Spielerfarben)

4 Siegpunktmarker Mond (Holz, in den 4 Spielerfarben)

24 Inselplättchen (je 6 in den 4 Spielerfarben)

4 Spielhilfskarten

4 Boote (Holz, in den 4 Spielerfarben)

64 Tambos (Holz, je 16 in den 4 Spielerfarben)

88 Mais (Holz, je 22 in den 4 Spielerfarben)

20 Schrittfiguren (je 5 in den 4 verschiedenen Ayar Farben und eine Jokerfarbe)

8 Meilensteinplättchen (je 2 in den 4 Spielerfarben)

Solospiel:

5 Aktionsmarker

4 Solotableaus (Rückseiten der Clantableaus)

1 Stoffbeutel

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