Erste Zahlen

Tiptoi hat sich mittlerweile auf dem Markt etabliert und bietet eine Vielzahl spannender und lehrreicher Bücher. Mit „Erste Zahlen” zielt man auf Knirpse ab, die gerade mit dem Rechnen beginnen wollen.

In insgesamt sieben Situationen werden dem tiptoi Spieler (und der Spielerin – zwecks Lesbarkeit fortan nur Spieler genannt) die Zahlen bis Zehn näher gebracht. Zu lernen gibt es das Aussehen der Zahlen, ihre Namen und Reihenfolge, und in welchen Zusammenhängen uns Zahlen begegnen können. So werden beispielsweise Zuhause die Bälle gezählt oder die Zutaten für den Kuchen gewogen, im Zoo die Tiere gezählt, im Garten Blumen und Ballons beobachtet, im Kindergarten die Stiegen rauf und runter marschiert, beim Einkaufen Güter des täglichen Gebrauchs in das Einkaufswagerl gelegt und beim Geburtstagsfest Topfschlagen gespielt oder über das Alter philosophiert.

Zwischendurch: Werbung

Die Abschlussseite beinhaltet nochmals alle Zahlen als Tupfen auf Marienkäfern, Stiche auf Kreidetafeln, geschrieben und als Blümchen. Es handelt sich hier um eine „Expertenseite”. Auf dieser letzten Seite kann das Wissen getestet werden. Denn als Aufgabe kann zwischen Erkennen, Addieren und Subtrahieren gewählt werden.  

Leider ist diese Doppelseite durch Werbung unterteilt. Prinzipiell ein nachvollziehbarer Gedanke, dem Kind Lust auf mehr zu machen. Doch schade ist zum einen, dass die Werbung für andere Bücher mit dem Stift nicht interaktiv angetippt werden kann. Es wäre doch schön, immer einen kleinen Auszug aus dem Buch zu hören. Zum anderen wird empfohlen, die Seite mit einer Schere herauszutrennen. Das hat den Vorteil, dass man nicht ständig herumblättern muss, um die verdeckte „Expertenseite” nutzen zu können.  Aber warum empfiehlt Ravensburger Kindern ab 4 Jahren, mit einer Schere zu arbeiten? Der Kinderreim „Gabel, Messer, Schere, Licht ist für kleine Kinder nicht” drängt sich hier auf. Und was ist mit dem unschönen weißen Streifen, der dann mitten auf der Expertenseite herumsandelt? Einfacher und sicherer wäre es, würde empfohlen, diese Seite, die als Wunschzettel zum Anhaken konzipiert ist (Chapeau!) einfach heraus zu reißen.

Die klassischen Kategorien und die Bedienbarkeit

Wie bei allen tiptoi Spielen muss der Stift vor der ersten Nutzung über den tiptoi Manager mit den Sounddaten bespielt werden. Diese werden online herunter geladen und per USB auf den Stift übertragen. Ist das – sehr einfach und problemlos auf PC oder Mac – geschehen, muss das Buch vor dem Spiel mit einem kleinen Symbol auf der ersten Seite aktiviert werden. Dies weist dem Stift die richtige Sounddatei zu.

Nun kann es losgehen. In Summe gibt es pro Seite (meist) die drei tiptoi Kategorien „Entdecken” „Aufgabe” und „Spielen”. Die jeweilige Kategorie wird durch Symbole am Seitenrand aktiviert. Danach passiert bei

  • Entdecken: Der Stift macht die entsprechenden Geräusche oder erzählt ein wenig über jene Dinge, auf die er gerichtet wird
  • Aufgaben: Der Stift lässt aus bis zu vier Aufgaben pro Seite wählen. In diesem Buch beschäftigen sich alle mit finden und zählen von Dingen
  • Spielen: Der Stift leitet ein Spiel pro Seite an. Auch hier geht es primär um das Finden und Zählen von Dingen.

Das Gute zuerst: Das Repertoire an Sounds ist wie bei tiptoi üblich sehr groß. Einzig bei den Geschenken, die sich grafisch über ein Drittel einer Seite erstrecken, ist hinter jedem Packerl der gleiche Text hinterlegt. Der Stift reagiert generell sehr schnell und präzise. Hier gibt es nichts zu meckern. Nur selten trifft man auf so reibungslos funktionierende Technik wie diese.

Doch es wäre zu schön, wenn es an der Steuerung gar nichts auszusetzen gäbe. Und so muss hier erwähnt werden, dass das Gerät lange Monologe immer wieder (unnötig) wiederholt. Das nervt, zumal diese nicht abgebrochen werden können. Wählt man beispielsweise das Symbol für „Spiel”, erklärt der Stift, dass man nun in der Spielewelt ist, sowie den Ablauf des Spiels. Soweit so gut. Ist man das schnelle Spiel durch, kommt die Aufforderung, nochmals zu spielen. Gerne sagt man da ja. Doch leider wird der Spielspaß schnell genommen, denn man muss sich erneut rund eine halbe Minute anhören, dass man nun in der Spielwelt ist und wie das Spiel funktioniert. Aber auch innerhalb der Spiele (und Aufgaben) sind die Texte oft unnötig redundant. Ein Beispiel aus dem Würfelspiel, indem es darum geht, drei Mal hintereinander zwei genannte Würfel anzutippen : „Leo würfelt eine Eins und eine Zwei. Tippe jetzt die beiden Würfel an und dann das Ergebnis im Kreis”. Bereits in der Anleitung kam die Info, was zu tun ist. Nach jedem „Würfel-Wurf” muss erneut die Anleitung angehört werden, ehe man auf die beiden Würfel tippen kann. Das nimmt sehr viel vom Spielspaß. Denn vor dem Lösen der Aufgabe, die in rund 3 Sekunden erteilt sein könnte (was zu tun ist, weiß man ja bereits), muss man dennoch immer wieder rund 10 Sekunden der Anleitung lauschen, ehe man tatsächlich interagieren darf.

Auf der anderen Seite passiert an manchen Stellen das genau Gegenteil: Aufgaben-Anweisungen  sind hier nicht wiederholbar, wenn man sie nicht verstanden hat. Weder durch Antippen des Gegenstandes („Da hast Du schon getippt”) noch durch das Anklicken des Wiederholungs-Symbols („Da hast Du schon getippt”). Da bleibt dann nur der Spiel-/ Aufgabenabbruch.

Das Dilemma mit der Sprache 

Für uns Österreicher kommt zu dem an und für sich recht guten Buch das Dilemma der Sprache. Es wimmelt überproportional an deutsch-deutschem Vokabular.  Das reicht vom Aprikosenkuchen (Marillenkuchen) über das Handtuch (Geschirrtuch), dem auspusten (ausblasen) der Kerzen, und das hoch laufen (rauf gehen) der Teppe (Stiege) bis hin zur unterschiedlichen Verwendung der Vergangenheitsformen: „Das hattest Du schon in die Tüte gepackt” (Das hast Du schon ins Sackerl/in die Tasche gesteckt). Die Beispiele ließen sich hier schier endlos fortsetzen. Was uns am meisten, weil am öftesten vorkommend, stört: In Österreich sind die Zahlen männlich (der Einser), in Deutschland weiblich (die Eins).  Für einen Österreicher ist das Anhören vieler Passagen leider ein Graus und es würde uns freuen, gäbe es zumindest von diesem Buch eine eigene Österreich-Edition.

Was uns an den Audio-Dateien zudem stört, sind die von Erwachsenen mit verstellter Stimme gesprochenen Kinderstimmen. Diese wirken sehr „infantil” (nicht im passenden, sondern im negativen Sinn), um es höflich zu umschrieben. Was nicht nur an der merkwürdigen Aussprache, sondern auch an dem teils sehr (sehr!) niedrigen Sprechtempo liegt. Witzigerweise spricht der Dreijährige flüssiger, schneller, kompetenter und „rauher” als seine fünfjährige Freundin - der man vermutlich ein Sprachdefizit attestieren würde.

Spieletester

02.06.2018

Fazit

Ein durchaus sehr nett gemachtes Buch, das den Kindern auf spielerische und anschauliche Weise den Umgang mit Ziffern und Zahlen näher bringt. Es ist kurzweilig gehalten, bringt aber deutliche Schwächen aufgrund der hohen Redundanzen mit sich. Die immer wiederkehrenden Erklärungen von Dingen, die man nach dem ersten Durchlauf ohnehin schon weiß, trüben den Spielspaß stark. Für Österreicher sind zudem deutlich zu viele deutsch-deutsche Wörter im Text, so dass Österreichern, die Wert auf ihre Sprache und Kultur legen, vom Lernen der Zahlen mit diesem Buch abgeraten werden muss.

Hinweis: Unsere Rezension widmet sich der Version aus dem Jahr 2017, erschienen als 11. Auflage bei Ravensburger.

 

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • Sehr viele Zahlen in sehr unterschiedlichen Anwendungsbereichen
  • Nicht nur Zahlen, auch Einheiten (zB Kilo, Grad, Euro) werden erwähnt
  • Lernen von Aussehen, Klang und Anzahl von Zahlen bis 10, lernen des zählen und Basis-Rechnen

Minus

  • Für österreichische Kinder nicht geeignet: Die Anzahl an Deutsch-Deutschen Vokabeln ist überdurchschnittlich hoch
  • Langwierige und langweilige Wiederholung von Aufgaben, die nicht übersprungen werden können
  • Von Erwachsenen mit verstellter Stimme relativ schlecht gesprochen
  • Enthält Werbung, die jedoch nicht Tiptoi-fähig ist

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Besucherkommentare

Hans K. | 07.11.2019

Für Österreicher ein Graus! Jedes Mal wenn mein Kind das Buch spielt, möchte ich es ihm unverzüglich wegnehmen. Jeden zweiten Satz muß ich in Österreichisch nachsprechen. Einfach furchtbar. Warum gibt es keine Österreich Version?

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 1
Alter: ab 4 Jahren
Preis: 20,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2017
Verlag: Ravensburger
Autor: Eva Odersky
Grafiker: Silke Voigt
Zubehör:

Keines
Als Download: über 1800 Tondateien für den nicht im Lieferumfang enthaltenen Tiptoi Stift

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