Beasty Bar

Wie das (Party)Leben so spielt: Da denkt man es wäre ein Leichtes in seine Lieblingsbar zu kommen, doch schon macht einem ein anderer Partylöwe einen Strich durch die Rechnung. Schneller als man denkt landet man in der Gosse. Dabei wollen sich doch möglichst viele Mitglieder des eigenen Clans in der wohl beliebtesten Kneipe der Stadt treffen.

Haptik und Optik

Schon das Cover des Spiels fällt durch seine charmant witzige Verpackung auf: Das menschliche Party-Gehabe wurde tierisch gut aufs Papier gebracht. Zwar stehen alle Tiere noch brav in Reih und Glied, doch das große Messerwetzen beginnt bereits. Nur der Gorilla weiß, dass er die Macht hat über Bar oder nicht Bar und steht lässig am Zoch-Logo abgestützt vor dem Heavens Gate, dem Tor zur Glückseligkeit.

Die grandiosen Zeichnungen von Alexander Jung machen jede einzelne Karte zu einem Angriff auf die Schmunzelmuskeln der Spieler. Selbst nach zahlreichen Runden des faszinierend einfach-gemeinen (im doppelten Sinn) Spiels haben die Grafiken immer noch ihre hämisch freche Wirkung.

Die Verarbeitung der 12 x 8 Zentimeter großen Karten lässt nicht zu wünschen übrig und sorgt damit für langanhaltenden Spielspaß. Und der ist garantiert.

Regelwerk und Umsetzung

Acht Seiten Regelwerk schrecken anfangs ab, doch in Wirklichkeit ist alles ganz einfach! Beasty Bar ist ein sehr simples Legespiel – einzig die Eigenschaften der zwölf Tiere sollte man sich merken. Um das leichter von der Gehirnwindung gehen zu lassen, sind die Aktionen auch auf den jeweiligen Karten dargestellt. Leider allerdings nicht immer ganz verständlich und noch leiderer nicht immer vollständig: So fehlt eine Regel auf der Affen-Karte vollständig, was während der ersten Spielrunden durchaus zu Verwirrung führen kann. Denn die „vergessene“ Regel ist durchaus mächtig – schmeißt sie doch sehr robuste Tiere einfach aus der Warteschlange.

Doch das war’s auch schon an Kritikpunkten – wir können uns nun dem simplen Regelwerk zuwenden:

Die Karten „Das war’s“ und „Beasty Bar“ bilden den Rahmen des „Spielfelds“. An sie angrenzend werden die Karten „Rauswurf“ und „Heaven’s Gate“ gelegt. Dazwischen bleibt Platz für fünf Karten der Spieler.

Jeder Spieler mischt seine zwölf Tierkarten und nimmt vier davon auf die Hand. Diese vier Gesellen versuchen nun in die Bar zu kommen. Dies geschieht, indem der aktive Spieler eine seiner Karten wählt und an die nächste freie Position in der Warteschlange vor dem Heaven’s Gate anlegt.
Sobald fünf Tiere in der Warteschlange sind, dürfen die vordersten zwei in die Bar, das letzte Tier hingegen landet in der Gosse. Die zwei übrigen Tiere rücken nach und sind nun die vordersten in der Reihe.

Das war’s. Klingt simpel, ist es auch. Doch wäre es langweilig, hätte nicht jedes der Tiere eine Fähigkeit, die es so manchem Mitbewerber gegenüber überlegen macht. Und hier beginnt die fiese Rangelei. Das Kroko beißt sich schlicht durch alle wartenden hindurch und schmeißt sie raus, um rücksichtslos nach vorne zu kommen. Doch vor dem König der Tiere und der fetten Nilpferddame hat es dann doch ausreichend Respekt und stellt sich hinten an. Respekt ist ein Wort, das den Affen völlig fehlt: Sie springen dem Kroko einfach auf den Kopf und schmeißen es raus. Aber nur wenn sie zumindest zu zweit unterwegs sind. Das Känguru hüpft einfach frech dazwischen und der Papagei verpfeift andere Tiere, um sie aus der Schlange zu bekommen. Die Nilpferddame trampelt sich einfach an allen schwächeren Tieren vorbei. Das unscheinbare Stinktier hätte mit drängeln wohl keine Chance, Deshalb stinkt es einfach vor sich hin, was den zwei größten angestellten Tieren gar nicht passt – sie flüchten sich in die Gosse und schon sieht die Warteschlange ganz anders aus. Fies ist auch das Chamäleon. Es ist zwar schwach, kann sich aber beim Eintreten in die Warteschlange als jedes andere Tier ausgeben und übernimmt dabei auch seine Eigenschaften. Für genau diesen Spielzug. Es wäre also sehr dumm von ihm, sich als ein mächtiges Tier auszugeben, sich damit weit nach vorne zu drängen, und dann, wenn es sich als Chamäleon enttarnt, gleich wieder von wartenden Stärkeren gefressen zu werden.

Besonders hinterhältig ist die Robbe: Sie vertauscht den Einlass mit dem Rauswurf und dreht – im wahrsten Sinn des Wortes – den Spieß um. Das kann gut ausgehen für das graue Tier, muss aber nicht: Denn manche der Viecher haben Eigenschaften, die nicht nur einmal, beim Eintreten in die Schlange, ausgeführt werden, sondern nach jedem Spielzug. Steht also beispielsweise das Kroko ganz vorne in der Warteschlange und dreht die Robbe die Positionen um, so frisst es sich ungeniert von hinten nach vorne und hinterlässt ein ziemliches Massaker, dem auch die Robbe zum Opfer fällt.

Spieletester

14.01.2015

Fazit

Beasty Bar ist eines der gemeinsten und fiesesten Spiele aller Zeiten, das mit wenigen Regeln auskommt und immer wieder Spaß macht. Mit einer Spieldauer von rund 20 Minuten ist es gut als „Lückenfüller“ geeignet, tendenziell wollen die Spieler jedoch gerne eine Revanche, und so kann es schon mal zu einer abendfüllenden Party-Orgie ausarten. Am geeignetsten ist das Spiel mit vier Spielern. Zu dritt ist es durchaus noch unterhaltsam. Zu zweit hinkt es etwas, da man immer nur einem Spieler gegenüber fies sein kann, und das ist auf Dauer nicht so prickelnd. Wer also gerne in einer Vierergruppe richtig fies sein möchte, ohne lange über Regeln nachzudenken und dennoch nach einem anspruchsvollen Spiel sucht, der ist in der Beasty Bar genau richtig. Die 15 Euro in der Anschaffung sind durch den enthaltenen Spielspaß durchaus gerechtfertigt.
Redaktionelle Wertung:

Plus

  • Grafik
  • Interaktion
  • Wiederspielreiz

Minus

  • „Fehlerhafte“ Affenkarte

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 8 Jahren
Spieldauer: 20 Minuten
Preis: 15,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2014
Verlag: Zoch
Autor: Stefan Kloß
Grafiker: Alexander Jung
Genre: Glück
Zubehör:

48 Tierkarten (je 12 pro Spieler) 1 Heavens Gate Karte 1 Rauswurf Karte 1 Beasty Bar Karte 1 Das wars Karte 4 Übersichtskarten (je 1 in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch)

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