The Manhattan Project

Dieses Spiel ist nur in englischer Sprache erhältlich..

Wer etwas in jüngerer Geschichte bewandert ist wird wissen, dass das Manhattan Project nichts mit dem New Yorker Bezirk zu tun hat, sondern der Tarnname war, unter dem in den 1940er Jahren in den USA der Bau der Atombombe unter Leitung des Physikers J. Robert Oppenheimer vorangetrieben wurde.

Geschichtsstunde beendet, hinein ins Spiel – in dem wir Atombomben bauen, was auch sonst?
Wer sich an dem Thema stört, sollte nicht zu zimperlich sein, denn dieses ist ein wenig aufgesetzt, trotzdem sehr gut implementiert. Auch wenn das ein Widerspruch zu sein scheint. Und schließlich bauen wir die Dinger nur, lassen unter Umständen mal eine zu Testzwecken hochgehen, mehr nicht.

Schon der Anblick des Spielmaterials macht Lust auf das Spiel. Ein kleiner, hübscher Spielplan im „Retro-Look“, sehr dicke, handliche Pappmarker für Arbeiter, Ingenieure und Wissenschaftler (da letztere mit ihren dicken Brillen etwas wie Aliens oder Insekten aussehen, werden sie von uns spaßeshalber auch öfter „Ameisen“ genannt), ein Stapel kleiner Gebäudekarten, Geldmünzen, Schadensmarker, Bombenmarker und gelbe Holzklötzchen („Yellowcake“ = schwach angereichertes Uran als Grundstoff für die Bomben) vervollständigen das reichhaltig, aber nicht übermäßig anmutende Spielmaterial. Nicht zu vergessen schlichte Spielertafeln als Ablage für Gebäude und Anzeige eigener Jäger und Bomber, schließlich gibt es noch Bombenkarten.

Die englischsprachige Regel ist gut strukturiert, fehlerfrei, nicht zu lang – kurzum perfekt wie das gesamte Spiel, um schon mal vorzugreifen.

Los geht’s, wir basteln Atombomben. Wer an der Reihe ist, hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder setzt er einen seiner Leute auf den Spielplan, wenn er möchte (man möchte immer) und beliebig viele auf seine Gebäude, oder er nimmt alle seine eingesetzten Männer zurück.

Der Spielplan dient nur der Auswahl bestimmter Aktionen, z. B. eine der ausliegenden Gebäudekarten kaufen, Geld erhalten, Yellowcake erhalten, einen Ingenieur ausbilden usw. Das wird praktisch fortgesetzt durch den Einsatz auf den eigenen Gebäuden: Auch hier z. B. Yellowcake gewinnen, Ausbildung durch Universitäten, Uran oder Plutonium gewinnen, Jäger- oder Bombergeschwader ausbauen usw. Das ist alles vorbildlich piktografisch dargestellt, nach kurzer Erklärung weiß jeder, wo es worum geht, toll! Auf manche Felder bzw. Gebäudekarten können beliebige Leute gesetzt werden, auf andere nur Ingenieure und/oder Wissenschaftler. Mit kleiner Mannschaft fängt jeder Spieler an, hat er schließlich alle eigenen Leute ausgebildet (d. h., zur Verfügung), gibt es noch neutrale „Leiharbeiter“ (Arbeiter, Ingenieure, Wissenschaftler), die jeweils nur kurzzeitig angeheuert werden können.

Der grundsätzliche Unterschied zwischen dem Spielplan und den Spielertafeln besteht außer den verschiedenen, wenn auch teilweise ähnlichen Möglichkeiten darin, dass man auf dem Spielplan den jeweiligen Platz für andere solange blockiert, bis man seine gesamte Mannschaft zurückruft. Diese Blockade gilt in eingeschränktem Maße aber auch für die Gebäude der Spieler, denn wer Spione einsetzt, kann auch Gebäude anderer Spieler nutzen und diese dadurch zweitweise blockieren. Ebenso blockiert man natürlich die eigenen genutzten Gebäude für die Spione anderer.

Spione sind eins der witzigen, kleinen Details, die dieses reinrassige, spannende Worker Placement-Spiel anreichern (so wie Yellowcake zu Uran angereichert wird, haha!). Mit Bombern kann man die Gebäude anderer Spieler beschädigen, die dann nicht mehr genutzt werden können, bis sie wieder repariert sind – Menschen kommen nicht zu Schaden. Allerdings muss zunächst die Jägerflotte eines Gegners zerstört werden, um ihn bombardieren zu können. Dieses „kriegerische“ Element kam bei uns meist wenig zum Tragen, ist Krieg doch immer teuer und wer sich gut mit Jägern schützt, wird auch meist in Ruhe gelassen. Ein völlig sorg- und schutzloser Bombenbauer kann jedoch schnell zum beliebten Opfer werden.
Wer die billigste Gebäudekarte kauft oder mit Ingenieur umsonst erhält, bekommt auch das Geld aus dem Bestechungstopf, das durch bestimmte Aktionen zusätzlich dorthin gelangt. In manchen Fällen bekommt nicht nur der aktive Spieler etwas, sondern auch alle anderen – ein ganz kleines kooperatives Element am Rande.
Ein weiteres „liebevolles“ Detail sind die Bombenkarten und der Umgang damit. Der einzige Fall, in welchem zwei Leute auf den Spielplan gesetzt werden, ist die Planung eines Bombenbaus. Der Spieler nimmt die ausliegenden Bombenkarten, sucht sich eine aus, reicht sie nach links weiter, der Spieler sucht eine aus usw., bis schließlich der aktive Spieler auch noch die letzte, also insgesamt zwei erhält.

Zusätzlich zur Aktion Einsetzen oder Zurücknehmen kann man jederzeit im eigenen Spielzug beliebig viele sogenannte Bombenaktionen ausführen: Eine Bombe bauen heißt, die Bombenkarte mit den dafür benötigten Ingenieuren und Wissenschaftlern und Uran oder Plutonium auszulegen (beide Elemente durch Zählleisten auf dem Spielplan dargestellt). Gebaute Bomben, und praktisch nur die, bringen mehr oder weniger fette Siegpunkte. Plutoniumbomben zeigen zwei Siegpunktwerte. Wer eine solche hochgehen lässt, ist die Karte wieder los, nimmt dafür einen Testmarker, der auch Siegpunkte bringt, und fortan zählen alle eigenen P-Bomben die höhere Siegpunktzahl! Schließlich kann man noch Bomben laden, was Geld kostet, jeweils fünf Siegpunkte bringt und die eigene Bomberflotte um einen Flieger reduziert (der jetzt nicht mehr mit konventionellen Bomben andere Gebäude beschädigen kann).

Das mag sich für den einen oder anderen etwas martialisch anhören, ist es aber gar nicht. The Manhattan Project ist ein lupenreines Worker Placement-Spiel mit Entwicklungselementen, in dem immer wieder der eigene Zähler durch das Zurücknehmen meiner Leute (und damit verbunden der „Leiharbeiter“) auf Null gestellt wird, jedes Mal auf höherem Niveau. Es scheint manchmal, als passiere lange nichts, wenn alle nur ihre Bombenkarten sammeln, bis dann auf einmal eine nach der anderen gebaut wird und Bumm!, ist das Spiel beendet, denn es können schon zwei Bomben und vielleicht eine Ladung reichen, um die zum Spielsieg nötigen Siegpunkte zu erhalten.

Spieletester

19.07.2014

Fazit

Die Verzahnungswege sind kurz und übersichtlich, aber sehr effektiv, der Spielfluss ist recht schnell, und Interaktions- sowie Ärgerfaktor sich auch gegeben. The Manhattan Project ist ein wahrlich bombiges Spiel, bei dem einfach alles stimmt und kann, wenn alle es kennen, auch in deutlich weniger als den angegebenen zwei Stunden gespielt werden, die so oder so nie langweilig werden. In einem etwas schrägen Vergleich möchte ich sagen, dass es dem Autor Brandon Tibbetts gelungen ist, ein rundum sattes, voll überzeugendes Spiel zu schaffen, so wie es Robert Oppenheimer und Kollegen gelungen ist, eine perfekte Vernichtungsmaschine zu schaffen. Die bleibt besser unangetastet, während dieses Manhattan Project gar nicht oft genug auf den Spieltisch kommen kann! Die kleine „Nations“-Erweiterung gibt jedem Spieler eine spezielle Karte, die nur er nutzen kann und ist eine zwar nicht nötige, aber nette „Anreicherung“. Solche Spielbomben liebe ich!
Redaktionelle Wertung:

Plus

Minus

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Besucherkommentare

Ferdinand Köther | 12.08.2014

Seit kurzem oder zumindest sehr bald (ein genaues Datum ist mir nicht bekannt) ist das Spiel auch als deutsche Ausgabe bei Asmodee erhältlich.

Ugh | 15.06.2017

Es gibt das Spiel als App, hier der Android - Playstore-Link: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.domowiczcg.manhattanproject

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 5
Alter: ab 13 Jahren
Spieldauer: 120 Minuten
Preis: 35,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2012
Verlag: Minion Games
Genre: Taktik
Zubehör:

1 Spielplan, 5 Spielertafeln, 50 Gebäudekarten, 30 Bombenkarten, 10 Bombenladungsmarker, 16 Schadensmarker, 48 Münzenplättchen, 40 Yellowcake Klötzchen, 5 Jägermarker in 5 Farben, 5 Bombermarker in 5 Farben, 24 Arbeiter (4 pro Spielerfarbe und 4 neutrale), 24 Ingenieure (4 pro Spielerfarbe und 4 neutrale), 24 Wissenschaftler (4 pro Spielerfarbe und 4 neutrale), 15 Spielermarker (3 pro Spielerfarbe)

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