Vor den Toren von Loyang

“Das Erste wird das Dritte sein.“ Sie verstehen den Spruch nicht? Das ist, zugegebenermaßen, auch ein wenig schwierig. „Vor den Toren von Loyang“ war ursprünglich das erste Spiel, welches von Uwe Rosenberg für die so genannte Ernte-Trilogie entwickelt wurde. Da allerdings die Zeit und der Massengeschmack dem Autor damals noch nicht reif für dieses Spiel schienen, wurden die Veröffentlichungen von Agricola und Le Havre vorgezogen.

Loyang ist eine fast 2000 Jahre alte Stadt in China, welche von verschiedenen historischen Dynastien als Hauptstadt genutzt wurde. Solcherart Aufstieg und der damit verbundene Bevölkerungsaufschwung bedingte natürlich unmittelbar eine funktionierende Lebensmittelversorgung. Und genau darum geht es in diesem Spiel. Die bis zu vier Spieler schlüpfen in die Rolle von Bauern, welche auf immer mehr Feldern bis zu 6 unterschiedliche Nahrungsmittel anbauen. Diese werden nach der Ernte dann möglichst gewinnbringend an Stammkunden oder Laufkundschaft in der Stadt verkauft.

Das Spiel kennt keinen gemeinsamen Spielplan, sondern jeder Spieler hat ein separates T-förmiges Spieltableau, auf welchem sich der so genannte „Wohlstandspfad“ und der Laden des Bauern befinden. Dazu kommen, in alt bewährter Art und Weise, noch jede Menge Karten und Holzspielsteine.

Gespielt wird über insgesamt 9 Runden, jeweils drei Phasen bestehend: der Erntephase, der Kartenphase und der Aktionsphase. Die Bauern starten mit einem in 9 Segmente gegliederten Stammfeld, welches zu Beginn mit einer gewählten preiswerten Gemüseart bepflanzt wird. Gleichzeitig dient dieses Feld als Rundenanzeiger. Im Verlauf des Spiels erhalten die Bauern in jeder Runde ein zufällig gezogenes, neues Feld zur Bepflanzung dazu. Dabei können kleine Felder mit teureren Gemüsesorten, große Felder hingegen nur mit preiswerten bepflanzt werden.

In der Erntephase erhalten die Bauern neue Felder und können auf bereits bestellten Feldern jeweils ein Gemüse abernten und auf ihren Transportkarren verladen. Komplett abgeerntete Felder kommen aus dem Spiel. In der Kartenphase erhalten die Spieler über einen bestimmten Verteilermechanismus Aktionskarten. Das können Stammkunden, Laufkunden, Helfer, Marktstände oder zusätzliche Felder sein. Die beiden Aktionskarten müssen ausgelegt werden und greifen sofort ins Spiel ein. In der Aktionsphase können die Spieler beliebig viele Aktionen ausführen. Hier werden z.B. die Kunden bedient, Marktstände beliefert, Helfer in Anspruch genommen und natürlich Saatgut gekauft und auf den Feldern ausgesät. Sollten nach dem Ende der Aktionsphase noch Gemüsesteine auf dem Karren übrig sein, so können diese bis zu bestimmten Obergrenzen auch in einem Lager eingelagert werden. Und natürlich kann jederzeit während des Spiels ein Kredit aufgenommen werden, mit den damit verbundenen Nachteilen, versteht sich. Zum Ende der Runde setzt jeder Spieler seinen Wertungsstein noch auf dem Wohlstandspfad vorwärts. Ein grundlegender Schritt je Runde kostet eine Geldeinheit. Jeder weitere Schritt kostet so viel, wie der Wert, welcher auf dem nächsten Feld aufgedruckt ist, angibt. So sind zwar zusätzliche Schritte zu Beginn eines Spiels recht preiswert, der Wohlstandspfad geht bis zum Feld 20, jedoch benötigt man das Geld meist dringend anderweitig, um z.B. Saatgut zu kaufen und seine Landwirtschaft in Schwung zu bringen.

Man merkt es schon, das Spiel ist wieder ein „typischer“ Rosenberg geworden. Ein Mangel- und Optimierungsspiel in Reinform. Es spielt sich allerdings komplett anders als Agricola und Le Havre und will diese in keiner Weise ersetzen. Der Zugang ist leichter, da die Spielregel deutlich kürzer ist als bei den anderen beiden Spielen. Leider ist der Layouter bei der Gestaltung der Spielregel ein wenig über das Ziel hinausgeschossen. Alles ist bunt, es gibt viele Schriftarten, Absätze und Einschübe, so dass man eine Weile braucht, um sich daran zu gewöhnen und die Gliederung zu verinnerlichen. Dadurch wirkt die eigentlich simple Regel unnötig komplex und schreckt beim ersten Lesen mehr ab, als für das Spiel zu begeistern.

Die asiatisch angehauchte Grafik und das Material des Spiels, insbesondere die Holzsteine für die Gemüsesorten, sind hingegen sehr gut gelungen. Hier hat man sichtlich aus den anfänglich verschenkten Möglichkeiten bei Agricola gelernt. Allerdings gibt es in diesem Bereich auch einiges zu bemängeln. So hat die Schachtel leider kein Tiefziehteil und wenn man den Preis des Spiels in Relation zum gelieferten Material setzt, kommt kein besonders gutes Verhältnis heraus.

Will man Vor den Toren von Loyang spielen, muss man zuerst eine recht hohe Einstiegshürde meistern, hat man dann allerdings den grundlegenden Ablauf begriffen, läuft das Spiel vergleichsweise flott ab. Das Spiel funktioniert sehr gut, allerdings muss sich der Spieler das Endergebnis im wahrsten Sinne des Wortes erarbeiten und das ist echt anstrengend! Vor den Toren von Loyang verzeiht keine Fehler, ständig muss man seine Strategie überprüfen und teilweise Rundenweise im voraus denken. Dieser Grübelfaktor kommt im Solitärspiel besonders stark zum Tragen. Wird das Spiel mit Mitspielern gespielt, halten sich durch die permanent hohe Grübellastigkeit des Spiels die Interaktion und der Spaßfaktor in deutlichen Grenzen. Zudem ist in der Kartenphase eine erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich. Hier kann es durch die vielen ausgespielten Karten auf dem Tisch schnell unübersichtlich werden, denn meist kann man die Bedeutung bzw. die Auswirkungen der verschiedenen Aktionskarten gar nicht so schnell einschätzen. Das wiederum bremst den Spielfluss erheblich.

Spieletester

03.03.2010

Fazit

Fans von Uwe Rosenberg und Sammler der Ernte-Trilogie, sowie Liebhaber von Buchhalter- und wirklichen Arbeitsspielen können unbesehen zugreifen, allen Anderen lege ich vorher dringlich eine Probepartie ans Herz.
Redaktionelle Wertung:

Plus

Minus

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 1 bis 4
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 60 Minuten
Preis: 40,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2009
Verlag: Hall Games
Autor: Uwe Rosenberg
Grafiker: Klemens Franz
Genre: Wirtschaft
Zubehör:

Spielregel, 4 T-förmige Spielpläne, 14 zweifarbige ZUfriedenheitsmarker (Pappe), 38 kleine und große Geldmünzen (Pappe), 231 Warensteine (Holz) in 6 verschiedenen Arten, 4 Wertungssteine (Holz), 1 großer und 1 kleiner Startspielerstein (Holz), 120 Spielkarten - davon u.a. 70 Aktionskarten und 36 Felderkarten

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