Rollenspieler müssen leidensfähig sein. Von vielen Menschen werden sie ob ihres Hobbys belächelt, egal ob es sich um ein Live Rollenspiel, ein Pen & Paper oder ein Brettspiel handelt. Allerdings sind Rollenspieler deswegen auch sehr enthusiastisch, wenn es um genau dieses, ihr Hobby geht. So gibt es z.B. in Tschechien, sicher auch genährt durch die wechselvolle mittelalterliche Vergangenheit, eine sehr aktive Rollenspiel Community. Zu dieser Community gehören auch die insgesamt neun Autoren und Illustratoren, welche dem vorliegenden Projekt „Dorn“ das Leben eingehaucht und über den kleinen Verlag Altar publiziert haben. Dieses Unterfangen ist umso höher zu bewerten, als dass aus Übersee regelmäßig neue Rollenspielsysteme zu uns gelangen, welche mit deutlich mehr Ressourcen und Manpower im Hintergrund entwickelt werden können. Man denke hier nur an Fantasy Flight Games sowie deren deutschen Vertrieb Heidelberger Spieleverlag und damit an Spiele wie Descent oder das alt ehrwürdige HeroQuest.

Ähnlich wie in vorgenannten Spielen, geht es beim hier vorliegenden „Dorn“ zur Sache. Eine Gruppe von Helden betritt einen Dungeon, tötet alle Monster und letztendlich meistens auch den Oberschurken und sammelt dabei Schätze und Ausrüstungsteile ein. Wobei die Unterschiede im Detail liegen und dadurch allerdings ein gänzlich anderes Spielerlebnis erzeugen. So ist im vorliegenden Fall die Gegend rund um die Siedlung Argos und der komplette Dungeon auf dem Spielbrett dargestellt und wird nicht, wie meistens üblich, modular im Laufe des Abenteuers zusammengesetzt. Auch der Standort aller Monster ist jederzeit bekannt und muss nicht erst mühsam erkundet werden. Somit fallen die unliebsamen Überraschungen weg und das Rollenbrettspiel erhält eine deutlich taktischere Note. Zudem ist der Oberschurke selbst auf dem Spielfeld zugegen und agiert nicht aus dem „off“ heraus durch einen Spielleiter gesteuert. Ein weiterer Unterschied zu althergebrachten Rollenbrettspielen, ist der komplette Verzicht auf Würfel. Weder Kämpfe noch Ereignisse, noch Proben auf Talente werden ausgewürfelt.

Zorkal, so heißt der Hüter des Dungeons namens „Dorn“, will ein dunkles Ritual abhalten, um die Siedlung Argos zu vernichten. Dazu muss er eine so genannte Ritualkammer mit Monstern füllen und drei Runden lang vollständig besetzt halten. Die Heldengruppe hingegen, welche zwischen einem und fünf Helden groß sein kann, muss im Gegenzug zuerst drei alte Artefakte finden und aufsammeln, um anschließend das “Gate of Doom“ öffnen und dahinter den Dungeonkeeper bezwingen zu können.

Zu Beginn können die Mitspieler aus insgesamt 9 Charakteren, welche unterschiedlichen Fantasy Rassen wie z.B. Zwegen, Elfenund Menschen, aber auch Werwölfen zugehörig sind, wählen. Spieler können natürlich auch mehrere Charaktere führen. Ein weiterer Spieler übernimmt Zorkal. Dieser Spieler kann nun endlich einmal seinen niederen Instinkten freien Lauf lassen. Jeder Charakter erhält einen Charakterbogen, auf welchem alle relevanten Daten verzeichnet sind, sowie die vollen Lebenspunkte als so genannte „Blutsteine“. Alle Charaktere beginnen auf dem ersten Level und ziehen verdeckt eine Ereigniskarte, welche einmal im Spiel eingesetzt werden darf. Danach wird der Spielplan vorbereitet, indem sechs Artefakte und 24 Schatzmarken auf vorbestimmten Plätzen hinterlegt werden. Zorkal platziert seine Figur und einen vorbestimmten Mix aus einfachen und starken Monstern auf dem Spielplan und kann auf sechs Ereigniskarten zurückgreifen, deren Einsatz er mit „Blutsteinen“ bezahlen muss. Die restlichen Monster kommen in einen Beutel, aus welchem sie bei Bedarf nachgezogen werden können. Zusätzlich verwaltet der Keeper noch den Tag- und Nachtzyklus.

Abwechselnd und beginnend mit Zorkal, gestalten beide Seiten ihre Züge. Der Dornkeeper kann in seinem Zug Ritualkarten einsetzen, Monster mit Rücksicht auf die Tageszeit beschwören, sowie alle Monster bewegen und bei Bedarf angreifen lassen. Die Helden hingegen können ihrerseits Ereigniskarten ausspielen, sich bewegen, Gegenstände aufnehmen bzw. mit anderen Helden tauschen, Monster angreifen oder sich heilen lassen.

Zorkal wird während des Spiels versuchen, seine Monster in strategisch gute Positionen zu bringen, um die Heldengruppe zu spalten. Diese hingegen sollte unbedingt zusammenbleiben, denn bei Kämpfen treffen Monster und Helden automatisch. Allerdings können Helden in ihrem Zug einen Angriff parieren. Einfache Monster haben lediglich einen Lebenspunkt und eine Angriffsmöglichkeit, starke Monster jeweils deren zwei. Die Lebenspunkte der Helden sind hingegen abhängig vom erwählten Charakter. Haben die Helden Lebenspunkte verloren, so können sie an verschiedenen Punkten auf dem Spielbrett zwei pro Runde regenerieren. Stirbt allerdings ein Held nachdem er alle Lebenspunkte verloren hat, ist das Spiel für ihn zu Ende. Für getötete Monster erhält der entsprechende Held hingegen Erfahrungspunkte, welche der Stärke des Monsters entsprechen. Hat er genügend davon angesammelt, kann er bis maximal zum dritten Level aufsteigen. Zorkal kann auch seinen Level auf maximal Stufe drei steigern, muss allerdings dafür Blutsteine abgeben.


Spieletester

31.08.2009

Fazit

Mit „Dorn“ ist dem jungen, ambitionierten Team ein sehr gutes Spiel gelungen. Die Regeln sind einfach und schnell verinnerlicht, der Spielfluss wird nicht durch allzu viele Zusatzregeln unterbrochen, so dass ein Spiel durchaus innerhalb einer Stunde beendet sein kann. Die taktischen Möglichkeiten für beide Seiten sind sehr groß. Das Fantasythema wirkt nicht aufgesetzt, sondern im Gegenteil durch die neuen Ideen absolut unverbraucht. Leider kann das Material nicht mit dem mittlerweile extrem hohen Standard der Spiele von Fantasy Flight Games mithalten. Auch die Grafik von Spielplan und Charakterbögen ist zwar nett, aber im besten Fall ambitioniert zu nennen. Hier wäre weniger mehr gewesen, indem nur ein Illustrator dem Spiel seinen Stempel aufgedrückt hätte. Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass es sich hier um ein Projekt eines kleinen Verlages handelt, welcher sich gerade in solchen Beziehungen nicht mit den großen Verlagen messen kann. Leider liegt das Spiel nur in englischer Sprache vor, eine deutsche Spielregel sucht man auch auf der Webseite des Verlages vergebens. Das ist schade, vergibt sich doch Altar damit die Möglichkeit eine noch größere Zielgruppe gerade in Deutschland anzusprechen und somit den Bekanntheitsgrad des Spieles, welches bisher eher ein Nischenprodukt ist, deutlich zu steigern. Alles in allem ist „Dorn“ trotz einiger kleiner Abstriche in der B-Note ein überaus empfehlenswertes Rollenbrettspiel und sollte von jedem Fan dieses Genres unbedingt ausprobiert werden.
Redaktionelle Wertung:

Plus

Minus

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 6
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 60 Minuten
Erscheinungsjahr: 2008
Verlag: Altar
Grafiker: Jan Drevikovsky
Zubehör:

1 Spielbrett, Spielregel, Monsterlexikon, Ortslexikon, 10 Charakterbögen, 10 Charaktermarker mit Standfuß, 37 Marker (Schätze, Artefakte), 48 Monstermarker, 48 Spielkarten (Schätze, Ritualkarten, Ereigniskartenkarten), 50 Glassteine für Lebenspunkte und Erfahrung, Stoffsäckchen zum verdeckten Nachziehen der Marker

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