Chicago Poker

Welche Begriffe bringt man, ohne lange nachzudenken, mit dem organisierten Verbrechen im Amerika der Goldenen Zwanziger in Verbindung?
Richtig, Prohibition, leichte Mädchen, Charleston und natürlich das Glücksspiel, insbesondere Poker.
In dieser Rezension soll es vor allem um letzteres gehen.

Das Pokerspiel selbst fristete in Ländern mit deutschem Sprachgebrauch über Jahrzehnte hinweg nur ein Dasein im Schatten „urdeutscher“ Kartenspiele und wurde erst in den letzten zwei Jahren vor allem durch einschlägige Sportkanäle und das Internet ins Rampenlicht der Öffentlichkeit und damit in aller Munde gebracht.
Aufgrund des steigenden Interesses stieg natürlich auch der Absatz von Spielkarten, Zubehör und das Interesse der Fans an allen möglichen Dingen, welche im weitesten Sinne mit Poker zusammen gebracht werden konnten. Warum also nicht auch an einem Kartenspiel, welches Pokerelemente aufgreift und in einen historischen Zusammenhang, dem Chicago der zwanziger Jahre, stellt? Die Autoren sind auch keine Unbekannten mehr, sodass einem interessanten Spielchen nichts im Wege stehen sollte

Vor dem Spiel wählt sich jeder der bis zu sechs Mitspieler einen der vorgegeben Gangsterbosse als Alter Ego aus, besondere Eigenschaften haben diese allerdings nicht.
Im Spiel sind 75 Gangsterkarten in fünf verschiedenen Farben, jeweils in den Werten von 1 bis 15, sowie sechs Sonderkarten, mit deren Hilfe man zusätzliche, spezielle Aktionen ausführen kann.

Die Gangsterkarten werden gemischt und jeder der Gangster, pardon Spieler, erhält zu Beginn fünf Handkarten, während die restlichen Karten vorerst als Nachziehstapel ihr Dasein fristen.
Während seines Spielzuges muss ein jeder Spieler drei Aktionen ausführen. Dabei kann er pro Aktion frei wählen, ob er Karten verdeckt nachzieht, bis zu einem Handkartenlimit von sieben Stück bei Ende seines Zuges, oder ob er Karten ausspielt.
Die Gewerbeplättchen sind unterschiedlichen Gruppen zugehörig, Bars, Clubs, Brauereien und Spielhöllen. Alles Orte, auf die die Gangsterbosse natürlich gern ihren Einfluss erweitern würden. Bis zu vier verdeckt gezogene Gewerbe liegen von Anfang an aus, bis zu zwanzig könnten nach und nach ins Spiel kommen.
Jeder der Gangsterbosse kann mit jeweils maximal fünf seiner Gangsterkarten seinen Einfluss an diesen unterschiedlichen Örtlichkeiten geltend machen, in dem er diese, teilweise verdeckt, an den Gewerbeplättchen anlegt. Sollte es im Eifer des Gefechts vorkommen, dass ein Spieler vergessen hat, welche Karten ihm ein Gewerbe wert war, kann er jederzeit seine eigenen, verdeckt liegenden Karten einsehen.
Hat der erste der Spieler an einem Gewerbe fünf Einflusskarten angelegt, haben die rivalisierenden Gangsterbosse noch genau eine Runde Zeit, das Ergebnis zu ihren Gunsten zu verändern. Danach werden in guter, alter Pokertradition alle anliegenden Karten ausgezählt. Von der höchsten Karte in aufsteigender Reihenfolge bis zum Straight Flush und dem Chicago Poker. Bei Gleichstand entscheiden die höheren Kartenkombinationen. Hier bietet sich viel Platz für das eigentliche Pokerspiel. Man kann wunderbar die Gegner bluffen, denn natürlich werden nicht immer fünf Karten benötigt, um das höchste Ergebnis zu erzielen.
Der siegreiche Gangsterboss übernimmt schlussendlich das Gewerbe und erhält das entsprechende Plättchen. Danach wird, solange der Vorrat reicht, ein neues Plättchen aufgedeckt.

Das Spiel endet, sobald ein Spieler fünf beliebige Gewerbe, eines von jeder Sorte oder drei von einer Sorte kontrolliert.

Wenn es die Spieler wollen, können Sie in einer Spielvariante die zusätzlichen Sonderkarten ins Spiel bringen, welche mit den normalen Gangsterkarten gemischt werden. Die Sonderkarten gewähren verschiedene zusätzliche Aktionen, allerdings wird das Spiel dadurch deutlich glücksabhängiger, da es nur insgesamt sechs solcher Karten gibt und diese, richtig eingesetzt, recht stark sein können.

Spieletester

23.04.2008

Fazit

„Chicago Poker“ macht sich die derzeitige Poker-Mania geschickt zunutze, greift dabei vollständig auf den Pokermechanismus zu, bringt durch die gut gestalteten Karten und den Hintergrund eine nette Pokeratmosphäre ins Spiel und würzt, für alle die es mögen, das Spiel mit einigen zusätzlichen Glückselementen. Die Spielanleitung ist kurz und klar gehalten und auch Neulinge ohne Pokererfahrung können somit schon nach kurzem Regelstudium mit einem Spielchen beginnen.
Die Grafik des Spieles nutzt Art Deco und Film Noir Elemente. Sie kann als gelungen, wenn auch nicht als überragend bezeichnet werden.
Insgesamt ist die Farbwahl meines Erachtens nach jedoch deutlich zu dunkel, sodass die Spieler bei Dämmerlicht Probleme bekommen werden, bei einigen Karten die Farben eindeutig zu identifizieren.
Neue, innovative Spielelemente sucht man hier allerdings leider vergebens. Reinen Pokerspielern wird das Spiel schnell zu seicht werden. Neulinge, Interessenten und Liebhaber von guten Bluffspielen sind mit „Chicago Poker“ als Einstiegsspiel jedoch recht gut bedient, vor allem wenn man es in der, möglichst mit 5 oder 6 Spielern komplett besetzten Spielrunde, mit dem Pokerspiel nicht sklavisch genau nimmt. Dann kann das Spiel seinen gesamten Reiz entfalten. Alle die zögern, sollten in jedem Fall eine Proberunde riskieren.
Redaktionelle Wertung:

Plus

Minus

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 6
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 45 Minuten
Preis: 14,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2007
Verlag: Phalanx Games
Genre: Bluff
Zubehör:

Das Spielmaterial: 1 Spielregel 81 Spielkarten (davon 75 Gangsterkarten und 6 Sonderkarten) 6 Kurzanleitungskarten 20 Gewerbeplättchen 4 Shootout-Spielsteine aus Holz

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