Master Labyrinth

Versonnen blickt der Spiele-Veteran gen Himmel. Tränenerstickt winselt die Stimme: "Wann gab es eigentlich das letzte Das verrückte Labyrinth - Spiel?" Eine nicht näher erkenntliche Stimme brummelt "2005, Labyrinth - Die Schatzjagd", und erntet dafür den bösen Blick (keine verschiebbaren Gänge, keine störenden Mitspielerschiebungen, kein Max J. Kobbert, ergo: Kein verrücktes Labyrinth). Doch siehe da: Ein einsamer Streif am Himmel und unser Spieler hält "Master Labyrinth" in Händen, die neueste Labyrinth-Ausgeburt Max J. Kobberts. 

(Nunja, angesichts von Versionen wie Labyrinth der Ringe oder Labyrinth- Das Kartenspiel könnte man jetzt darüber philosophieren, ob eine neue Version wirklich... ahem... nötig war, aber für die nächsten Minuten wollen wir so tun, als hätten wir von den Post-Das Labyrinth der Meister - Ausgeburten noch nie etwas gehört.)


Erster Eindruck:

Im Gegensatz zu seinen Vorgägnern kommt das Master Labyrinth ziemlich düster daher (und als bekannter E.A.Poe - Jünger, frischgebackener "Grudgist" und Twilight Creations-Stammkunde werde ich mich hüten, mich darüber zu beschweren.). Die Figuren der Spieler erinnern an Hobbits... steht auch ein bißchen konträr zum bisherigen Outfit.

Doch was lauert denn da auf seinem Podest in der Mitte? Nungut, auch "Das ver-rückte Labyrinth" ist endgültig im Zeitalter des "Herrn der Ringe" angekommen, und in dem geht nichts mehr ohne fiese Monster (sponsored by FFG und dem Doom-Descent-Fanclub). So hockt nun in der Mitte des Labyrinths ein furchteinflössender (und aus unzerbrechlichem Gummi gefertigter) Drache, mit dem die Spieler wohl noch so richtig viel Freude haben werden, und der von nostalgischeren Spielern liebevoll "Grisu" genannt wird. Und damit's nicht langweilig wird, stehen auch noch zwei geflügelte "Wächter" im Labyrinth herum, die ob ihrer Schwingen von "Gabriel Burns" - Fans auch schon mal als "Graue Engel" bezeichnet werden.


Das Spiel:

Das "Master-Labyrinth" gliedert sich in zwei Phasen: In Phase 1 jagen die Spieler allen Schätzen mit Wert 1-6 hinterher. Sind alle diese Schätze eingesammelt, werden die Schätze 7-12 im Labyrinth verteilt. Sobald diese Schätze eingesammelt sind, muss noch ein Spieler den Drachen besiegen und danach werden Punkte gezählt. Die Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Am Schiebe- und Zugverfahren hat sich nicht allzuviel verändert: Wie in jedem Spiel der Serie muss der Spieler zuerst eine Gangkarte in eine Reihe oder Spalte schieben (hin- und herschieben ist nach wie vor verboten) und kann seine Figur danach dem Gangsystem folgend beliebig weit ziehen. Neu ist nur eines: Das Feld in der Mitte des Planes ist vom Drachenhort bedeckt. Dieses Feld kann niemals betreten oder durchzogen werden, wohl aber kann man hineingeschoben werden. Steht man unter diesem Hort, kann man sein Feld nicht verlassen, solange man nicht darunter hervorgeschoben wurde.

Wie schon beim "Labyrinth der Meister" sind auch hier alle Spieler hinter dem Schatz mit dem niedrigsten Wert her. Von jedem Schatz gibt es jetzt allerdings 2 Exemplare.


So, jetzt aber zu den gravierenden Neuerungen:

Vor Spielbeginn werden zwei Stapel von Karten an die Spieler verteilt. Die Karten des einen Stapels - die blauen Karten - enthalten einen der Schätze mit Wert 1-6 sowie ein Würfelsymbol, die Karten des zweiten Stapels - die roten Karten - alle 7-12er Schätze sowie das Symbol einer Spielfigur.

Jede dieser Karte hat zwei Anwendungsmöglichkeiten:

1. Sobald ein Spieler den abgebildeten Schatz erreicht, kann er die Karte ablegen und dafür 5 Goldmünzen kassieren.
2. Blaue Karten können auch ausgespielt werden, um im Kampf (siehe unten) einen Würfel neu zu würfeln. Rote Karten können ausgespielt werden, um einen Extrazug zu machen.

Jede Karte darf aber nur EINMAL benützt werden, eben um entweder Münzen zu kassieren oder ihren Vorteil im Spiel zu nutzen.

Nun ist, wie schon angedeutet, das Labyrinth nicht mehr so lieb und freundlich, wie es bisher war. Denn sobald ein Schatz aufgenommen wird, muss der Spieler den speziellen Drachenwürfel würfeln. Dieser Würfel kann nun entweder einen der Wächter, die sich prinzipiell nie bewegen, aber mit ihren Felden eben herumgeschoben werden, aktivieren, oder den Drachen drehen und diesen danach aktivieren.

Das Ergebnis ist letztendlich dasselbe: Der Drache greift das Gangsystem an, in das er einsieht, die Wächter das Gangsystem, in dem sie stehen. Diese Monstren attackieren den bzw. die Spieler, der bzw. die sich am nächesten zum Angreifer befinden. Der Spieler muss mit einem normalen Würfel 4-6 würfeln, um ungeschoren davonzukommen. Bei einer 1-3 muss er den Schatz mit dem geringsten Wert abgeben (oder eine blaue Karte einsetzen, um neu zu würfeln). Münzen können niemals geraubt werden, weshalb es ratsam ist, Karten wenn möglich gegen Münzen einzutauschen.

Sobald alle Schätze eingesammelt sind, muss noch der Drache besiegt werden. Dazu muss der Spieler auf das Feld ziehen, das der Drache einsieht, und mit 3 Würfen 12 oder mehr erreichen (Neuwürfe durch blaue Karten erlaubt). Ist der Drache besiegt, ist das Spiel zu Ende, und die Spieler zählen ihre Punkte: Jede Münze ist 5 Punkte wert (hier muss ich Ravensburger einmal mehr dafür rügen, solche Marker nicht doppelseitig zu machen, sondern eine Seite mal wieder mit ihrem Schriftzug zu verunstalten), jeder Schatz zählt seinen aufgedruckten Wert und der Sieg über den Drachen zählt 15 Punkte.

Spieletester

16.10.2007

Fazit

Master Labyrinth ist ein schönes Beispiel dafür, dass man einer alten, bewährten Spielidee durchaus neue Mechanismen hinzufügen kann, ohne dabei aber den Charakter des Spieles aus den Augen zu verlieren. Weiterhin ist das Ganggeschiebe die treibende Kraft in diesem Spiel, der Drache und seine Wächter sind angenehmes "Beiwerk", dass zudem bis zu einem gewissen Grad bewusst gegen führende Spieler eingesetzt werden kann (aber nicht in einem Maß, dass ein "Alles auf den Führenden" - Syndrom entsteht - obligatorischer Gruß an Steve Jackson an dieser Stelle).

Der Endkampf gegen den Drachen ist eine gute Möglichkeit für zurückliegende Spieler, doch noch an Punkte zu kommen. "Reiche" Spieler sollten den Kampf eher meiden: Ruck-Zuck sind drei Schätze weg, und man findet sich unter den Letzten wieder. Das Kampfsystem ist betont simpel, hält sich im Hintergrund und ist kaum beeinflussbar. Doch was mich bei Dante's Inferno noch zu beissenden Hasstiraden getrieben hat, geht hier voll in Ordnung. Es macht eben einen Unterschied, ob ich ein nettes Denk- und Schiebespiel oder ein furioses Abenteuerspiel sein will.
Master Labyrinth ist in erster Linie wieder ein Labyrinth-Spiel und keine Monsterprügelei. Das Schieben und Sammeln steht im Vordergrund - und so soll es hier auch sein.
Redaktionelle Wertung:

Plus

Minus

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 6
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 30 Minuten
Preis: 30,00 Euro
Erscheinungsjahr: 2007
Verlag: Ravensburger
Genre: Denken
Zubehör:

1 Spielplan
34 Gänge-Karten
24 Schatzkarten
24 Schätze
24 Münzen
1 Drachenhort
1 Drache
4 Abenteurer
2 Wächter
1 Duell-Würfel
1 Drachen-Würfel

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