Fische und Schafe

Man kann sich die Verwandtschaft nicht aussuchen; auch wenn man das gerne würde, weil es in jeder Familie ein schwarzes Schaf gibt, mit dem man eigentlich nichts zu tun haben möchte. Selbiges gilt im hier besprochenen Spiel: Die weißen und schwarzen Schafe wollen niemals gemeinsam auf derselben Wiese stehen. Fische hingegen sind bunt, sie scheren sich nicht um die Farbe der anderen und tummeln sich gerne mit ihresgleichen im selben Gewässer.

Ausgehend von einer Starttafel legt man eine soeben neu gezogene Tafel an und führt eine eventuelle Wertung durch. Dabei ist fast alles erlaubt: Fische dürfen an andere Fische, leeres Wasser, Wiesen und auch Wiesen mit Schaf grenzen. Schafe dürfen, bis auf die oben angeführte Ausnahme, ebenfalls an alle Landschaftsformen angrenzen. "Das riecht aber sehr nach Carcassonne - Die Burg" wird so mancher rufen. Ohne Zweifel - Parallelen sind vorhanden (wobei in Autorenkreisen bekannt ist, dass die Grundlage zu Fische und Schafe entstand, ehe Carcassonne - Die Burg auf den Markt kam).

Die meisten Tafeln weisen ein oder zwei Fische auf, die gleich- oder verschiedenfarbig sein können. Am meisten freut man sich, wenn man Fische der eigenen Farbe einzubauen hat. Hier kann man konstruktiv arbeiten und auf einen schnellen Abschluss des Sees hinlenken. Fremde Fische wird man dagegen so legen, dass sie nur schwer umbaut werden können oder sich mit "Familienangehörigen" im selben See treffen. Welchen Sinn das hat? Betrachten wir das Spielziel, dann wird es sofort klar:
Wenn ein See abgeschlossen wird, darf jeder, der mindestens einen Fisch seiner Farbe darin hat, eines seiner Fischplättchen in den See legen; auch dann nur eines, wenn man dort mehrere Fische hat. Gewinner ist, wer zuerst seine sechs Fischplättchen ablegen konnte.
Aha! Einen Fisch zu seinem Artgenossen in den Teich zu werfen, macht ihn also komplett wertlos.

Wie man sich vermutlich denken kann, ist das Spiel sehr glücksabhängig. Der Sieg steht und fällt damit, ob man eigene Fische zieht oder nicht. Haben alle Teilnehmer eine ähnliche Portion Glück, endet die Partie oft mit einem Unentschieden; vor allem dann, wenn man in der Fortgeschrittenenversion spielt.
Fortgeschrittenenversion?! Was? Wo? Ja, sowas gibt es hier auch! Beginner dürfen ihre Tafeln in beliebige Position drehen, Fortschrittene müssen alle Fische in dieselbe Richtung schauen lassen.

Nachdem ich das Spiel mehrfach probiert habe, bin ich ein Fortgeschrittener. Trotzdem plädiere ich für die Anfängerversion! Aus einfachem Grund: Bei allen Tafeln befinden sich Fische in der linken oberen und rechten unteren Ecke. Die umgekehrte Anordnung rechts oben/ links unten gibt es nicht. Die Regel mit verschiedenfarbigen Schafen auf derselben Wiese wird einem oft zum Verhängnis. Das nervt und führt in der Fortgeschrittenenversion fast immer dazu, dass das Spiel durch Erschöpfung der Legetafeln beendet wird. In einem solchen Fall gewinnt, wer mehr Fischplättchen ablegen konnte.

Eventuell sind die angesprochenen Nachteile gar kein Fauxpas des Spieleautors: Der von ihm erdachte Spielablauf wurde ohne seine Einbeziehung verändert, um das Spiel für das Heft kompatibel zu machen...

Spieletester

19.05.2009

Fazit

Das oft unbefriedigende Spielende führt leider zu einer Abwertung das Spiels, das sich während der Partie eigentlich ganz gut anfühlt. Wer sich an eine Partie wagen möchte, muss zuerst ein wenig Bastelgeschick beweisen. Neben einem hohen Glücksanteil bietet das Spiel in jeder Besetzung einen eindeutigen Startspielervorteil, da es 29 Tafeln zu verbauen gilt. Fische und Schafe war das Spiel eines österreichischen Spieleautoren zum Österreichischen Spielefest 2007. Es war Teil des Buch der Spiele 2007 mit einer Auflage von 15.000 Stück.
Redaktionelle Wertung:

Plus

Minus

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 4
Alter: ab 6 Jahren
Spieldauer: 15 Minuten
Erscheinungsjahr: 2007
Grafiker: Andreas Resch
Genre: Legen
Zubehör:

2 Materialbögen (30 Legetafeln, 24 Fischplättchen), 1 Seite Anleitung; alles im Buch der Spiele 2007 zum Ausschneiden und Aufkleben

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