Circadia

Ein geflügelter Bär, ein verwurzelter Axolotl und eine Gans, die offenbar zu lange in den Wolken unterwegs war: Willkommen in der wundersamen Welt von Circadia! Hier gilt es, zauberhafte Wesen geschickt zu sammeln und das Gleichgewicht zwischen Tag und Nacht wiederherzustellen.

Doch Vorsicht: Wer die falschen Karten ausspielt, bringt nicht nur die Natur, sondern auch seine eigenen Pläne gehörig durcheinander! 

Manchmal genügt ein Blick auf die Karten, um neugierig zu werden. Circadia gehört eindeutig dazu. Illustratorin Maria Nechaeva hat eine märchenhafte Welt geschaffen, die sich wohltuend vom üblichen Kartenspieleinerlei abhebt. Ein geflügelter Bär, ein verwurzelter Axolotl und eine Wolkengans sind schließlich keine alltäglichen Spielgefährten. Die kunstvollen Illustrationen machen richtig Lust aufs Spielen. Lediglich die teilweise ähnlichen Farbtöne erschweren bei ungünstigem Licht die Unterscheidung.

Kleine Zahlen, große Probleme

Hinter der hübschen Fassade steckt ein cleveres Kartenspiel. Wir sammeln Geistwesen und legen sie in bis zu drei artreinen Reihen aus. Die Karten besitzen Werte von eins bis fünf. Pro Zug dürfen beliebig viele Karten desselben Wertes ausgespielt werden, wobei die Zahlen innerhalb einer Reihe nur gleich bleiben oder steigen dürfen.

Haben wir genügend Geistwesen gesammelt, tauschen wir sie gegen wertvolle Habitatkarten ein. Dabei müssen sich Tag und Nacht abwechseln. Anschließend gibt es Nachschub aus der offenen Kartenauslage. Wie viele Karten wir nehmen dürfen, bestimmt der Wert unserer zuvor ausgespielten Karten. Und genau hier wird es knifflig.

Das Dilemma hat fünf Zahlen

Vier Einser ausgespielt? Prima für die Sammlung, aber anschließend gibt es nur eine neue Karte. Eine einzelne Fünf bringt dagegen gleich fünf Karten Nachschub. Dummerweise blockiert sie unsere Reihe für alle niedrigeren Werte. Willkommen im Entscheidungsdilemma!

Lieber kleine Zahlen sammeln und schnell Habitate sichern oder hohe Werte ausspielen, um die Kartenhand aufzufüllen? Dazu kommt die vorgeschriebene Abfolge von Tag und Nacht. Fehlt das passende Habitat, muss umgeplant werden. Und während wir noch grübeln, schnappen uns die Mitspieler womöglich die begehrte Karte vor der Nase weg. Gerade dieses ständige Abwägen macht den Reiz aus.

Die Regeln sind einfach, die Entscheidungen überraschend verzwickt. Trotzdem bleibt das Spiel flott und dauert meist nur rund 25 Minuten. Allerdings ist die märchenhafte Welt spielerisch eher schmückendes Beiwerk. Hinter den fantasievollen Kreaturen verbergen sich letztlich Zahlenkarten, die möglichst geschickt kombiniert werden wollen. Sobald jemand mindestens 15 Gleichgewichtspunkte gesammelt hat, beginnt die Schlussrunde. Danach gewinnt, wer die meisten Punkte besitzt. Bei Gleichstand entscheiden die wertvolleren Habitatkarten.

Circadia verbindet außergewöhnliche Illustrationen mit einem raffinierten Kartenmechanismus, der immer wieder kleine Gemeinheiten bereithält. Ein hübsches Kartenspiel mit Köpfchen, bei dem die Natur im Gleichgewicht bleiben soll – das eigene Punktekonto aber gerne aus dem Ruder laufen darf!

 

Spieletester

Fazit

Hübsche Karten mit Köpfchen

Circadia ist ein kleines Kartenspiel, das mit seiner außergewöhnlichen Optik zunächst die Augen und anschließend die grauen Zellen beschäftigt. Die Illustrationen von Maria Nechaeva sind zweifellos ein besonderes Aushängeschild und verleihen dem Spiel einen hohen Wiedererkennungswert. Doch auch spielerisch steckt einiges dahinter. Das ständige Abwägen zwischen niedrigen und hohen Kartenwerten, der Aufbau der eigenen Reihen und die vorgeschriebene Abfolge von Tag und Nacht sorgen für reizvolle Entscheidungen.

Besonders gelungen ist, dass nahezu jeder Spielzug einen kleinen Zielkonflikt mit sich bringt. Was kurzfristig hilfreich erscheint, kann sich später als ausgesprochen ungeschickt erweisen. Doch ganz ohne Schwächen bleibt Circadia allerdings nicht. Das Thema ist stärker auf den Karten als im Spielgefühl präsent, die Farbgestaltung könnte etwas kontrastreicher sein, und wer keine Freude an abstrakter Kartenoptimierung hat, wird auch mit den schönsten Fantasiewesen nicht unbedingt glücklich.

Unterm Strich ist das kleine Spiel von Elznir Games ein optisch außergewöhnliches, taktisch reizvolles Kartenspiel, das mit wenigen Regeln erstaunlich viele knifflige Entscheidungen erzeugt. Und wer sich zwischen einer Eins und einer Fünf nicht entscheiden kann, sollte sich trösten: Selbst ein geflügelter Bär kann schließlich nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen!

Redaktionelle Wertung:

Plus

  • außergewöhnliche Illustrationen im Linolschnitt-Stil
  • originelles Dilemma zwischen Kartenwert und Kartennachschub
  • einfache Regeln mit überraschender taktischer Tiefe
  • clever verzahnte Spielmechanismen
  • kurze Spieldauer und hoher Wiederspielreiz

Minus

  • teilweise wenig kontrastreiche Kartenfarben
  • märchenhaftes Thema spielerisch eher aufgesetzt
  • hohe Kartenwerte können eigene Reihen blockieren
  • etwas grübellastig

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Details

Auszeichnungen:
Spieleranzahl: 2 bis 5
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 25 Minuten
Preis: 15,95 Euro
Erscheinungsjahr: 2026
Grafiker: Maria Nechaeva
Zubehör:

36 Habitat-Karten (18 Tag, 18 Nacht; je 6 pro Habitat)

144 Geistwesen-Karten (je 48 Bär, Axolotl, Gans)

1 Spielregel

 

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