Kickstarter Ja oder Nein?

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Ralf S.
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Kickstarter Ja oder Nein?

Beitragvon Ralf S. » Samstag 11. März 2017, 11:20

Ich bin ja ein bekennder Fan von gut ausgestatteten Spielen. Da treffen viele Kickstarter (Miniaturen) Spiele regelmäßig meinen Nerv.
Vielfach konnte ich dem Ganzen u.a. wegen der Sprachbarriere (nicht alle mit denen ich spiele können fließend englisch) oder den anwachsenden Kosten (für zig Extras und Add ons die gleich mitangeboten und teilsweise für ein entsprechendes Spielerlebnis gebraucht wurden) noch eine absage erteilen.

Aktuell läuft allerdings wieder mal eine Kampange https://www.kickstarter.com/projects/co ... escription bei der ich aber wahrscheinlich zuschlagen werde da mit das Setting ausnehmend gut gefällt. Da der Vorgänger Conan dann trotz Ankündigung doch nicht auf deutsch erschien, wird es hier nicht viel anders sein?

Wie sieht es bei Euch aus? Backt Ihr regelmäßig Kickstarter Projekte? Was war das tollste und was der größte Reinfall?
Würde mich über Eure Erfahrungen freuen.
LG Xarlos

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Re: Kickstarter Ja oder Nein?

Beitragvon Christoph Ledinger » Samstag 11. März 2017, 15:30

Ich habe bislang ganz selten überhaupt auf Kickstarter reingeschaut. Und mein Zwang dann zuzuschlagen war auch enden wollend.
Einmal habe ich mich breitschlagen lassen ein Spiel zu rezensieren, das ein Verlag auf einer Messe als Prototyp hatte. Und was war? Das Spiel kam nie raus, der Verlag war vor der ersten Veröffentlichung schon wieder Geschichte... Gebranntes Kind scheut das Feuer. ;-)

LG Christoph
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Re: Kickstarter Ja oder Nein?

Beitragvon Peter P. » Montag 13. März 2017, 20:20

Ich muss sagen das ich Kickstarterprojekten sehr skeptisch gegenüber stehe.
Ich habe 3 Kickstarterspiele anspielen dürfen und war vom Regelheft bzw. Balance maßlos enttäuscht.
Die Spiele waren:
- Helden der Normandie
- Mars Attack
- XIA

In Helden der Normandie gibt es Regelstellen bei denen ich beim besten Willen keine Ahnung habe wie das Funktionieren soll.
Mars Attack leidet an einem sehr unausgereiften Regelheft und Spielbalance.
XIA hat zwar ein gutes Regelheft mit vielen Möglichkeiten aber leider zeigt sich dann das dem Spiel mehr Testen im Vorfeld gut getan hätte.

Ich gebe lieber 70€ für ein Spiel von Fantasy Flight Games aus als auf Zufall ein KS Projekt zu unterstützen. Ich stehe bei meinen Spielen auch darauf wenn ich massig Figuren bewegen kann, allerdings bringt mir das nichts wenn das Spiel am Balancing und Regelheft krankt.

Bei einem grossen Verlag habe ich wenigsten Gewissheit das da ein ordentliches Autorenteam und Playtester dahinterstehen. Zumindest haben sie es in der Vergangenheit bewiesen.

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Re: Kickstarter Ja oder Nein?

Beitragvon Simon Kriese » Mittwoch 15. März 2017, 11:54

Mittlerweile wird KS ja schon lange nicht mehr nur von Privatpersonen genutzt. Im April kommt zum Beispiel ein Ableger von Dark Souls als Brettspiel, auf das ich sehr gespannt bin. Dafür zeichnet Steamforged Games verantwortlich. (Meines Wissens nach ist das übrigens das bis dato erfolgreichste KS-Brettspielprojekt - 3.75 Millionen Pfund eingenommen).
Aber auch im privaten Bereich kenne ich gute Beispiele, zum Beispiel Rock'n Rodeo, zu dem wir auch einen Test haben. Das war eine private Initiative und ist dann erst nach dem KS (bzw. in diesem Fall startnext, ist aber eh das gleiche) bei einem Verlag gelandet.

Ich finde es gut, dass durch Crowdfunding die Hürden, mit denen man sich eben beschäftigen muss, um ein Brettspiel herauszubringen, deutlich niederschwelliger ausfallen. Natürlich ist nicht alles superspitze, was dort passiert, das trifft aber auf jeden einzelnen mir bekannten Verlag auch zu. Es gibt immer bessere und schlechtere Spiele.
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Re: Kickstarter Ja oder Nein?

Beitragvon jumpwalker » Samstag 18. März 2017, 08:51

Das ist eine knifflige Frage - zu diesem Thema finde ich mich seit Jahren im Zwiespalt.

Grundsätzlich stimme ich Simon zu: Durch Kickstarter und andere Plattformen wird es Verlagen und Spieleautoren (ob das nun Profis sind oder Hobbytüftler) dadurch einfacher, ihre Ideen umzusetzen und auf den Markt zu bringen. Jedoch haben sich Konsumenten zu einem so frühen Zeitpunkt für den Erwerb eines Produktes zu entscheiden, dass sie die sprichwörtliche "Katze im Sack" kaufen müssen. Und das kann ganz ordentlich ins Auge gehen, noch dazu, wo die optisch ansprechendsten Spiele im Regelfall auch ordentlich viel Geld kosten. Und ein weiterer negativer Aspekt: Bis sich das Spiel ausproduziert in die Händen der vorfinanzierenden Backer wiederfindet, vergehen oft Jahre. Zwei, drei Jahre Wartezeit sind da durchaus nicht unwahrscheinlich.

Ich persönlich habe mich erst ein einziges Mal an einem Kickstarter-Projekt beteilgt - und auch nur deshalb, weil ich am Regelwerk mitarbeiten durfte und daher schon im Vorfeld wusste, was mich erwarten würde. In diesem Fall wurde ich auch keinesweg enttäuscht. Mein Zugang zu solchen Projekten ist der, in erster Linie mal abzuwarten, ob die Spiele den freien Handel erreichen. Tritt dieser Fall ein, dann hat man ja recht bald mal Kritiken bei der Hand um zu entscheiden, ob man das Spiel tatsächlich kaufen möchte. Ich sehe die ausfinanzierten Kickstarter-Projekte, die tatsächlich die Ladentische erreichen, in einer 50:50-Gewichtung. Damit meine ich, die Hälfte dieser Projekte ist - aus welchen Gründen auch immer, meistens hakt es jedoch am Regelwerk - mehr oder weniger Schrott und sollte nicht gekauft werden. Rühmliche Ausnahmen bestätigen die Regel (z.B. "Fief: France 1429" und "Police Precinct"). Am anderen Ende des Spektrums stehen Miniature-Games wie "Conan", die wirklich einen Haufen Kohle kosten und - wie es sich bei diesem Spiel offenbar darstellt - aufgrund eines sperrigen Regelheftes de facto nicht spielbar sind. Das von Peter erwähnte "Xia" wiederum leidet tatsächlcih darunter, dass am Prototyp nicht ausreichend getestet wurde. Auch so eine Sache: Um die ohnehin lange Entwicklungsphase etwas zu beschleunigen, ist die Versuchung der Autoren natürlich groß, nicht jedes Detail zigmal auszutesten und nach dem Motto "Augen zu und durch" zu früh einen Schlussstrich unter die Testphase zu ziehen.

Natürlich gibt es dann auch immer wieder Kickstarter-Projekte, die ich verpasse, weil ich solche Dinger eben nicht vorfinanzierre und sie dann aber leider nicht den freien Handel erreichen - "The 7th Continent" ist so ein Fall. Dieses Spiel hätte ich liebend gern in meiner Sammlung. Wird aber leider nix damit, weil es nach über zwei Jahren immer noch im Produktionsstadium festhängt und mittlerweile klar ist, dass es so oder so die Ladentische nicht erreichen wird.

Damit man jedoch auch sieht, wie zweischneidig das Schwert ist: Die negative Erfahrung, die Peter mit "Helden der Normandie" gemacht hat, teile ich ganz und gar nicht. Das war eines jener Spiele, die via Kickstarter finanziert wurden und letzten Endes auch im Handel zu kaufen waren. Ich habe zu diesem Spiel jedes einzelne (in deutscher Sprache) erhältliche Teil in meiner Sammlung und halte "Helden der Normandie" für eines der besten und am klügsten umgesetzten Tabletop-Wargames (wobei es sich dabei eigentlich nicht wirklich um ein Tabletop handelt) aller Zeiten. Aber dieses Projekt wurde auch von einem Verlag iniziiert und geht nicht auf die Idee einer Privatperson zurück. Da stand also doch auch ausreichend Know-how dahinter. Die jedoch auch in diesem Fall ordentlich sperrige Spielanleitung hat ihre Ursache darin, dass es sich um einen französischen Verlag handelt, der bei der Übersetzung offenbar ein wenig geschludert hat. Übersetzungs-Probleme dieser Art sind nach wie vor evident und betreffen auch immer wieder Spiele, die von klassischen Verlagen auf den Markt gebracht werden.

Lange Rede kurzer Sinn: Abwarten und Tee trinken. Kickstarter-Projekte dauern üblicherweise lang, bis sie das Licht der Welt erblicken. Wenn sie's dann auch noch in den Handel schaffen, einfach die ersten Besprechungen dazu abwarten und dann zuschlagen. Oder eben nicht. In der Finanzierungs-Phase jedoch die Finger davon lassen. Bisher bin ich mit dieser Strategie ganz gut gefahren...
Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. (Sir Karl Popper)
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Re: Kickstarter Ja oder Nein?

Beitragvon Simon Kriese » Samstag 18. März 2017, 16:35

jumpwalker hat geschrieben:Lange Rede kurzer Sinn: Abwarten und Tee trinken. Kickstarter-Projekte dauern üblicherweise lang, bis sie das Licht der Welt erblicken. Wenn sie's dann auch noch in den Handel schaffen, einfach die ersten Besprechungen dazu abwarten und dann zuschlagen. Oder eben nicht. In der Finanzierungs-Phase jedoch die Finger davon lassen. Bisher bin ich mit dieser Strategie ganz gut gefahren...


Diese Strategie könnte allerdings nicht funktionieren, wenn das jeder so halten müsste ;-) Irgendwer muss eben auch vorbestellen, sonst geht die Finanzierung klarerweise nicht durch. Und dass da mitunter auch sehr ordentliche Spiele rauskommen, darüber sind wir uns ja einig - man darf da also ruhig auch mal ins Ungewisse springen, finde ich :-)
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Re: Kickstarter Ja oder Nein?

Beitragvon Ralf S. » Samstag 18. März 2017, 17:16

Bei mir war bisher immer der endgültige Preis die letztendliche Hürde. Bei dem oben angesprochenen Conan kam dann eben neben den Grundkosten von 135 Dollar noch zig Erweiterungen für 10 bis 50 Dollar dazu. Da war mir der Sprung ins kalte Wasser dann doch zu teuer.
Letztendlich für mich die Frage was bringt mir das Spiel was mir andere nicht geben? Gibt es alternative Spiele? Wenn man dann noch unentschieden ist kann gern das Bauchgefühl entscheiden. :wink:

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Re: Kickstarter Ja oder Nein?

Beitragvon Ralf S. » Sonntag 19. März 2017, 10:29

Gerade begonnen:
https://www.kickstarter.com/projects/61 ... d?ref=card
und die deutsche Lokalisierung in der Spieleschmiede:
https://www.spiele-offensive.de/Spieles ... 8-Vikings/
Das klingt auch überaus interessant zumal sich die Vorgänger ziemlich klasse gespielt haben.

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Re: Kickstarter Ja oder Nein?

Beitragvon BoardGeek » Sonntag 7. Mai 2017, 00:13

Also, ich selbst habe schon bei gut 20 Kickstartern mitgemacht und war bisher eigentlich nie enttäuscht. Richtig gut finde ich, dass man bei den Kampagnen exklusive Inhalte und durch die Stretchgoal massig Material bekommt, was man sonst nie erhält. Gerade Mantic hat ein super Preis-Leistungs-Verhältnis, das ist bombastisch. Das Mars Attacks hier als Negativbeispiel genannt wird, kann ich verstehen, da es nur eine abgespeckte Version von Dead Zone ist und sich eigentlich nur als Gelegenheitsspieler richtet. Mochte ich nicht, habe ich deshalb nicht gebackt. Aber Dreadball Extreme z.B. - Hammer! Habe sonst z.B. Ghostbusters oder Turtles gebackt und richtig qualitativ hochwertige Spiele mit massig Inhalt bekommen. Ich mag halt die exklusiven Möglichkeiten.

Sehr cool finde ich z.B. bei dem Spiel hier die Möglichkeit, sich selbst zeichnen zu lassen und Teil des Spiels zu werden (in der normalen Verkaufsversion, also in allen gedruckten Spielen): http://www.cy-co.com Finde das Thema auch sehr cool, die Kampagne schaue ich mir auf jeden Fall an. Ich denke, das werde ich ebenfalls backen.

Genau sowas mag ich halt an Kickstarter. Wo sonst hat man solche Möglichkeiten?

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Re: Kickstarter Ja oder Nein?

Beitragvon Carposept » Donnerstag 1. Juni 2017, 17:19

Ich finde es gut, dass durch Crowdfunding die Hürden, mit denen man sich eben beschäftigen muss, um ein Brettspiel herauszubringen, deutlich niederschwelliger ausfallen. Natürlich ist nicht alles superspitze, was dort passiert, das trifft aber auf jeden einzelnen mir bekannten Verlag auch zu. Es gibt immer bessere und schlechtere Spiele.


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