The BoardGameGeek Game
Im Jahr 2010, genau gesagt am 22. Jänner, feierte die weltweite Spielecommunity ein besonderes Jubiläum: BoardGameGeek.com, die Internetseite, ohne die der der englischen Zunge mächtige Nicht-08/15-Spieler inzwischen fast nicht mehr lebensfähig ist, feierte ihren 10ten Geburtstag. Egal ob es um Spielhilfen, Regelvarianten, Übersetzungen oder unterhaltsame Geeklisten geht, die guten alten BGG-Seiten sind prinzipiell die erste Adresse, die der Kenner ansteuert.
Wenn diese Seite nun ihre erste Dekade beendet, kann man das natürlich nicht einfach mit einem "Alles Gute" abhandeln, Jubiläen wie diese müssen ein EVENT werden. Und was bietet sich in diesem speziellen Fall mehr an, als eine Spieleadaption.
Und so floß aus der Feder von Key-Games-Serienerfinder und R&D Games-Gründer Richard Breese das BoardGameGeek Game: Bis zu sechs Spieler übernehmen gleichzeitig die Rolle von Verlagen, die ihre Spiele in den Geschäften verteilen, und von Geeks, die die Spiele der anderen Verlage dann kaufen und zu schönen Sammlungen machen.
Das Ganze ist als Jubelspiel aber natürlich kein bierernster Wirtschaftshammer und auch kein 08/15-Lege- oder Strategiespiel, sondern ein spaßiges Bluff-, Einschätz- und Grübelspiel.
Das Spiel:
Bei diesem Spiel geht es darum, Geek Gold (=Siegpunkte), in Zukunft GGs genannt, zu erringen. Gespielt wird in 6 Runden, die sich grob in zwei Phasen unterteilen:
Phase 1: Als Verlag Spiele verteilen
In dieser Phase repräsentiert jeder Spieler einen Verlag. In jeder Runde erhält der Spieler Spiele aus dem Verlagssortiment repräsentierende Marker, die mit einer Zahl von 1 bis 6 versehen sind, und die nun in den Geschäften verteilt werden. Auf dem Spielplan gibt es sechs durchnummerierte Geschäfte, die in 3x3 Felder unterteilt sind. Diese Geschäfte werden die Spieler nun beliefern:
Abwechselnd darf jeder Spieler eines seiner Spiele verdeckt in ein Geschäft legen, wobei die Zahl des Spiels der Nummer des Geschäfts oder der Nummer des Geschäfts +1 oder -1 entsprechen muss. Wie schon erwähnt, besteht jedes der Geschäfte aus 3 Reihen mit je 3 Feldern. Die Reihe, in der ein Spiel liegt, gibt an, wieviele GGs der Spieler erhält, wenn das Spiel verkauft wird.
Verzichtet ein Spieler darauf ein Spiel zu legen, steigt er aus der Runde aus, die noch übrigen "Lagerspiele" stehen in den nächsten Runden weiterhin zur Verfügung.
Sobald kein Spieler mehr Spiele verteilen will, geht das Spiel über in Phase 2:
Phase 2: Die Ankunft der Geeks
Die Spieler übernehmen jetzt die Rolle von Spielesammlern, die eine ordentliche Sammlung anlegen wollen:
Jeder Spieler würfelt seine drei Würfel und legt die Würfel zu den entsprechenden Geschäften. Gegen den Einsatz von 1 GG können die Spieler abwechselnd beliebig viele Würfel neu würfeln oder um 1 Geschäft versetzen. Ist jeder Spieler mit der Lage seiner Sammler zufrieden, wird es ernst:
Alle Spielemarker werden aufgedeckt und falsch gesetzte Marker oder fiese Bluffmarker aus dem Spiel genommen. Gemeinerweise wird vorher noch durch die Verteilung der Geek-Würfel ein neuer Startspieler bestimmt (oder eben der aktuelle Startspieler bestätigt), bevor nun der Reihe nach alle Spieler abwechselnd einen Würfel auf einen der Spielemarker im entsprechenden Geschäft legen, um das jeweilige Spiel zu kaufen. Sind alle Geeks verteilt oder haben den Plan enttäuscht verlassen, ohne ein Spiel ergattert zu haben, wird abgerechnet:
1. Jeder Spieler erhält für jedes Spiel, auf dem ein Würfel eines ANDEREN Spielers liegt, die Punkte, die für die entsprechende Reihe des Geschäftsfeldes angegeben ist. Spielemarker, auf denen Würfel derselben Farbe liegen, werden wirkungslos aus dem Spiel entfernt.
2. Jeder Spieler erhält die Spielemarker, die er mit seinen Würfeln "gekauft" hat. Um am Spielende GGs zu machen, müssen mit diesen Markern bestimmte Kombinationen erreicht werden.
Unverkaufte Spiele werden ein Feld in Richtung "Billiger" bewegt oder - wenn sie bereits in der billigsten Reihe liegen - entfernt. Die nächste Runde erhebt nun ihr hässliches Haupt...
Spielende:
Das Spiel endet nach 6 Runden.
Zu den GGs, die die Spieler durch den Verkauf von Spielen verdient haben, kommen jetzt noch Punkte für gekaufte Spiele hinzu. Prinzipiell ist jedes Spiel die Anzahl GGs wert, die seiner Zahl entspricht. Schafft ein Spieler jedoch bestimmte Kombinationen, bringt jedes Spiel dieser Serie je 6 GGs:
3 Spieler: Eine Serie besteht aus gleichfarbigen Spielen mit den Werten 1-6.
4-6 Spieler: Eine Serie besteht aus je einem Spiel jeder Farbe, die alle dieselbe Zahl zeigen.
Fazit:
Ich weiß ja nicht wie's Euch nach dem Lesen dieser Zeilen geht, aber nur durch das Lesen der Anleitung wird nicht klar, was für einen Braintwister man sich mit dem BoardGameGeek-Game ausgesucht hat. Während des Spiels erkennt man jedoch schnell, dass dieses simpel anmutende Lege- und Setzspiel voller Finessen und Möglichkeiten steckt:
Wie platziere ich meine Spiele so, dass Spieler A glaubt, sein fehlendes Stück liegt hier drin?
Sammelt Spieler B eigentlich die 4er oder die 3er?
Und wie verteile ich meine Geeks so, dass ich zumindest eines der Spiele abgreifen kann, das ich für meine Sammlung benötige.
Als sehr fieses (und geniales) Feature des Spieles stellt sich aber der Startspielerwechsel mitten in der Runde heraus: Der Spieler, der zuerst seine Spiele verteilt und seine Geeks bewegt, ist eben nicht zwangsläufig auch der, der seine Geeks danach zuerst einkaufen schickt. Dieser Moment bildet einen nicht zu übersehenden Stolperstein, nur so zur Sicherheit, damit uns die strategischen und taktischen Möglichkeiten nicht irgendwann mal ausgehen...
In puncto Ausstattung fallen zuerst leider die etwas zu kleinen Sichtschirme auf. Es ist schwer, seine Marker so dahinter zu verteilen, dass die Gegner nicht ungewollt hinter die Schirme sehen können. Die zweisprachige Anleitung (Deutsch/Englisch) ist klar und eindeutig und auch die Rundenübersicht auf den Innenseiten der Sichtschirme ist dankenswerterweise in Deutsch und Englisch abgedruckt.
Der Spielplan selbst bietet dem Spielefan selbstredend Referenzen ohne Ende: Da steht die Coverfigur von Funkenschlag als Verkäufer im Geschäft herum, da ziert eine klassische catanische Stadtfigur das Schaufenster eines Ladens oder eines der Geschäfte trägt den Namen "Reiners Shine". Und dass in den Schaufenstern und in den Regalen jedes Spiel ausgestellt ist, das bei "3" nicht auf den Bäumen war, ist hier wohl Ehrensache...
Daher die Conclusio: Trotz des offensichtlichen Fun-Themas eindeutig ein Spiel für das Klientel, das es gerne auch einmal etwas anspruchsvoller hat (und sich auch gerne mal nachträglich darüber klar wird, was man alles falsch gespielt hat). Ich jedenfalls hoffe, dass dieses Spiel die Jubiläumsstimmung überlebt. Einen Platz in den Ruhmeshallen hat sich das BoardGameGeek-Game auf jeden Fall verdient.
Und der Website an sich sage ich: Auf noch viele glorreiche Jahrzehnte. *Glas heb*


