Wonder Woman

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Wonder Woman

Beitragvon jumpwalker » Sonntag 18. Juni 2017, 09:50

„Wonder Woman“ ist ein Superhelden-Movie der deutlich besseren Art. Es gibt zwar keinen Grund, den Film zu hypen, jedoch sehr wohl einige Gründe, ihn zu loben. Der Regisseurin gelingt es, eine vernünftige Story intelligent zu erzählen. Solche Versuche waren im Bereich der Comic-Verfilmungen bisher doch relativ dünn gesät und meistens nicht von Erfolg gekrönt. Ganz anders verhält es sich bei „Wonder Woman“.

Angesiedelt in den letzten Monaten des Ersten Weltkrieges, entsteht im Verlauf des Films ein seltsam anmutendes Uchronia-Universum, das jenem von „Sucker Punch“ nicht unähnlich scheint. Die Gräuel des Krieges zwischen Schützengräben und Gasangriffen werden dabei durchaus nicht ausgespart. Mit Danny Huston geistert ein zwar klischeehaft den unmenschlichen Nazi-Offizier des Zweiten Weltkrieges vorwegnehmender, dennoch aber absolut glaubhafter Widerpart durch die Szenerie.

Das Filmende ist – wie es bei Superhelden eben einmal sein muss – ein wenig zu bombastisch geraten. Dafür, und dass einige wenige technische Effekte nicht ganz mit den in Filmen dieser Tradition erwartenden brillanten CGI mithalten können, gibt es nur leichte Abzüge in der Haltungsnote. Das alles tut der Sache aber keinen Abbruch.

Gal Gadot ist in der Rolle Dianas/Wonder Womans hervorragend besetzt. Hinter schier endlosem Charisma blitzt situationsbedingt Unsicherheit, Mädchenhaftigkeit, enorme Stärke und geladene Energie durch – in jeder Szene absolut glaubhaft. Optisch ein wenig an Geena Davis erinnernd (und auch ein bißchen an Judith Neichl – aber das ist jetzt ein absoluter Insider…) meistert sie ihre Aufgabe ganz hervorragend.

Chris Pine gibt den sympathischen Draufgänger Steve Trevor und kann offensichtlich nicht mehr anders, als diesen Charakter als Captain Kirk des frühen 20. Jahrhunderts anzulegen. Zu sehr ist Pine offenbar schon mit der Rolle des Raumschiffkapitäns verbunden, als dass er aus ihr wieder leicht herausfinden würde. Im Fall von „Wonder Woman“ stört das aber kein bisschen. Ganz im Gegenteil: Die stimmige Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern macht einen Gutteil der Faszination des Streifens aus. Noch mit dabei im überaus prominent besetzten Cast: Connie Nielsen, Robin Wright und David Thewlis.

Der Umstand, dass sich die filmische Erzählung anfangs sehr lange Zeit dafür nimmt, die Kindheit und den Background Wonder Womans auszuleuchten, lässt darauf schließen, dass wir diesen die Superhelden-Welt durchaus bereichernden Charakter noch einige Male auf der Leinwand erleben dürfen. Und das muss kein Schaden sein.

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Re: Wonder Woman

Beitragvon Ralf S. » Sonntag 18. Juni 2017, 11:44

Tut mir leid, da bin ich in meiner Kindheit wahrscheinlich anders sozialisiert worden, weil ich ohne Superhelden aufwachsen durfte. Diese krude MIschung von antiker Heldin die indirekt für das freie Amerika gegen die deutsche Nazis kämpft...... arrgghhh. Genauso wie mich Captain Amerika nicht anhebt läuft es mir hier aufgrund des hohen Fremdschäm Faktors schon beim genötigten ansehen der Trailer kalt und gruselig den Rücken herunter.

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Re: Wonder Woman

Beitragvon jumpwalker » Sonntag 18. Juni 2017, 15:29

Da kann ich Dich beruhigen, lieber Xarlos. Mit Superhelden fange ich grundsätzlich auch recht wenig an. Superman und Captain America stehen jedenfalls ganz oben auf meiner Liste der Anti-Charaktere. Einzig bei Batman sieht es da ein wenig anders aus, den Hintergrund dieser Figur finde ich recht spannend und klug inszeniert. In meiner Kindheit/Jugendzeit habe ich mich weder für Superhelden-Comics noch für TV-Serien interessiert, die aber im österreichischen Fernsehen ohnehin kaum zu sehen waren. Meine Vergangenheit hat eher mit Asterix und Obelix und Prinz Eisenherz zu tun.

Außer der von Christopher Nolan gestemmten Batman-Trilogie habe ich im Genre der Superhelden bisher im Kino nicht wirklich viel Überzeugendes gesehen. Aber wie schon gesagt: Dem Batman-Thema stehe ich möglicherweise nicht objektiv genug gegenüber.

"Deadpool" (besser kann man das Genre nicht auf den Arm nehmen) und "Watchmen" (alternde Superhelden, die alles andere als heldenhaft sind und gegen ihre sehr dunkel beschattete Vergangenheit ankämpfen) bilden da so ziemlich die einzigen beiden rühmliche Ausnahmen für mich.

Klarerweise fällt die Entstehung der allesamt amerikanischen (zumindestens fällt mir dazu jetzt keine einzige Ausnahme ein) Superhelden in die Zeit des Kalten Krieges und hat mit dazu beigetragen, die US-Identität zu entwickeln und zu stärken und hat wahrscheinlich auch einen massig dicken Anteil daran, dass sich das Volk jenseits des großen Teiches phasenweise doch recht deutlich überschätzt und sich mit Selbstreflektion enorm schwertut. Leider habe ich die starke Vermutung, dass das dem heutigen Kinopublikum erstens nicht bewußt und zweitens völlig egal ist.

Nachsatz: Die US-Amerikaner idealisieren die Helden ihrer Filme nun mal gerne, um darin ihre Identität zu finden. Die meiste Zeit über sind das Superhelden (soll halt so sein...), derzeit scheint aber eher Harry Dunne aus "Dumm und dümmer" hoch im Kurs zu stehen. Getarnt mit oranger Perücke.
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Re: Wonder Woman

Beitragvon Ralf S. » Montag 19. Juni 2017, 15:20

Ja die Batman Trilogie steht für mich außer Frage, ist es doch eine ganz einfache Projektion menschlicher Schwächen und Zweifel auf jemanden der das so gar nicht nötig hätte.

Ich muss allerdings gestehen dass auch die Iron Man Filme und die ersten der X-Men Filme mich aus ähnlichen Gründen zum kompletten ansehen bewegt haben. Vielleicht auch weil die Beziehungen Mensch - Superheld alles andere als problemlos sind.


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