Ferrari Challenge
Eine Rennsimulation auf der Wii? Die „Ferrari Challenge“ beweist, dass es mit gewissen Anpassungen, bzw. Abstrichen, geht. Einen direkten Vergleich mit Rennsimulationen für die hardwaremäßig überlegenen Konkurrenten (XBox, Playstation…), eventuell auch noch mit spezieller Steuerung, sollte man aber nicht machen. Die Zielgruppe wird aber wahrscheinlich auch eine ganz andere sein. Ein echter „Rennfahrer“ weiß, dass die Wii nicht die richtige Plattform für solche Spiele ist. Die „Ferrari Challenge“ ist aber eine gute Abwechslung zu dem altbewährten Repertoire. Man muss nicht ständig etwas sammeln, Konkurrenten abschießen oder bewerfen, hüpfen, den Wiimote schwingen oder ihn schütteln.
Der erste Eindruck ist ganz passabel. Schon die Verpackung präsentiert sich etwas anders als sonst bei den Wii-Spielen üblich, irgendwie „edler“. Nach dem Einlegen der Disk und längerem Warten kommt das übersichtliche Hauptmenü, untermalt mit einer etwas zu epischen Musik und mit ihm auch gleich die erste negative Überraschung. Es gibt keinen Online-Modus und schon gar keinen Mehrspieler-Modus. Man kann sich nur mit Computergegnern messen oder Zeitrennen fahren.
Als Spielmodi stehen zur Verfügung, ein Arcade-Modus, ein Quick-Race Modus für die kleine Raserei zwischendurch und ein Herausforderungsmodus. Ein Quartettspiel in dem man gegen den Computer versucht alle Fahrzeugkarten zu erobern ist auch vorhanden.
Der Umfang des Spiels ist nicht übel, 16 Originalstrecken sowie über 50 Modelle der Ferrari Rennserie wurden ins Spiel übertragen.
Es gibt drei verschiedene Steuerungsmöglichkeiten. Eine mit Wiimote in Kombination mit dem Nunchuck und zwei reine Wiimote Steuerungen, davon eine als Bewegungssteuerung und die andere mit dem Steuerungskreuz.
Die Bewegungssteuerung ist zwar die natürlichste, aber leider überhaupt nicht gelungen. Der Wagen reagiert oft nicht so, wie man es sich vorstellt und manchmal bei gleicher Bewegung anders als zuvor. Relativ viel Übung und nur leichte Bewegungen sind notwendig und dann klappt es doch. Das Steuerungsmodell mit dem Nunchuck ist zwar exakter und verlässlicher, aber doch etwas Wirklichkeitsfremd und ungewohnt.
Sehr praktisch ist, dass man sich Fahrhilfen zuschalten kann: eine Lenkhilfe, eine Bremshilfe, Markierung der Ideallinie und viele mehr. Ohne diese ist man kaum in der Lage die Fahrzeuge auf der Bahn zu halten, auch kleine Fahrfehler führen zur absoluten Instabilität des Fahrzeugs. Übersteuern und Untersteuern sind realistisch umgesetzt und jeder Verlust der Bodenhaftung endet in den Leitplanken.
Die verschiedenen Ferraris haben durchwegs ein anderes Fahrverhalten und man kann sich über "langsamere Ferraris" an die fast unbeherrschbaren Renngeräte hinaufarbeiten.
Etwas schade ist, dass die Entwickler kein realistischeres Schadensystem auf die Beine stellen konnten und die edlen Boliden nur leichten Schaden nehmen, der bei Kratzern und Dellen anfängt und bis hin zu abfallenden Karosserieteilen reicht. Leider hat ein abfallender Außenspiegel relativ wenig Einfluss auf das Fahrverhalten des Fahrzeugs, auch nicht, wenn man mit 300 km/h frontal in die Bande einschlägt!
Die Graphik ist recht solide bis gut, trotzdem wäre hier auch für Wii-Verhältnisse vielleicht mehr drin gewesen. Die Entwickler gaben sich alle Mühe, Ferrari Challenge gut aussehen zu lassen, dennoch zeigt die Hardware ihre Grenzen. Die Fahrzeugmodelle sind ansehnlich gestaltet, aber die etwas zu bunte Farbpalette und die detailarmen Kurse sorgen ein bisschen für Unmut. Das auflösungsbedingte Kantenflimmern und ein deutlich sichtbarer Grafikaufbau kommen auch noch dazu.
Positiv ist, dass man verschiedene Kameraeinstellungen vornehmen kann, sodass man den Wagen z.B. von hinten in drei unterschiedlichen Abständen sehen kann.
Negativ fällt vor allem die langen Ladezeiten auf. Wieso muss man eine halbe Minute warten, wenn man sich nur eine neue Lackierung anschauen will? Braucht man wirklich eineinhalb Minuten, um eine Strecke darzustellen? In einem Rennspiel muss alles schnell gehen, auch im Menü.
Fazit:
Obwohl das Spiel, dafür was es bietet, etwas zu teuer ist, ist es eventuell eine Anschaffung wert. Hauptsächlich Leute die zu den zahlreichen Fun-racern eine Alternative oder Abwechslung suchen, können hier bedenkenlos zugreifen. Eine Empfehlung ist aber, das Spiel erst auszuprobieren, da es nicht ganz so einfach zu handhaben ist.
Pro
+ Viele Fahrzeugtypen
+ Fahrzeugsetup Feature
+ Rennlängen bis 45 Minuten
+ Wird immer schwerer
+ Fahrzeugsounds
+ Streckenauswahl
+ Sehr lange Spielzeit
Contra
- nicht überzeugende Lenkrad Steuerung
- Langsame Menüs und deren Ladezeiten
- Kein Mehrspieler- und Online-Modus


