Kulinarisch gesehen sahen wir nicht rot
„Wir hätten da jetzt rechts abbiegen sollen!“ Sätze wie diesen kennen die geneigte Leserin und ihr männliches Pendant von vergangenen Offside-Messeberichten ja bereits zuhauf. Und es war mir auch immer ein besonderes Vergnügen, in den vergangenen Jahren über die navigationstechnischen Verfehlungen der Extra-Klasse ausführlich zu berichten (siehe Das Alpha-Team - Metabericht, Freitag: „Nächstes Jahr fahren wir nimmer nach Navi!“ *. Doch bisher war es nicht mehr als ein „Wir hätten da jetzt rechts abbiegen sollen!“, als Christoph und ich am Tag unserer Ankunft auf dem Weg ins Quartier nach Verlassen des Schmidt-Spieleabends eben da jetzt hätten rechts abbiegen sollen und stattdessen eine kleine Extra-Runde drehten. Aber noch war nicht aller Messetage Abend und ich gab die Hoffnung auf eines meiner Lieblings-Offside-Themen nicht auf.
Dafür konnten wir auf dieser Fahrt den lokalen Radio-Humor ein wenig ergründen. Unter anderem lauschten wir einer Sendung mit lustigen Anrufen in deutschen Ämtern. Dabei wurde gefragt, ob es denn in Ordnung ginge, den eigenen Sohn Deutschland oder die Tochter Persil zu nennen. Interessant fanden wir auch folgende Antwort auf die Frage, woran man merke, dass ein Busfahrer wirklich alt sei: Wenn er beim Ansagen der Haltestelle sagt: „Nächste Haltestelle: hab’s vergessen…“ Nachdem uns eine Leere in Sachen Schmäh erteilt wurde, muss ich an dieser Stelle aber doch zugeben: Platz 1 der Antworten auf die Frage, woran man merke ein Busfahrer sei wirklich alt, entlockte uns tatsächlich ein Schmunzeln: Wenn er bei der Haltestelle „Altenheim“ einfach aussteigt.
In manch einem Bericht der vergangenen Messen wurde ganz gern über die kulinarischen Offerte hergezogen. Doch dieser Messeaufenthalt hat uns kulinarisch sehr positiv überrascht. Während es beim Schmidt-Spieleabend am Donnerstag bayrisch resch aber wohlschmeckend zuging, gab es beim Presse-Get-Together am Freitag beispielsweise ein hervorragendes Hühner-Curry. Einzig die Bezeichnung Schweinelachs war ein wenig verwirrend – die Speise selbst aber nicht zu verachten! Auf der Messe selbst genehmigte ich mir unter anderem ein paar Frankfurter (hier Wiener genannt) mit einer vernünftigen Portion Pommes um wohlfeile € 3,60. Nur eine Kellnerin Samstag beim Abendessen in einem Lokal strapazierte ein wenig unsere Nerven. Sie wiederholte andauernd, was manche Frauen wohl bei privaten Aktivitäten ungern zu früh von ihren Männern hören und andere wiederum nicht früh genug hören können, um die Sache hinter sich zu bringen, nämlich: „Ich komm gleich!“ Das hörten wir geschätzte fünfzig mal, bevor wir endlich unser Essen bestellen konnten und ich bekam es weitere zwanzig mal zu hören, bevor ich mir ein Ginger Ale bestellen konnte. Kulinarisch wurden wir hingegen auch in diesem Lokal nicht enttäuscht.
Als Spieleautor ist es eine tolle Sache, ein selbst entwickeltes Spiel bei einer Messe präsentiert zu bekommen. Um unser Ego ein wenig zu streicheln aber auch ganz einfach aus purer Lust ließen wir uns Make N‘ Break Party bei Ravensburger erklären – das Spiel stammt übrigens aus der Feder von Arno und mir. Klar, sonst würd uns das ja wohl kaum unser Ego streicheln. Das Promo-Mädl war erst ein wenig verwundert als wir plötzlich mit dem Spiel für ein paar Fotos posieren wollten. Nachdem sie über unsere Autorenschaft informiert wurde, erzählte sie uns, dass sich bereits am Vortrag eine Dame das Spiel hatte erklären lassen und danach nur meinte „Danke, ich kenn das Spiel aber eh schon.“ Unsere liebe Agentin Anita Landgraf macht sich offenbar auch gerne einen Spaß mit Promo-Mädls. Auch bei HUCH! & friends gab es eine Neuerscheinung aus unserer Feder zu begutachten: Wolf im Schafspelz. Auch hier ließen wir uns bei unserem Pressetermin das Spiel von der Pressedame erklären, bevor wir ihr einen dezenten Hinweis auf die Autorennamen auf der Spielschachtel gaben. Bei einem der beiden Termine – es sei an dieser Stelle nicht verraten bei welchem, denn wir wollen hier ja niemanden bloßstellen – gab es übrigens die witzige Situation, dass uns die Spielregeln nicht ganz korrekt erklärt wurden. Nun ja, witzig eher für uns als für die erklärende Person, der das eher ein wenig peinlich war. Schlussendlich konnten wir dann aber gemeinsam darüber lachen, denn wir sind ja nette Autoren, die bei so etwas nicht rot sehen.
„Ich werd dann da noch reinschreiben, dass... ROT ist!“ entfuhr es mir und Christoph trat dann noch rechtzeitig auf die Bremse, da er auch hier nicht das Rot gesehen hat. Bereits zuvor sagte er mir: „Wie kann ich nur ohne dich überleben?“ Bevor hier jetzt etwas falsch interpretiert wird – auch wenn Christoph und ich uns das Auto und sogar das Zimmer in diesen paar Tagen teilten, so war seine Frage kein romantisch gemeinter Liebesbeweis. Es sorgte sich wohl tatsächlich ums nackte Überleben, denn auf dieser 5-minütigen Fahrt zum Bahnhof wies ich ihn auf ein einige nötige Spurwechsel sowie auf vor einer anderen roten Ampel stehende Autos hin, deren Hinterteil wir ansonsten unsanft geküsst hätten. So ausgeprägt also diesmal Christophs Navigationsfähigkeit war (zugegebenermaßen war unser Quartier auch grad mal 5 Minuten vom Messegelände entfernt), so unausgeprägt schien seine Fähigkeit, den umgebenden Straßenverkehr zu erfassen. Hmmm, was wohl wichtiger wäre? Schlussendlich trafen wir dann sicher am Bahnhof ein und ich konnte in den Zug gen Wien steigen.
Wie immer waren es auch diesmal wieder sehr kurzweilige interessante Tage und ich freue mich bereits auf die kommenden Spielemessen!
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