Der Smada-Verlag stellt sich vor
Das erste Kleinverlagsinterview im Jahr 2010 gilt dem Smada-Verlag. Man kann wirklich von einem Kleinverlag sprechen, die Angebotspalette enthält derzeit nur ein einziges Spiel namens "Zirkusfieber". Nicht viel, wenn man bedenkt, dass der Verlag schon seit 6 Jahren besteht. Aber es war gar nicht Ziel des Verlagsgründers, Jürgen Adams, einen ständigen Output an Spielen zu schaffen. Nun ist er uns für ein Interview zur Verfügung gestanden.
Spieletest.at: Stellen Sie sich doch bitte mal vor.
Mein Name ist Jürgen Adams, ich bin verheiratet und habe vier Kinder. Ich bin seit 1976 am Asam-Gymnasium in München tätig und habe hier vor 15 Jahren den Asamesischen Zirkus gegründet, den ich bis heute leite.
Spieletest.at: Seit wann gibt es Ihren Verlag?
Seit Dezember 2003.
Spieletest.at: Wie kam es zum Namen?
Meine Tochter A-n-n-a, deren Namen man vorwärts wie rückwärts gleich lesen kann, kam auf die Idee, dem Verlag aus unserem Namen „A-d-a-m-s“ rückwärts gelesen den Namen „S-m-a-d-a“ zu geben.
Spieletest.at: Was hat Sie dazu bewogen, einen eigenen Verlag zu gründen? Gab es die Überlegung, Spiele stattdessen großen Verlagen anzubieten?
Es haben sich zwei große Verlage für mein Spiel Zirkusfieber interessiert. Der Ravensburger Verlag prüfte das Spiel eingehend, um es schließlich nach über dreimonatiger Prüfungsphase zurückzuschicken und mir eine Absage zu erteilen. Da ich von der Spielidee überzeugt war und von den Machern des Bayerischen Spiele-Archivs in Haar wusste, dass es kein großes Zirkusspiel (Brettspiel) auf dem Markt gab, habe ich mich entschlossen, einen eigenen Verlag zu gründen.
Spieletest.at: Mit welchem Ziel wurde der Verlag gegründet?
Ich wollte meine Idee verwirklichen und versuchen, ob dies geht. Auch wollte ich verhindern, dass mein Spiel in meinem Keller verstaubt.
Spieletest.at: Wie viel Erfahrung in der Spieleszene war vorhanden, als der Verlag gegründet wurde?
Obwohl in der Familie das gemeinsame Spielen von Gesellschaftsspielen gepflegt wurde, hatte ich zur Spielszene so gut wie keinen Kontakt. In den Testphasen habe ich allerdings mehrere Spieleabende in München und Umgebung aufgesucht, um mich dort zu orientieren.
Spieletest.at: Wie viele Personen sind beim Verlag beschäftigt?
Ich bin mein eigener Chef und Sekretär in einem. Allerdings bekomme ich zu jeder Zeit Unterstützung von meiner Familie, wenn ich sie brauche. Meine Frau als Deutschlehrerin liest alles Korrektur, mein Sohn als Computerfachmann kreierte die Homepage (smada-verlag.de) und kümmert sich um die Layouts.
Spieletest.at: Kann man davon leben?
Als Familienvater auf keinen Fall. Aber es gibt immer wieder Beispiele, wo auch ein Autor mit einem Kleinverlag erfolgreich geworden ist, so dass er davon leben kann. Ein voller Beruf nebenher ist dann aber nicht möglich.
Spieletest.at: Was arbeiten Sie bzw. Ihre Mitarbeiter hauptberuflich?
Ich bin Gymnasiallehrer für Sport und Chemie.
Spieletest.at: Wo steckt Arbeit drinnen, die man als Spieler so nicht sieht?
Die Arbeiten, die auf einen zukommen, sind sehr vielfältig. Alles, was sonst durch die verschiedensten Mitarbeiter eines renommierten Verlages geleistet wird, muss ich selbst in die Hand nehmen. Sehr viele Entscheidung muss ich alleine treffen, die irgendwann endgültig sind. Dies betrifft zum Beispiel den Titel, die Spielregeln, die Auswahl des Spielmaterials (Figuren, Karten, Spielbrett, Größe und Format der Spieleschachtel...).
Sehr aufwendig und entscheidend ist die Kalkulation bezüglich Gesamtkosten, Stückzahl, Händler- und Ladenpreis, die Buchführung und ebenso die Werbung durch Internet, Flyer und Presse.
Spieletest.at: War Ihr Verlag von Anfang an erfolgreich, oder gab es auch Rückschläge?
Ich hatte Glück. Nach relativ kurzer Zeit konnte ich über 400 Spiele, teils privat, teils öffentlich verkaufen, u.a. an den Circus Krone, der mir gleich zu Beginn 50 Exemplare abnahm.
Spieletest.at: Wo lassen Sie Ihre Spiele produzieren?
Bei der Firma Ludofact in Deutschland. Die Holzteile habe ich aus Kostengründen bei der Fa. Lorenz Spielwelt direkt herstellen lassen.
Spieletest.at: Wie machen Sie auf Ihren Verlag aufmerksam?
Vor allem durch die eigene Website und durch Flyer. Das Internet spielt hier allgemein eine große Rolle. Andererseits auch die Präsenz auf diversen Messen, Märkten und Zirkusveranstaltungen. Anfang des Jahres habe ich einen Artikel über den Zusammenhang zwischen der Entstehung meines Spieles und dem Asamesischen Zirkus geschrieben.
Spieletest.at: Wie werden Ihre Spiele vertrieben?
Vor allem durch meinen Verlag, aber auch durch Spielzeug Kraul, der hochwertige Spielwaren aus Holz anbietet.
Spieletest.at: Welche Spiele sind bisher im Verlag erschienen und in welchen Stückzahlen wird produziert?
Bis jetzt nur Zirkusfieber. Die Auflage beträgt 3000 Stück.
Spieletest.at: Wie und woher bekommen Sie die Ideen für Ihre Spiele?
Bei Zirkusfieber waren es die Erfahrungen von fast 100 Auftritten mit dem Asamesischen Zirkus, dessen Gründer und Leiter ich bin. Ansonsten sind es spontane Einfälle, die sich aus meinen Erlebnissen im Alltag ergeben oder aber auch durch wissenschaftliche Berichte im Fernsehen.
Spieletest.at: Was ist an den eigenen Spielen wichtig, was ist den Spielen gemein?
Zirkusfieber ist ein Kinder- und Familienspiel, das konkreten Bezug zur Realität hat. Außerdem bin ich sehr daran interessiert, hochwertiges Material zu verwenden.
Spieletest.at: Wie lange arbeitet man an einem Spiel?
An meinem ersten Spiel habe ich über dreieinhalb Jahre gearbeitet, wobei die hohen Produktionskosten zu einer Verzögerung von mindestens einem Jahr geführt haben. Dagegen war der Prototyp meiner neuesten Spielidee nach drei bis vier Wochen fertig. Mit Testspielen und den dadurch sich ergebenden Änderungen dauert es sicher ein ganzes Jahr, bis ein fertiges Spiel entsteht.
Spieletest.at: Wie bekommen Sie Resonanz aus Spielerkreisen?
Die einzelnen Rückmeldungen sind vielfältig, selten per E-Mail, oft persönlich und live im Spielen miteinander, seien es Kinder oder Erwachsene.
Spieletest.at: Darf man eigene Ideen einsenden, wenn ja in welcher Form?
Daran bin ich erst einmal nicht interessiert, da ich mir selbst nicht sicher bin, ob ich noch einmal das Risiko eingehe, ein neues Spiel im Eigenverlag produzieren zu lassen.
Spieletest.at: Welche Spiele spielen Sie privat?
Am liebsten Carcassonne, Zug um Zug Europa und Siedler von Catan.
Spieletest.at: Was macht der Reiz dieser Spiele aus?
Bei allen Spielen verläuft jede Spielrunde anders, so dass immer wieder Spannung aufkommt. Außerdem ist man bei den beiden letzteren immer in Zugzwang, da man befürchten muss, dass ein Mitspieler einem die Tour vermasselt.
Spieletest.at: Was sind die nächsten geplanten Projekte?
Zurzeit beschäftige ich mich mit zwei Spielideen. Mehr möchte ich noch nicht verraten.
Spieletest.at: Würden Sie Spiele-Autoren zu mehr Mut raten, damit sie Spiele im Eigenverlag produzieren?
Das muss jeder selbst genau abwägen und entscheiden. Eine alte Regel besagt: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.
Spieletest.at: Wo sehen Sie die Brettspiele in 10, 15 oder 20 Jahren?
Wenn man die großen Spielefeste in Essen, München oder Wien erlebt und die vielen Besucher jeglichen Alters sieht, kann man davon ausgehen, dass es im Sinne der Spieleautoren und Verlage weitergeht. Aber wer weiß schon, wie es in 20 Jahren aussehen wird!
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft!
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